Antirassismus

Anschlag auf Synagoge in Hannover – Kein Zufall und kein Einzelfall

Während des Jom Kippur Gottesdienstes in Hannover wurden die Scheiben der Synagoge eingeschlagen. Der Vorfall steht in Kontinuität zu antisemitischem Terror in der Vergangenheit.

Anschlag auf Synagoge in Hannover – Kein Zufall und kein Einzelfall

Es ist weder ein Zufall noch ein Einzelfall. Sowohl der Anschlag am 9. Oktober 2019 auf die Synagoge in Halle als auch der Angriff auf die Synagoge in Hannover am 5. Oktober 2022 geschahen an Jom Kippur, dem bedeutsamsten Tag im jüdischen Kalender. Ist antisemitischer Terror eine neue Tradition zum höchsten jüdischen Feiertag?

Was geschah in Hannover? Am 5. Oktober dieses Jahres wurde das Fenster über der Frauenempore der hannoverschen Synagoge eingeworfen. In der Synagoge befanden sich zu diesem Zeitpunkt 150 Menschen, es wurde glücklicherweise kein einziger von ihnen verletzt. Ein glimpflicher Ausgang, wenn man sich das Ausmaß antisemitischer Gewalt in der Vergangenheit anschaut.

Bei dem Anschlag auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 versuchte der Rechtsextreme Stephan Balliet, ausgestattet mit Molotowcocktails und Handgranaten, in die Synagoge einzudringen, indem er mehrfach auf die Eingangstür schoss. Dort befanden sich zu dem Zeitpunkt viele Menschen zum Gebet. Er scheiterte bei seinem Vorhaben und ermordete stattdessen Jana L. und Kevin S. an einem Dönerimbiss ganz in der Nähe. Während der darauffolgenden Flucht verletzte Stephan B. weitere Personen. Seine antisemitische Motivation bekundete er in seinem Bekennerschreiben, wo er darüber schrieb, dass er erstmal eine Moschee oder ein “Antifa-Zentrum” stürmen wollte, weil diese weniger bewacht seien. Jedoch war sein übergeordnetes Ziel so viele Juden:Jüdinnen wie möglich auf einmal zu töten, weil diese die Strippenzieher:innen hinter der Einwanderung der Muslim:innen in Europa wären und schwafelte außerdem dort von Regierungen, die durch Juden:Jüdinnen beherrscht würden. Er entschied sich doch für eine Synagoge an Jom Kippur, weil zu diesem Zeitpunkt nicht nur streng religiöse Juden dort sein würden.

Die Polizei traf erst sehr spät am Tatort ein. Die Menschen, die sich in der Synagoge befanden, mussten sich zunächst selbst beschützen. Ohne zu wissen was eigentlich dort draußen geschah, sorgten sie dafür, dass die Eingangstür nicht einzurennen war und warteten. Das Einzige, was sie zunächst mitbekamen war das Geräusch der Schüsse. Personen, die sich während des Anschlags in der Synagoge befanden, kritisierten den unsensiblen Umgang mit den Opfern während des Anschlags und im Nachgang. Aber wie sollen Angehörige dieses Staatsapparats, in dessen Reihen seit Jahren regelmäßig rechtsradikale und nazistische Strukturen bekannt werden, denn auch sensibel geschweige denn empathisch und der Situation angemessen mit den Opfern eines antisemitischen Anschlags umgehen? Ganz im Gegenteil, wie das regelmäßige Auftauchen von rechtsextremen Netzwerken zeigt, neigen diese eher selber dazu, antisemitische Anschläge zu begehen, als Jüdinnen:Juden zu schützen. Die Polizei stellt keine echte Sicherheit für Juden:Jüdinnen und von Rassismus betroffene Menschen dar. Das hat sie nie und das wird sie nie. Die Polizei in der BRD existiert ausschließlich, um die herrschende Klasse und ihren Staat zu schützen, Niemanden sonst.

Deshalb müssen wir der Wahrheit ins Auge blicken und uns klar machen: nur der Sozialismus ist in der Lage, den antisemitischen Terror so wie auch jeden anderen rechten Terror zu beenden. Wie Trotzki in “Die Gefahr der Ausrottung des jüdischen Volkes” im Jahr 1938 schon schrieb: “Die Vierte Internationale ruft die Volksmassen auf, keine Illusionen zu machen, sondern sich der bedrohlichen Realität offen zu stellen. Die Rettung liegt nur im revolutionären Kampf.”

Den Angaben der Polizei zu Folge ist noch nicht bekannt welches Motiv der:die Steinschmeißer:in in Hannover am 5. Oktober hatte. Jedoch lassen allein das gewählte Datum (Jom Kippur) und der Ort (eine Synagoge) darauf schließen, dass es sich auch hierbei um einen rechtsradikalen Täter mit einem antisemitischen Motiv handelte. Stephan Balliet, der mittlerweile zu lebenslänglicher Haft verurteilte Täter des Anschlags von Halle, rief in seinem schon erwähnten Bekennerschreiben dazu auf es ihm gleich zu tun und seine Tat nachzuahmen und forderte explizit dazu auf schwarze Menschen, Kommunist:innen und Muslim:innen zu ermorden. Dieser Steinwurf stellt eine schüchterne Nachahmung dieser Tat dar.

Nachdem das Klirren der zerborstenen Scheibe verklungen war und die Polizei verständigt wurde, wurde das Gebet fortgesetzt. Eine trügerische Normalität kehrte ein. Rechtsextreme Gewalt, welche einen systematischen Charakter hat und daher nie nur ein Zufall oder Einzelfall sein kann, sollte jedoch niemals als etwas Normales angesehen werden. Genauso wenig wie es zu einer Tradition werden darf, dass an Jom Kippur Synagogen angegriffen werden.

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