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Berliner Stadtreinigung: Beschäftigte fordern 16 Prozent mehr Lohn

Am Donnerstag kamen Beschäftigte der Berliner Stadtreinigung (BSR )zusammen, um ihre Forderungen für die nächste Tarifrunde an die Geschäftsleitung übergeben. Dabei ist die Belegschaft beinahe zu 100 Prozent streikbereit und will aufgrund der Inflation 16 Prozent mehr Lohn: fast das doppelte vom aktuellen Inflationsniveau! Von diesem kämpferischen Auftakt und fortschrittlichen Forderungen sollten sich tausende Arbeiter:innen inspirieren lassen.

Berliner Stadtreinigung: Beschäftigte fordern 16 Prozent mehr Lohn
Foto: Maxi Schulz / KgK

Nach Befragung der Beschäftigten durch die Gewerkschaft Ver.di ergab eine Forderung von 16 Prozent mehr Lohn und eine Streikbereitschaft von beinahe 100 Prozent der Belegschaft. Die Schummelei wie bei den Corona-Sonderzahlungen, die um 50 Prozent durch den Arbeitgeber gekürzt wurden, soll es kein weiteres Mal geben. Und es kämpft nicht nur die Müllabfuhr: Auch die Beschäftigten der Reinigung, Werkstätten, der Verwaltung, die Azubis und die Töchter der Berlin Recycling, welche bei gleicher Arbeit noch schlechtere Bedingungen haben, zusammen über 6.000 Kolleg:innen, ziehen in den Kampf gegen den kommunalen Arbeitgeberverband. Doch nicht allein für die Lohnsteigerung: dort, wo die soziale Härte nicht abgefedert werden kann, sollen beispielsweise Sockelbeträge die Situation etwa bei den Azubis oder in der Reinigung verbessern.

Das Ergebnis der Beschäftigtenbefragung legt zwar nicht die endgültige Forderung für den Tarifvertrag der Länder (TV-L) fest. Diese werden erst am 5. Oktober in der Tarifkommission Berlin-Brandenburg ausdiskutiert und am 11. Oktober vorgestellt. SIe zeigen jedoch das enorme Bedürfnis nach einer Lohnanpassung bei der Stadtreinigung. Die Kolleg:innen stehen zusammen, um die Krise abzuwehren – sie sind sich des Ausmaßes der sozialen Krise bewusst. Sie verstehen, dass es auch eine Wende in der gewerkschaftlichen Organisierung braucht. Eine Befragung zu den Forderungen hat es im Betrieb noch nie gegeben. Zudem erklärten sich hunderte Beschäftigte bereit, sich zu Streikdelegierten aufstellen zu lassen, obwohl in dem einst gewerkschaftlich gut organisierten Betrieb der Organisierungsgrad mittlerweile eher niedrig ist.

 

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Ein internationales Vorbild für die Berliner Kolleg:innen stellt mit Sicherheit die streikende Müllabfuhr in Großbritannien dar, wo in den vergangenen Monaten in einzelnen Stadtbetrieben kräftige Lohnerhöhungen in Höhe von teils 17 Prozent erkämpft wurden. Zum Edinburgh Fringe, einem internationalen Festival, das Tausende Besucher:innen aus aller Welt anzieht, streikte die Stadtreinigung vor kurzem ununterbrochen zwei Wochen lang. Diese Streiks sprangen dann schnell auf andere Teile Schottlands über.

In einer Rede von Ver.di wurde auch deutlich, dass es in diesem Arbeitskampf zu mehr als nur vereinzelten Warnstreiks kommen wird. Somit stellt sich einer von Berlins größten Betrieben darauf ein, anders als in vergangenen Tarifrunden, in den Vollstreik zu gehen: etwas, das sie von der Berliner Krankenhausbewegung gelernt haben. Damit setzt die BSR ebenfalls ein Zeichen für Arbeiter:innen in ganz Deutschland sowie international.

 

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