Berichte aus dem Kessel in Köln
Wir berichteten in den letzten Tagen bereits über die heftige Polizeigewalt von Samstag auf Sonntag bei der Abschlussparade des Rheinmetall Entwaffnen Camps. An dieser Stelle veröffentlichen wir einige Berichte, die ihr uns zugesendet habt.
Erfahrungsbericht 1
„Ich war direkt neben dem Kessel und konnte ab und zu Dinge in den Kessel bringen. Ich war im Rahmen des Deeskalationsteams der Parade vor Ort und habe auch Presse und Parlamentarische Beobachterinnen begleitet. Ich war die vollen 12 Stunden vor Ort.
Die Gewalt der Cops richtete sich gezielt auf Köpfe. Gezielte Schläge gegen Köpfe und Gesichter. Ansonsten wurden Menschen ausgelacht und die ganze Zeit belächelt.
Menschen wurden sehr ambivalent erst aufgefordert mit zu kommen, bevor sie einfach reingerannt und mit Gewalt Leute rausgerissen wurden.
Mitten drinnen (glaube so gegen 1 Uhr oder halb 2) haben sich dann viele Menschen sehr kooperativ gelöst. Das hat den Cops nicht gefallen. Es war kurz vorher Schichtwechsel und die neuen Cops waren furchtbar aggressiv und haben Stress gesucht – dann halt aber nicht bekommen und daraufhin wurde die Taktik gewechselt und von allen Seiten die Banner versucht runter zu reißen. Das hat natürlich eskaliert.
Menschen wurden teilweise am Kopf herausgezogen und vor allem mit Schmerzgriffen den ganzen Weg in die ED Behandlung gezogen.
Versorgungssituation (wie ich sie wahrgenommen habe): die Cops auf der Seite der Soli Kundgebung haben auch sehr ambivalent (je nach Schicht) Dinge durchreichen lassen. Funktionierte so: Leute bringen was, wir als Deeskalationsteam fragen, ob wir es mit reinnehmen können und die Cops sagen ja oder nein.
Wasser wurde eigentlich stetig durchgelassen, Essen vor allem Snacks am Anfang, irgendwann hat die KüFa dann Nudelsalat und Tomatensauce angeliefert, das hat enorm lange gedauert und alles wurde genauestens durchsucht. Danach durften Snacks eher weniger rein „Ihr habt doch Wasser und warmes Essen“. Vor allem wurde regelmäßig gesagt „naja, das nicht, das könnten die ja schmeißen“ – klang eher wie eine Hoffnung als Sorge.
Die Solidarität war unglaublich. Es ging von Hygieneprodukte wie Desinfektionsmittel, Klopapier und Feuchtpapier bis hin zu Rettungsdecken, Äpfel und Bananen.
Kaffee und warme Getränke wurden nicht erlaubt „könntet ihr uns ja ins Gesicht schmeißen“ – während es immer kälter wurde und Leute krass gefroren haben.
Furchtbar, widerlich, menschenunwürdig: es wurde kein Zugang zu Toiletten gewährleistet und Menschen mussten sich auf Gullideckel entleeren. Es wurde ein kleiner Sichtschutz für Privatsphäre gehalten, die die Cops irgendwann runtergerissen haben.
Situation a) Am Anfang stand noch der Soli Bus mit in einer Cop Kette: darin waren Menschen, die entweder behindert waren und somit die Demo auch mitmachen konnten (Gehbinderung, Erschöpfung, Überreizung). Es wurden erst auch noch Verletzte reingeschickt. Dann hat die Polizei kein Rein oder Raus mehr zugelassen. Die Menschen waren da drinnen gefangen, ohne dass dies wirklich mal klar benannt wurde von den Cops. Nach unglaublicher Bemühung und Verhandlung konnten irgendwann Wasser und Snacks reingereicht werden. Nach langer Zeit konnte auch eine minderjährige Person von der Mutter abgeholt werden. Die Personen konnten ohne ID Angabe ab einen bestimmten Punkt gehen. Menschen die vorher raus wollten, mussten ID angeben.
Situation b) Zusätzlich war neben dem Soli Bus eine Menschenmenge, die auch gekesselt war und gar keinen Zugang zu irgendeiner Versorgung von außen hatte. Nach mehreren Stunden konnten diese Personen ohne ID-Angabe gehen. Aber nach einer so langen Zeit erst, dass Toilettengänge nötig waren.
Situation C) In einer Situation wurde ein Pressemensch von den Cops mit großer Gewalt aus einem Hauseingang gerissen und trotz der klaren Kommunikation, dass der Mensch Presse ist, weggetragen. Angeblich, weil die Presse Person eigentlich Teil der Versammlung war und abhauen wollte. Das war die erste Erklärung eines Cops, der das auch felsenfest weiter behauptet hat, trotz Erklärungsversuchen unsererseits. „Ja, das ist einer der schlauen Linken. Erst ins Mikrofon brüllen und dann mit Presse Ausweis rumwedeln. Aber nicht mit uns. Dem zeigen wir’s“. Nach Klärung der Situation, aber ohne Entschuldigung durfte die Person wieder kommen. Einfach mal Gewalt anwenden, bevor man versucht zu verstehen, was passiert.
Kurz vorher war Schichtwechsel und sie waren wieder voller Motivation, ihre Drangsalieren auf die Straße zu bringen.
Situations D) Es wurde aus dem Kessel nach Sanis gerufen (nachts gegen 23 Uhr?) Demos Sanis wollten reingehen und die Cops haben das verweigert. „Die Person soll einfach rauskommen.“ Durch Verhandlungen und Klärung, dass die Person nicht ohne medizinisches Personal adäquat aus dem Kessel geholt werden kann und nochmaliges Einreden auf die Cops wurde ihnen erlaubt, die Person rauszuholen.
Ich hab nochmal gefragt, warum die denn nicht rein hätten dürfen: „das sind ja keine richtigen Sanis. Das sind ja Demonstrierende wie alle anderen und wer weiß was, die da machen. Sie haben genauso viel med. Ausbildung wie Sie und Ich:“
Situation E) (ca 2 Uhr nachts?) Menschen wurden vorne immer wieder rausgezogen und mitgenommen. Cops gingen wirklich sehr gewaltvoll rein. Dann gab es eine verletzte Person, die von Sanis behandelt wurde. Trotzdem sind die Cops fett rein und haben auch die Sanis anscheinend erwischt, weil dann ein Sani sich mit ausgestreckten Armen vor die Aktivisti gestellt hat und die Cops angebrüllt hat, sie sollten sofort aufhören die Rettungsmaßnahmen anzugreifen. Sie Cops haben kurz diskutiert, aber dann gewartet, bis die Person rausgetragen wurde.
Cop Zitate, die ich gehört habe (eine Auswahl):
„Ja, da zeigen wir es den Linken mal so richtig und schüchtern die ein, dass sie weniger demonstrieren“.
„Schade, dass so viel Presse da ist, da entstehen so unschöne Bilder. Leute weniger auf die Köpfe hauen vor den Kameras“.
„Das sind genau die Bilder, die wir eigentlich nicht wollen“ (betreffen kooperative Aktivisti, die trotzdem gewaltvoll rausgerissen wurden).
Ich hatte durch hartes Verhandeln viel Glück als eine von 5 Personen im Deeskalationsteam, eben diesen besonderen Zugang. Ich musste den Cops unglaublich in den Arsch kriechen, damit Dinge funktioniert haben.
Andere aus dem Deeskalationsteam wurden rausgeschickt. (Wir waren eigentlich ca. 50 im Team)
Das waren jetzt vor allem Eindrücke aus dem Kessel, als er schon fest stand. Ich war vorher nicht so nah dran und habe deswegen hier mehr meine Eindrücke geschildert.”
Erfahrungsbericht 2
-Demo startet mit Verzögerung am Heumarkt.
Wir konnten nicht loslaufen weil spontan wahllose
Auflagen wie keine fahnen mit Metallstäben oder
Banner verknoten.
-Dann endlich loslaufen alle paare Meter wird die Demo aufgehalten, wir kommen kaum voran
-Gründe für das Aufhalten weiß ich nicht, ich war relativ weit hinten.
-Als wir uns kaum einen Kilometer vom Heumarkt entfernt hatten, erneut lange Unterbrechung in der prallen Sonne. Die Demo wurde ab einem Zeitpunkt von der Parade getrennt, ich weiß nicht genau wann.
-ca. 17:00: dann in eine kleinere Seitenstraße geführt und erneut angehalten.
-Demo wird gewaltsam erneut aufgeteilt, da bin ich mir nicht hundertprozentig sicher, Leute haben das gerufen, aber ich habe es nicht selbst gesehen.
-Viele Leute werden gleichzeitig gepfeffert und geschlagen, wir müssen uns um unsere Verletzten kümmern. Keinerlei Provokation gegenüber der Polizei.
-18:00 Ungewissheit, was passiert.
-18:30 wird die Gruppe von der Polizei in der Straße eingekesselt. Leute von außen berichten, dass ein Wasserwerfer angerückt ist.
-Ich bin mit einigen Genossinnen zu den Polizeiketten auf allen drei Seiten gegangen und haben auf unser Versammlungsrecht bestanden die Versammlung zur verlassen. Entweder wurde uns nicht geantwortet oder nur gesagt, das Gespräch sei beendet. Wir kamen also nicht raus, obwohl wir gerne wollten, weil wir uns nicht nicht sicher gefühlt haben.
-wir sagen, außerhalb der Menschen hinter den Bannern auf den Bordstein, um uns auszuruhen. Nach dem langen warten. Eine Freundin hat mir dann geschrieben, dass sie noch hinter den Bannern stehe und ich bin zu ihr gegangen, um ihr einen von meinen Schokoriegel zu geben, als ich wieder zu meiner Gruppe gehen wollte, standen rings um die Banner. Überall Polizei und hat gesagt, wir dürften den Kreis nicht verlassen.
-Es kam Durchsagen, dass jede Person im Kessel eine Personalienkontrolle bekommen wird
-Die Stunden im Kassel: es gab Essen, aber mit Verzögerung, weil die durch Gabe erst von der Polizei verweigert, wurde keine Toilette. Menschen müssen auf dem Boden in ein Gulli kacken und pissen.
-( ich hatte zum Beispiel meine Tage und konnte für über 12 Stunden mein Tampon nicht wechseln)
-Verletzte oder kollabierte menschen mussten teilweise im Kessel behandelt werden, Polizei verwalte teilweise das passieren der Sanitäter mit Verletzten
-Niemand konnte freiwillig gehen. Auch Leute, die da rum gebettelt haben, raus gelassen zu werden wurden zurückgewiesen mit den Worten Anführungszeichen „ihr seid jetzt eingeschlossen“
-Die ganze Zeit über wurden Leute brutal aus dem Kessel entfernt und mitgenommen, beispielsweise über den Boden schleifen, ins Gesicht schlagen. Kopf auf dem Boden drücken, Pfefferspray, Schmerzgriffe.
-Presse wurde bedrängt, geschubst und verhaftet
-Alle Menschen minderjährig und Menschen mit körperlichen Problemen auch im Kessel wurde der Polizei auch kommuniziert
-Keine Decken oder Jacken haben gefroren, weil wir uns auf eine DMA tagsüber eingestellt haben und keine Freiheitsberaubung bis spät in die Nacht
-Um 2:51 Uhr wurde ich mit starken ziehen und zerren sowie SchmerzGriffen von der Polizei weg geführt (das weiß ich so genau, weil ein Genosse von mir Teil des Presseteams war und mich deshalb nahe begleiten konnte und um diese Uhrzeit eine Nachricht in eine Gruppe geschrieben hat)
-Dann Personenkontrolle und und Fotos machen etc. die Bullen haben zueinander gesagt, dass sie sich freuen, dass Menschen weniger Widerstand leisten würden
-Anzeige, schwerer Landfriedensbruch und Platzverweis
-Entlassung: Zeit weiß ich nicht genau
-Ergänzung: Meine Freunde außerhalb des Kessels, die solidarisch auf mich gewartet haben, haben mir erzählt, dass sie mehrmals grob aufgefordert wurden, weg zu gehen (obwohl sie keinen Platzverweis hatten) und wurden gegen einen Fahrradständer geschubst.
Erfahrungsbericht 3
Zwei Wochen vor den Kommunalwahlen lässt die Polizei in Köln friedliche Friedensdemonstranten niederknüppeln.
Ein kurzer persönlicher Bericht zum gestrigen Geschehen.
Köln, 30.08.2025
Wie in anderen Städten des Landes fand auch in Köln zum Antikriegstag eine Friedensdemonstration statt. Ab 13:30 versammelten sich die Teilnehmer friedlich auf dem Kölner Heumarkt. Die Sonne begrüßte die Menschen, man unterhielt sich, friedenspolitische Reden wurde gehalten. Es herrschte eine wunderbare friedliche Stimmung und erstmals nach langer Zeit fanden sich auch wieder Vertreter der unterschiedlichsten politischen Strömungen zusammen. Langsam füllte sich der Platz. Auffallend war jedoch die große Polizeipräsenz am Rande und in den Nebenstraßen des Platzes. Schwerbewaffnete Polizeieinheiten bewachten das Geschehen. Als dann gegen 15:00 der Zug endlich Richtung Südstadt angeführt von singenden und skandierenden Teilnehmern des Rheinmetall-Entwaffnen-Camps starten sollte, passierte erst einmal nichts. Plötzlich standen große martialisch bewaffnete Polizeieinheiten Spalier und verengten den Ausgang Richtung Augustinerstraße. Was war los? Wann geht es endlich weiter? Die Teilnehmer skandierten friedenspolitische Forderungen oder sangen gemeinsam Friedenslieder. Eine wunderbare Stimmung, einer Friedensdemo würdig. Nur gestört durch eine unverhältnismäßig große Polizeipräsenz.
Über einen Mannschaftswagen verkündete dann nach mehr als einer Stunde endlich die Polizei, was der Grund für die Blockade der Demo sein sollte: Angeblich wurden von den Teilnehmern nicht genehmigte Metallstangen als Transparentstangen benutzt, die so nicht erlaubt seien. Die einzigen erkennbaren Metallstangen waren Teleskopstangen, die oft auf Demonstrationen benutzt werden oder Besenstangen. – Nichts bewegte sich. Plötzlich eine weitere Durchsage, nun waren es angeblich Holzstangen, die einen größeren Durchmesser als 3 cm aufwiesen. Es wurde immer klarer: die Polizei wollte den Demonstrationszug verhindern und suchte nach Gründen dafür, das Demonstrationsrecht einzuschränken.
Mit zwei Stunden Verspätung ging es nun endlich los. Friedlich singend marschierte man gemeinsam die Augustinerstraße bis zur kleinen Sandkaul hoch, überquerte dort die KVB-Linie, zog weiter die Pipinstraße hinunter und bog rechts in Heumarkt ein. Am Malzbüchel kam der Zug erneut zum Stehen, wieder wusste niemand, was los war. Gemeinsam sang man „Bella Ciao“, das „Soldatenlied“ von Erich Mühsam. Ein wunderbare, ruhige, friedliche Stimmung. Doch es ging nicht weiter. Eine erneute Durchsage der Polizei: nun waren es angeblich vermummte Demonstrationsteilnehmer und zu hoch (!) getragenen Transparente, die die Polizeiblockade rechtfertigen sollten.
Endlich ging es weiter, der Zug biegt Richtung Rheingasse ab. Alles sehr eng dort, noch enger durch den Aufmarsch der Polizeieinheiten auf beiden Seiten des Demozuges.
3 (!) Stunden nach dem eigentlichen Beginn der Demonstration erreichen wir nun Am Leystapel das Schokoladenmuseum. Wieder kommt alles zum Stehen. Plötzlich der Geruch von bengalischem Feuer, der zieht schnell ab, gibt der Polizei jedoch einen weiteren Grund, den Demozug erneut länger aufzuhalten. Endlich geht es weiter. Auf dem Weg zum Chlodwigplatz biegen wir nun, immer beiderseitig von der Polizei begleitet in die Mechtildisstraße ab, wieder eine der engen Kölner Straßen. Alles kommt zum Stehen, die Polizei riegelt die Straße von vorne ab, verengt den Raum von beiden Seiten. Plötzlich Sanitäter, die junge Demonstrationsteilnehmer behandeln und auf den Bürgersteig führen. Eine junge Teilnehmerin wird von zwei Menschen geführt. Die Polizei sprüht von beiden Seiten unkontrolliert auf die jungen Demonstrationsteilnehmer Tränengas und schlägt einige von ihnen brutal nieder. Lange dürfen die Opfer dieser Gewalt den Zug nicht verlassen und können erst einmal nicht behandelt werden.
Der Kessel zieht sich zusammen, mittlerweile hat die Polizei den Block der Jugendlichen Campteilnehmer in einem inneren Kreis eingekesselt. Auch wir, die wir aus Solidarität mit ihnen in der Nähe des Kessels verbleiben, sind in einem zweiten Kessel gefangen. Man lässt einen nicht einmal raus, um Wasser zu holen. Nach zwei Stunden werden wir unter Stößen aufgefordert, den äußeren Kessel zu verlassen. Weitere Polizeieinheiten werden angefordert. Ein Räumpanzer und Wasserwerfer wird am Holzmarkt positioniert. Den Jugendlichen wird selbst Wasser verwehrt, während die Polizisten sich selbst mit Wasser und kleinen Snacks versorgen. Einige junge Polizistinnen blicken fragend in die Menge. Es hat den Anschein, dass auch sie nicht wissen, was sie hier eigentlich tun. Ein Polizist äußert gegenüber einem Anwohner, dass ihr Vorgehen abschreckende Wirkung für die Zukunft haben soll, damit derartige Demos nicht mehr stattfinden. Mehrere Polizisten räumen den Zugwagen der Campteilnehmer leer, angeblich soll sich dort etwas Verbotenes befinden. Auch das ist nicht der Fall. Es wird provoziert, man möchte wohl einen Grund für diesen martialischen Einsatz finden. Die Eingekesselten verbleiben ruhig, skandieren und singen gemeinsam. Bewundernswert.
Mehrmals versucht die Polizei mit Gewalt den solidarischen Ring, den die Teilnehmer um den äußeren Kessel gebildet haben gewaltsam zu durchbrechen. Die Demonstration wird seitens der Polizei aufgelöst, die Demonstrationsleitung stellt sofort einen erneuten Antrag auf Versammlung. Lange wird ihnen auch dieses Recht vorenthalten, muss jedoch dann genehmigt werden. Die Stimmung ist weiterhin gut und kämpferisch. Man hilft sich gegenseitig, Kaffee und kleine Speisen werden zur Stärkung gereicht. Die eingekesselten Jugendlichen erhalten davon jedoch nach wie vor nichts, haben auch nicht die Möglichkeit auf die Toilette zu gehen. Anwohner filmen das Geschehen und versorgen uns mit Wasser. Eine Drohne schwirrt den ganzen Tag über uns. Die Polizei kündigt an, dass die Eingekesselten langsam den Kessel verlassen können und ihre Personalien geprüft werden. Zumindest erhalten die Menschen im Kessel nun Nahrungsmittel. Bis auf die Polizei ist alles friedlich. Müde verlassen wir um 23:00 das Geschehen, fühlen uns dabei aber unwohl. Kann man die Jugendlichen dort wirklich alleine lassen? Was wird passieren? Zum Glück unterstützen weiterhin auch zur späten Stunde noch viele Teilnehmer die Eingekesselten.
Das Vorgehen der Polizei wurde gut von Perspektive Online dokumentiert, die letzten Teilnehmer konnten erst um 04:42 den Kessel verlassen, allerdings oft unter Tritten und Schlägen seitens der Polizei. Viele von ihnen wurden direkt auf die Polizeiwache nach Kalk gebracht, laut Aussagen von Sanitätern gab es bis zu 100 Verletzte, 20 davon mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Eine friedliche Demonstration wurde in Köln scheinbar zu einer Bürgerkriegsübung genutzt, sieht so das kriegstüchtige Deutschland nach innen aus?
Erfahrungsbericht 4
Hi, ich bin eine betroffene Person des Kessels in Köln. Ich möchte bezüglich des Aufrufes dazu meine Erfahrung teilen.
Zunächst war nicht klar, was passiert ist, plötzlich haben sich Beamte um den Rand des Blockes versammelt und uns Demonstrant:innen eingequetscht. Durch Autos am Rand hatten wir keinen Platz und uns wurde keine Auskunft über die Gründe des Angriffes gewährt. Es wurde reingeknuppelt und Pfefferspray eingesetzt. Viele hatten Probleme Luft zu bekommen und waren sichtlich geschwächt. Dies ging in etwa eine Stunde so. Es wurden Fahnen und Schilder aus Händen der Genossis gewaltsam gerissen und immer und immer wieder geschubst. Wir sollen Abstand halten so die Polizei (ignoriert wurde der mehrfache Hinweis, dass es kleinen Platz mehr gab). Leute haben ihre Bezugsgruppe verloren, mussten von Sanitätern behandelt werden, oft wurden die Sanitäter nicht hinter die Transparente gelassen.
Nach einer Weile nahm die Polizei etwas mehr Abstand (auf den Gehweg) und kesselte uns ganz ein.