Antirassismus

Aníbal Quijano und die Idee des Rassismus: Eine kritische Auseinandersetzung aus marxistischer Perspektive

Aufgrund der ungleichen Ausmaße der gegenwärtigen Krise und der heftigen Attacken auf rassifizierte Menschen, vor allem in den Vereinigten Staaten, hat der Begriff des Rassismus in den Medien und auf der akademischen Agenda wieder an Bedeutung gewonnen. Dieser Artikel wird versuchen, diese Konzeption in der Entwicklung der dekolonialen Theorie anhand einem ihrer Hauptvertreter, Aníbal Quijano, kritisch zu beleuchten.

Aníbal Quijano und die Idee des Rassismus: Eine kritische Auseinandersetzung aus marxistischer Perspektive

In den letzten Wochen kam es zu massiven Protesten und Mobilisierungen, die die Vereinigten Staaten und Teile Europas gegen die brutale polizeiliche Repression erschütterten, unter der die schwarze und lateinamerikanische Bevölkerung im gegenwärtigen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen und sozialen Krise zu leiden hat. Die strukturelle Ungleichheit wurde offenbart, da diese die am stärksten von Covid-19 betroffene Bevölkerungsteile sind. Im Zuge der Ereignisse traten Debatten über race (im Folgenden aus dem Spanischen raza) und vor allem über Rassismus erneut in den Vordergrund, weshalb dieser Artikel einen zentralen Aspekt des Denkens von Aníbal Quijano zur Diskussion stellen möchte. Als Vertreter der dekolonialen Theorie, die neben anderen Elementen das Verhältnis zwischen Kapitalismus, Sklaverei und Ausbeutung betrachtet, liegt Quijanos Fokus vor allem auf dem amerikanischen Kontinent. Angesichts der Bandbreite der Themen und des intellektuellen und politischen Wandels, den Quijano im Laufe der Jahre vollzogen hat, werde ich daher versuchen, mich besonders auf die Analyse des Rassismusbegriffs und den zentralen Platz, den er in der theoretischen Entwicklung des Autors einnimmt, zu konzentrieren. Auf diese Weise möchte ich die Verfestigung und Expansion des Kapitalismus und dessen spezifische Eigenart auf dem Kontinent charakterisieren.

Modernität, Kolonialität und Raza

Die hauptsächlich von Quijano formulierte Theorie der Kolonialität der Macht zielt darauf ab, die für das moderne und kapitalistische Weltsystem1 charakteristischen Herrschaftsverhältnisse zu erklären und zu charakterisieren, die mit dem europäischen Kolonialismus im 16. Jahrhundert entstanden. Laut Quijano brachte die Entwicklung der Moderne ein neues Modell der Weltmacht mit sich. Dieses implizierte eine gewisse Konvergenz zwischen der Verfestigung des Kapitalismus und seiner spezifischen Produktionsbeziehungen sowie der Ordnung der kolonialen Gesellschaften nach der Eroberung Amerikas. Hierbei wurde festgestellt, dass die erste moderne und globale geokulturelle Identität Europa war und dass sich dieses als Folge von Amerika konstituierte.

Das Konzept der Moderne verweist zugleich auf die Veränderung in der materiellen Dimension der gesellschaftlichen Verhältnisse. Das heißt, dass die Veränderungen in allen Bereichen der sozialen Existenz der Bevölkerungsgruppen (pueblos) und daher auch ihrer individuellen Mitglieder stattfinden, sowohl in der materiellen wie in der subjektiven Dimension dieser Verhältnisse. Und da es sich um Prozesse handelt, die mit der Konstituierung Amerikas, einem neuen globalen Machtmuster und der Integration der pueblos in diesen Prozess beginnen, also mit der Konstituierung eines vollständigen und komplexen Weltsystems, ist es unerlässlich zu sagen, dass es sich um eine gesamte historische Epoche handelt. Anders ausgedrückt konstituiert sich mit Amerika materiell und subjektiv ein neuer Zeit/Raum: das ist es, was das Konzept der Moderne benennt.2

In diesem Sinne, so Quijano, ist es möglich, die kapitalistische Ausbeutung mit einem der Hauptelemente der Kolonialität in Verbindung zu bringen: die Unterscheidung der menschlichen Gruppen nach ihrer „Rasse“, d.h. die Klassifizierung der Bevölkerung nach ethnischen Kriterien – gestützt durch biologische Annahmen – im Hinblick auf die Herrschaft, die zunächst zwischen Eroberern und Eroberten auftrat3. Auf diese Weise würde die Idee der „Rasse“ eine zentrale Rolle im Prozess der Legitimierung der Herrschaftsverhältnisse einnehmen, die nach der Eroberung Amerikas aufgebaut wurden.

Quijano definiert die Kolonialität der Macht als eine Reihe von Herrschaftsmustern, darunter die Idee der „Rasse“ und mit ihr den ideologischen Komplex des Rassismus. Dieser durchdringt jede einzelne Sphäre der Existenz und stellt eine effektive Form materieller und intersubjektiver Herrschaft dar:

Mit der Bildung Amerikas etabliert sich eine neue geistige Kategorie, die Idee der Rasse. Seit Beginn der Eroberung initiieren die Sieger eine historisch grundlegende Diskussion für die späteren Beziehungen zwischen den Völkern dieser Welt. Dabei geht es besonders zwischen Europäern und Nicht-Europäern um die Frage, ob die Ureinwohner Amerikas eine Seele haben oder nicht; kurz gesagt, ob sie eine menschliche Natur haben oder nicht. Diese Ideen gestalteten tiefgreifend und anhaltend einen ganzen kulturellen Komplex, eine Matrix von Ideen, Bildern, Werten, Einstellungen, sozialen Praktiken, die nicht aufhört, in die Beziehungen zwischen den Menschen involviert zu sein, selbst wenn die kolonialen politischen Beziehungen bereits abgebrochen sind. Diesen Komplex kennen wir als Rassismus.4

Im Mittelpunkt dieser Definition von Rassismus steht das kulturelle, ideologische, „mentale“ Element, das uns zweifellos zur Frage bringt, welchen Platz der Rassismus einnimmt, und damit auch zur Frage nach dem Platz der Sklaverei als einer Form der Ausbeutung, die sich in den Ursprüngen des Kapitalismus in Amerika manifestiert hat. Kann Rassismus nur von einer kulturellen Ebene aus gedacht werden, oder muss die materielle Notwendigkeit des Kapitals als soziale Beziehung berücksichtigt werden? Und hinsichtlich der Sklaverei als historische und materielle Notwendigkeit: Nutzt sie den Rassismus als ideologische Rechtfertigung, um ihre Expansion und Reproduktion fortzusetzen? Nachdem ich diese Fragen dargelegt habe, werde ich versuchen, kurz auf die historische Notwendigkeit der Beziehung zwischen Kapital und Rassismus einzugehen.

Rassismus als Bestandteil des Kapitalismus

In den vorkapitalistischen Gesellschaften gab es keinen Rassismus als ideologische Rechtfertigung für Herrschaft. Die antike Sklaverei basierte auf der Ausbeutung der unbezahlten Zwangsarbeit, und der Sklave wurde auf die bloße Kategorie des Viehs, eines Werkzeugs, reduziert. Dieser Sklave war Arbeitskraft und Produktionsmittel zugleich. Im Feudalismus war der Bauer, obwohl er über gewisse Rechte und Kontrolle über sein Land verfügte, der militärischen und rechtlichen Macht des Lehens unterworfen, weshalb er gezwungen war, zu arbeiten und einen Großteil seiner Arbeit abzuliefern. Die Art der Ausbeutung in solchen Gesellschaften war hierarchisch und sichtbar ungleich organisiert, basierend auf religiöser oder gesetzlicher Rechtfertigung.

In den kapitalistischen Gesellschaften hat das Verhältnis der Ausbeutung andere Merkmale, denn es beruht auf der freien Lohnarbeit5, der*die Arbeiter*in und der*die Kapitalist*in sind auf dem Markt „gleichberechtigt“. Aber dieser formalen Gleichheit, die in den Siegen der bürgerlichen Revolutionen zum Ausdruck kam6, steht eine reale Ungleichheit, eine Klassenteilung gegenüber. Das Paradoxon besteht darin, dass der Kapitalismus in seinen Ursprüngen in materieller Hinsicht die Sklaverei benötigte, obwohl dies eine der „alten Formen der Ausbeutung“ war, die er im Bereich des Bewusstseins zurückzulassen versuchte.

Der Rassismus, wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich in einer zentralen Periode der Expansion des Kapitalismus als vorherrschende Produktionsweise in der Welt. So entstanden im 17. und 18. Jahrhundert die riesigen kolonialen Plantagen in Amerika, die zur Produktion von Rohstoffen auf Sklavenarbeit aus Afrika angewiesen waren. In einer Zeit, in der der afrikanische Kontinent als solcher von verschiedenen Mächten ausgeplündert und kolonisiert wird, müssen die Kapitalisten also, um die Produktionskapazität und damit die Profitrate zu erhöhen, über eine ausreichende Menge an Arbeitskräften verfügen und sind gezwungen, diese außerhalb der Grenzen ihrer eigenen Staaten zu suchen. Das heißt, Arbeiter*innen aus verschiedenen Teilen der Welt auszubeuten. Dies offenbart die materielle Notwendigkeit des Kapitals, die Sklaverei als eine Form der Ausbeutung zu nutzen.

Mit dem Aufkommen der industriellen Revolution wurde das Verhältnis des Kapitalismus zur Sklaverei jedoch zu etwas, das ideologisch erklärt werden musste. Mit Quijanos Worten: das Aufzwingen einer mentalen, intersubjektiven Kategorie von Europa in die „Neue Welt“. Auf diese Weise verortet Quijano den Kapitalismus nicht als ein determiniertes Wirtschafts- und Sozialsystem, sondern als einen zivilisatorischen Horizont ideologischer Eindrücke, die unterdrückte Identitäten formen.

Reichweite und Grenzen der „Kolonialität der Macht“

Obwohl sich Quijanos Studien vor allem auf Lateinamerika konzentrierten, betrifft der Umfang seiner theoretischen Entwicklung den gesamten amerikanischen Kontinent und im Grunde sogar den Rest der Kontinente. Er bezeichnet sogar ein historisches und erkenntnistheoretisches Problem, da er auf jegliche Kritik an den eurozentrischen Denkprozessen anspielt, die durch den Eintritt Amerikas in die europäische Umlaufbahn geprägt werden, und von dort aus das kapitalistische Weltsystem formen. In einem seiner Artikel7 definiert er die Idee der „Rasse“ als das wirksamste Instrument der sozialen Herrschaft, das in den letzten 500 Jahren, im Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert, erfunden wurde und das in den folgenden Jahrhunderten als Teil der europäischen Kolonialherrschaft der gesamten Weltbevölkerung aufgezwungen wurde.

Diese Betonung, dass alles in Amerika geboren würde veranlasst uns jedoch dazu, über eine Reihe von wichtigen Vorurteilen nachzudenken. Die Absicht, einen Universalismus – Eurozentrismus – durch einen anderen mit Betonung auf das koloniale Amerika zu ersetzen, lenkt von der Geschichte der Plünderung, Ausbeutung, des Raubes und systematischen Tötens ab, unter der der afrikanische Kontinent gelitten hat. In Quijanos eigenen Worten:

Lateinamerika ist zweifellos der Extremfall der kulturellen Kolonialisierung durch Europa (…) In Afrika war die kulturelle Zerstörung sicherlich viel intensiver als in Asien; aber weniger als in Amerika. Auch dort erreichten die Europäer nicht die vollständige Zerstörung der Ausdrucksmuster, insbesondere der Objektivierung und visuellen Formalisierung. Was sie taten, war, ihnen die Legitimität und Anerkennung in der von europäischen Mustern dominierten kulturellen Weltordnung zu entziehen.8

In diesem Sinne kann nicht ignoriert werden, dass im 18. Jh. der Sklavenhandel exponentiell zunimmt, und später im 19. Jh. – während der imperialistischen Phase der Konsolidierung des Kapitalismus – die Kolonialisierung des afrikanischen Kontinents und seiner Bevölkerungen voranschreitet9. Wenn die Betonung auf der Idee der „Rasse“ in Amerika liegt, ist es eine politische Haltung, die diesen Prozess unsichtbar macht. Nicht nur Amerika wurde im Laufe der Geschichte vom Kapitalismus unterdrückt, sondern auch Afrika, Asien, Ozeanien und sogar Teile Europas selbst.

Andererseits ist es notwendig, die Existenz mehrerer Schwarzer Marxist*innen zu berücksichtigen, die bereits darauf hingewiesen haben, dass Rassismus und die Idee der „Rasse“ nicht einfach ein ideologischer „Überbau“ des Kapitalismus sind, sondern ein Organisations- und Strukturierungsprinzip, das eng mit der kapitalistischen Ausbeutung und der Akkumulation von Kapital auf globaler Ebene verbunden ist. Dies zeigt in gewisser Weise, dass die Idee der Kolonialität keine mestizo-lateinamerikanischen Ursprünge hat oder eine ursprüngliche Idee von Quijano ist, wie oft angenommen wird.

Dazu stellt der Soziologe Ramon Grosfoguel, der sich selbst innerhalb der „dekolonialen Wende“ definiert, in einem Artikel10 fest, dass die Idee, dass Rassismus ein Organisationsprinzip der Kapitalakkumulation und der Moderne angehörig ist, von Schwarzen Marxist*innen entwickelt wurde, lange bevor Quijano die Kolonialität der Macht und damit den Rassismus in den 1990er Jahren definierte. Um ein Beispiel zu nennen: Cedric J. Robinson11 nahm Anfang der 1980er Jahre im Rahmen des Konzepts des „Rassen-Kapitalismus“ (racial capitalism) die Idee der „Kolonialität der Macht“ vorweg, ohne diesen Begriff zu verwenden. Für diesen Autor ist Rassismus konstitutiv und wird als ein organisierendes Element des Kapitalismus und der modernen Welt dargestellt. Er stellt fest, dass das moderne Weltsystem und der globale Kapitalismus vom ersten Moment mit der kolonialen Expansion Europas an rassisch sind, weil es die Expansion einer Zivilisation ist, in der es bereits Rassismus gab. Er bezieht sich hierbei auf innereuropäische Prozesse wie die Eroberung des Al-Andalus, die sich vor der Eroberung Amerikas entwickelte. Robinson stellt klar, dass Rassismus in Europa zwar nicht durch die Hautfarbe, sondern durch ideologische, ethnische und religiöse Gründe definiert wird, dies jedoch ein wichtiges Phänomen ist, um zu verstehen, wie Rassismus und rassifizierte Sektoren nach 1492 in Amerika und dem Rest der Welt geschaffen wurden.

Wenn wir nun Quijanos Vorschlag folgen, sehen wir, wie sich der Kapitalismus darauf beschränkt, ein weiterer Teil zu sein, der das tägliche Leben der Moderne beeinflusst, zusammen mit der Kolonialität der Macht und dem Eurozentrismus. Der Kapitalismus ist jedoch nicht nur ein System der Ausbeutung und der Arbeitsorganisation. Er ist auch ein Modus der sozialen Reproduktion, der ein bestimmtes Wertesystem, eine bestimmte Art und Weise des Verständnisses von Wirklichkeit und Natur repräsentiert, ein Epistem, das historisch durch das Kapital als soziales Verhältnis vermittelt und bestimmt wird.

Die Historikerin Barbara Fields erklärt, dass Rassismus vor allem im Süden der Vereinigten Staaten weit verbreitet war, einem der Länder, in denen der Kapitalismus in seinem Streben nach Entwicklung die Sklaverei als eine Form der Ausbeutung und Akkumulation nutzte.

Die „Rassenideologie“ war besonders unter den „weißen ländlichen Kleinbauern“ der Südstaaten verbreitet, unter den Kleinbauern und Handwerkern, die fast zwei Drittel der Bevölkerung des Alten Südens repräsentierten, die im Allgemeinen keine Sklavenbesitzer waren und die ihr Recht auf wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit von den Plantagenbesitzern geltend machen wollten: Die Rassenideologie lieferte die Mittel, Personen die Sklaverei zu erklären, deren Territorium eine Republik war, welche auf radikalen Doktrinen von Freiheit und natürlichen Rechten beruhte; und, was noch wichtiger war, eine Republik, in der jene Doktrinen genau die Welt widerzuspiegeln schienen, in der alle außer einer Minderheit lebten. Lediglich als die Verweigerung der Freiheit auch den weniger aufmerksamen und nachdenklichen Mitgliedern der euro-amerikanischen Gesellschaft als ein anormales Geschehen erschien, erklärte die Ideologie systematisch eine solche Anomalie.12

Deshalb muss Rassismus als eine historische und determinierte Notwendigkeit des Kapitalismus verstanden werden, wobei „Rassenunterschiede“ eine Erfindung sind, die als Teil einer spezifischen historischen Beziehung auftauchen. Rassismus ist ein Unternehmen der Sklaverei und des Imperialismus. Quijano beleuchtet im notwendigen Versuch, den Faktor „Rasse“ in die soziale Arbeitsteilung einzubeziehen, die materielle Dimension der Kolonialität im globalen Betrieb der Gewinnung und Akkumulation von Kapital nicht zu Genüge. Wie lässt sich die inter- und transnationale Arbeitsteilung unter der Globalisierung anhand der „Rassen“frage erklären? Es besteht kein Zweifel, dass Rassismus immer noch weit verbreitet ist, aber dies ist ein weiterer Faktor der kapitalistischen Ausbeutung, und mit der Globalisierung wird er noch komplexer.

Quijano schlägt vor, den Kampf gegen die Kolonialität der Macht durch die Dekolonisierung der Macht zu führen, was er als die Dekolonisierung aller Dimensionen des Bewusstseins definiert: Die Kategorie der „Rasse“ und deren Ausdruck durch Rassismus sind hierbei für ihn die entscheidendsten13. Der historische Materialismus hingegen gibt den sozialen Produktionsverhältnissen – in diesem Fall der Sklaverei – die Fähigkeit, das gesamte gesellschaftliche Leben, einschließlich des Bereiches der Ideen, zu erfassen – also den Rassismus. Mit anderen Worten: Die materiellen Verhältnisse der Gesellschaft sind die „Sprache des wirklichen Lebens“.

Wenn wir also die intrinsische und materielle Beziehung zwischen Kapitalismus und Rassismus verstehen, ist es angebracht zu fragen: Welchen Platz nimmt die Klasse ein? Eine Frage, die Quijano im Hintergrund lässt, ebenso wie das revolutionäre Potenzial der Arbeiter*innenklasse innerhalb des Kapitalismus und des Rassismus als ideologischen Aspekt, der historisch von der Bourgeoisie genutzt wurde, um die Arbeiter*innenbewegung zu spalten. Die Expansion des Kapitalismus über den Globus hat ein Proletariat geschaffen, das sich ebenfalls über den Globus ausgebreitet hat und durch massive Migration über nationale Grenzen hinweg entstanden ist. Während Formen der rassistischen Unterdrückung im Laufe der Zeit mutiert sind, wird die kapitalistische Ausbeutung durch die rassistische Differenzierung innerhalb der Arbeiter*innenklasse vertieft. Aus diesem Grund ist der antirassistische Kampf untrennbar mit dem antikapitalistischen verbunden. Ohne die Möglichkeit, eine Strategie zu entwickeln, die darauf abzielt, die soziale Beziehung, die das Leben von Milliarden von Menschen auf der Welt regiert – den Kapitalismus – im Keim zu ersticken, ist keine wirkliche Emanzipation möglich.

Fußnoten:

1. Quijano nimmt das Konzept (auch Weltwirtschaft genannt) des Soziologen Immanuel Wallerstein, der dieses als eine Raum-Zeit-Zone definiert, die mehrere politische und kulturelle Einheiten durchquert und eine integrierte Zone von Aktivitäten und Institutionen darstellt, die bestimmten systemischen Regeln gehorchen. Diese „Regeln“ entstanden im 16. Jahrhundert mit der Eroberung Amerikas und der kapitalistischen Expansion.

2. Quijano, Aníbal: Kolonialität der Macht, Eurozentrismus und Lateinamerika, Wien: Turia + Kant, 2016. S.58

3. Quijano, A.:: Kolonialität der Macht, Eurozentrismus und Lateinamerika, Wien: Turia + Kant, 2016. S.26-27

4. Quijano, A.: Raza, Etnia y Nación en Mariátegui: Cuestiones abiertas, en R. Forgues (Ed.) José Carlos Mariátegui y Europa. La otra cara del descubrimiento. Editorial Amauta, Lima (págs. 166-187). Eigene Übersetzung

5. Marx definiert in „Die Grundrisse“ den freien Arbeiter im doppelten Sinne: frei von den alten Verhältnissen des Mäzenatentums, Vasallentums und der Knechtschaft, und frei von allem Besitz und materiellem, objektiven Eigentum.

6. Als Beispiel seien die diskursiven Werte genannt, die von den bürgerlichen Revolutionen par excellence verwendet wurden: im französischen Falle Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit oder der Bill of Rights der Vereinigten Staaten, der die berühmten ersten zehn Änderungsanträge zum Schutz der bürgerlichen Grundfreiheiten enthält.

7. Quijano, ¡Qué tal raza!, 1999.

8. Quijano, A. (1991). Colonialidad y modernidad/racionalidad. Perú Indígena, 13(29), 11-20. Eigene Übersetzung

9. Barriga, Andrea: Aníbal Quijano y la colonialidad del poder.

10. Grosfoguel, R. (2018). ¿Negros marxistas o marxismos negros?: una mirada descolonial. Tabula Rasa, (28), 11-22.

[11. Robinson, Cedric J. (1983). Black Marxism. The making of the black radical tradition. London: Zed Books.

12. Fields, B (1990): Slavery, Race and Ideology in the United States of America.

13.Quijano, A. (2007): Questioning Race. Socialism and Democracy.

Dieser Artikel erschien zuerst auf La Izquierda Diario.

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