Welt

Argentinien: Arbeiter*innen gründen klassenkämpferische Gewerkschaftsbewegung

Am vergangenen Wochenende versammelten sich in der argentinischen Hauptstadt hunderte Arbeiter*innen aus verschiedenen Gewerkschaften. Sie diskutierten gemeinsam über die kommenden Aufgaben im Kampf gegen die Regierung von Mauricio Macri und den Aufbau einer klassenkämpferischen Strömung in der Arbeiter*innenbewegung.

Argentinien: Arbeiter*innen gründen klassenkämpferische Gewerkschaftsbewegung

Im Hotel Bauen in Buenos Aires, das sich seit 2003 unter Arbeiter*innenkontrolle befind­et, ver­sam­melten sich am Sam­stag Delegierte aus zahlre­ichen Betrieben im ganzen Land. Sie vertreten ver­schiedene gew­erkschaftliche Basis­grup­pen, die von der Partei Sozial­is­tis­ch­er Arbeiter*innen (PTS) ange­führt wer­den. Auf dem Tre­f­fen tauscht­en sie sich über die kom­mende Etappe aus, die von Kürzun­gen geprägt sein wird.

Die wichtig­sten antreiben­den Kräfte hier­bei waren die bekan­nten Anführer*innen der Kämpfe von Pep­si­Co, Kraft (bei­des Lebens­mit­telin­dus­trie) und Lear (Auto­mo­bilin­dus­trie), sowie der von Arbeiter*innen ver­wal­teten Fab­riken Zanón und der Druck­erei Mady­graf. Es waren zudem Betrieb­sräte und Angestellte etlich­er ander­er Branchen und Betriebe anwe­send, wie beispiel­sweise Metallarbeiter*innen, Busfahrer*innen, Lehrer*innen und viele mehr.

Es ging darum, eine gemein­same Strate­gie zu find­en, um den kom­menden Angrif­f­en auf Arbeiter*innen ent­ge­gen­treten zu kön­nen. Die neolib­erale Regierung Mauri­cio Macris plant, nach den Par­la­mentswahlen in Okto­ber eine Welle von Arbeit­sre­for­men und Kürzun­gen durchzubrin­gen. Einen Vorgeschmack auf die Refor­men und den Wider­stand dage­gen bildet die Bil­dungsre­form, wegen der ger­ade 30 Schulen von Schüler*innen beset­zt wer­den.

Um diese Poli­tik durchzuführen, braucht die Regierung die Bei­hil­fe der Gew­erkschafts­bürokra­tien und der reformistis­chen Oppo­si­tion unter Führung der Ex-Präsi­dentin Cristi­na Fer­nán­dez de Kirch­n­er. Diese leg­en pünk­tlich zum Wahlkampf zumin­d­est in Worten einen Linksruck hin. So behaupten sie, dass zu Zeit­en des Kirch­ner­is­mus keine Repres­sion gegen Arbeiter*innen stat­tfand, während die Arbeiter*innen von Lear und Kraft anderes beweisen kön­nen.

In den kom­menden Monat­en kommt es darauf an, die Kürzun­gen zu ver­hin­dern. Es wird nicht mehr aus­re­ichen, in den Betrieben vere­inzelt gegen Ent­las­sun­gen und Prekarisierung zu kämpfen. Deshalb grün­de­ten die anwe­senden Delegierten eine Bewe­gung klassenkämpferisch­er Basis­grup­pen, um in den ver­schieden­sten Sek­toren und Gew­erkschaften für Ein­heits­front zu kämpfen. Diese wird nötig sein, um sich als Linke nicht selb­st zu isolieren und die bürokratis­chen und kirch­ner­is­tis­chen Führun­gen dazu zu bewe­gen, endlich ihre Pas­siv­ität gegenüber der Regierung aufzugeben.

Um eine starke Ein­heits­front aufzubauen, ist es jedoch uner­lässlich, dass kämpferische Sek­toren dort Ein­fluss gewin­nen, wo sie noch nicht sind und die Bürokratie sehr stark ist. Vorteil ein­er gew­erkschafts- und branchenüber­greifend­en Grup­pierung ist, dass Aktivist*innen mit Kolleg*innen in anderen Betrieben in Kon­takt ste­hen und sich gegen­seit­ig unter­stützen kön­nen.

Raúl Godoy, Leitungsmit­glied der PTS, erwäh­nte außer­dem, dass für eine starke Bewe­gung die Ein­heit der Arbeiter*innenklasse entschei­dend ist, beispiel­sweise zwis­chen fest angestell­ten und Leiharbeiter*innen, oder ein­heimis­chen und migrantis­chen Arbeiter*innen. Man müsse die Forderun­gen der unter­drück­ten Teile der Gesellschaft, sowie demokratis­che Fra­gen in das Pro­gramm aufnehmen, so Godoy. Als Beispiel nen­nt er den Fall San­ti­a­go Mal­don­a­dos: Die selbe Polizei, die ihn ver­schwinden ließ, ist die, die Streiks und Demon­stra­tio­nen unter­drückt.

Nach mehreren wichti­gen Inter­ven­tio­nen von Arbeiter*innen und Politiker*innen der PTS endete das Tre­f­fen mit dem Beschluss viel­er wichtiger Res­o­lu­tio­nen, unter anderem:
— das Antreiben klassenkämpferisch­er Gew­erkschafts­grup­pen im ganzen Land,
— die Grün­dung eines Auss­chuss­es und eines Vor­stands der Bewe­gung klassenkämpferisch­er Gew­erkschafts­grup­pen,
— die aktive Unter­stützung der Arbeit­sämpfe von Pep­si­Co, MAM, Inge­nio Ledes­ma, der Schulbe­set­zun­gen in Buenos Aires gegen die Bil­dungsre­form und der Fab­riken unter Arbeiter*innenkontrolle,
— die Mobil­isierung für die Demo anlässlich des zwei­monati­gen Ver­schwindens von San­ti­a­go Mal­don­a­do, sowie die Auf­forderung an die Gew­erkschaften zur Mobil­isierung,
— die Unter­stützung des Wahlkampfes der Front der Linken und der Arbeiter*innen (FIT).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.