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Amazon Workers International: Erklärung in Zeiten der Corona-Virus-Pandemie

Wie spiegeln eine Erklärung von Amazon Workers International: "Wir, Amazon-ArbeiterInnen aus der ganzen Welt, werden nicht schweigen, während die Gier unserer Bosse und die Feigheit einiger Regierungen und Behörden uns alle gefährden. Wir rufen die Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit dazu auf, ihre Mitmenschen und sich selbst zu schützen und Abstand zu halten, sich aber gleichzeitig zu organisieren, zu protestieren und bereit zu sein, zurückzuschlagen!" Mit sechs konkreten Forderungen an Amazon.

Amazon Workers International: Erklärung in Zeiten der Corona-Virus-Pandemie

Während die Coro­na-Virus-Pan­demie bere­its tausende Men­schen­leben gekostet hat und noch viele weit­ere kosten wird, bleiben die Ama­zon-Lager rund um die Uhr in Betrieb. Regierun­gen ord­nen ein­er­seits Kon­tak­tsper­ren bzw. social dis­tanc­ing an, ander­er­seits zwin­gen sie die Arbei­t­erIn­nen zur Fort­set­zung der Arbeit. Ama­zon-Pakete wer­den weit­er in Städte geliefert, die auf­grund der hohen Ver­bre­itung des Virus vom Rest der Welt abgeschot­tet wur­den, wodurch die Liefer­an­tInnen erhöhter Gefahr aus­ge­set­zt sind.. In Län­dern, in denen es in der Öffentlichkeit ver­boten ist, sich zu ver­sam­meln, darf Ama­zon wie ein „Staat im Staat“ agieren und genießt weit­er alle Frei­heit­en des Mark­tes, während wir als Arbei­t­erIn­nen in geschlosse­nen Räu­men zu Tausenden gefährdet wer­den. LKW-FahrerIn­nen und Kuriere, die meist für Sub­un­ternehmen tätig sind, trans­portieren das Coro­na-Virus zwis­chen den Lagern. Nicht nur riskiert Ama­zon, dass wir, die Arbei­t­erIn­nen, selb­st angesteckt wer­den, son­dern auch dass unsere Fam­i­lien sich infizieren. Auf diese Weise ver­bre­it­et sich der Virus immer weit­er in die Gesellschaft.

Nicht nur uns bei Ama­zon hat diese Krise schw­er getrof­fen, son­dern alle Arbei­t­erIn­nen. Einige Arbei­t­erIn­nen wie Kranken­haus- oder Super­mark­t­mi­tar­bei­t­erIn­nen erhal­ten nicht ein­mal eine angemessene Schutzaus­rüs­tung! Über die Not­fall­maß­nah­men, die ange­blich nur die Pan­demie eindäm­men sollen, wer­den zugle­ich auch Proteste und Streik­posten krim­i­nal­isiert, weil diese den Kon­tak­t­be­gren­zun­gen unter­liegen. Sie geben der Regierung Mit­tel an die Hand, um uns zum Schweigen zu brin­gen, während wir zuse­hen müssen, wie die ver­ant­wor­tungslose Poli­tik Ama­zons die Ver­bre­itung der Coro­na-Viren begün­stigt.

Aber selb­st wenn Ama­zon uns zwingt, weit­er­hin in unmit­tel­bar­er Nähe zueinan­der, in einem immer höheren Arbeit­stem­po und oft ohne Gesund­heitss­chutz­maß­nah­men zu arbeit­en, haben sich in der ver­gan­genen Woche Tausende von uns zu Protesten organ­isiert. Wir haben gegen den Ver­such des Unternehmens protestiert, von dieser Krise zu prof­i­tieren und dabei unsere Gesund­heit zu gefährden. Wir haben in Polen und Spanien protestiert. In Ital­ien, Frankre­ich und New York sind wir in den Streik getreten. Wir haben gezeigt, dass es über­all möglich ist, für unsere Gesund­heit und unser Leben zu kämpfen. Wir haben gezeigt, dass wir nicht aufhören wer­den. Ama­zon sollte außer­dem wis­sen, dass eine zeitweise Lohn­er­höhung, zudem von Land zu Land unter­schiedlich, als ob unser Leben je nach Wohnort unter­schiedlichen Wert hätte, nicht aus­re­ichen wird, um unsere Gesund­heit und unsere Sicher­heit zu erkaufen.

Wir, Ama­zon-Arbei­t­erIn­nen aus der ganzen Welt, wer­den nicht schweigen, während die Gier unser­er Bosse und die Feigheit einiger Regierun­gen und Behör­den uns alle gefährden. Wir rufen die Arbei­t­erin­nen und Arbeit­er weltweit dazu auf, ihre Mit­men­schen und sich selb­st zu schützen und Abstand zu hal­ten, sich aber gle­ichzeit­ig zu organ­isieren, zu protestieren und bere­it zu sein, zurück­zuschla­gen!

Wir haben 6 Forderun­gen an Ama­zon!

  1. Wir fordern die sofor­tige Schließung aller Ama­zon-Waren­lager und ‑zen­tren bei voller Lohn­fortzahlung für alle Arbei­t­erIn­nen, bis die Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion WHO das Ende der Pan­demie erk­lärt hat!
  2. Ama­zon gibt einen Teil der Mil­liar­dengewinne, die von uns in den let­zten Jahren erar­beit­et wur­den, an die Gemein­we­sen zurück. Dafür sollen die öffentlichen Gesund­heitssys­teme der Län­der, in denen Ama­zon tätig ist, mit 20 Mil­liar­den Dol­lar unter­stützt wer­den!
  3. Bis zur Schließung der Ama­zon-Lager und ‑zen­tren verpflichtet sich das Unternehmen weltweit, voll bezahlte Freis­tel­lung zu gewähren für: Arbei­t­erIn­nen, die krank und/oder in Quar­an­täne sind; Arbei­t­erIn­nen, die sich jet­zt um Ange­hörige küm­mern müssen; Arbei­t­erIn­nen, die auf­grund von Schließung von Kinder­be­treu­ung­sein­rich­tun­gen & Schulen ihre Kinder selb­st betreuen müssen!
  4. Bis zur Schließung der Ama­zon-Lager und ‑zen­tren verpflichtet sich das Unternehmen, den Arbei­t­erIn­nen eine Gefahren­zu­lage zu zahlen!
  5. Bis zur Schließung der Ama­zon-Lager und ‑zen­tren verzichtet das Unternehmen auf Sank­tio­nen gegen Arbei­t­erIn­nen, die Pro­duk­tiv­itätsvor­gaben deswe­gen nicht erre­ichen, weil sie sich an dem gefährlichen Arbeit­splatz um die Ein­hal­tung von Hygien­e­s­tandards für küm­mern!
  6. Bis zur Schließung der Ama­zon-Lager und ‑zen­tren reduziert das Unternehmen die Arbeit­szeit, ohne die Löhne und Gehäl­ter zu kürzen. Arbei­t­erIn­nen benöti­gen diese bezahlte Freis­tel­lung, um sich auf die Auswirkun­gen des Coro­na-Virus auf ihr Leben ein­stellen zu kön­nen.

Ama­zon Work­ers Inter­na­tion­al, 22. März 2020

Kon­tak­tver­bot – und trotz­dem zur Arbeit? Kon­trol­liert von der Polizei? Wie bet­rifft dich der Coro­n­avirus? Schick uns deine Erfahrun­gen und Geschicht­en aus dem Beruf und All­t­ag.

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