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Amazon: Arbeitsende für 45 KollegInnen in Brieselang

Beim Amazon-Versandzentrum bei Berlin sind die Verträge von 45 ArbeiterInnen ausgelaufen – aber einige leisten mit einer neuen Betriebszeitung Widerstand.

Amazon: Arbeitsende für 45 KollegInnen in Brieselang

// Beim Amazon-Versandzentrum bei Berlin sind die Verträge von 45 ArbeiterInnen ausgelaufen – aber einige leisten mit einer neuen Betriebszeitung Widerstand. //

Am 31. Januar liefen die Verträge von 45 ArbeiterInnen im Amazon-Versandzentrum in Brieselang bei Berlin aus. Darunter sind auch vier Betriebsratsmitglieder, die erst im Juni letzten Jahres von der Belegschaft für eine vierjährige Amtszeit gewählt worden sind.

Die Nicht-Verlängerten sind nun draußen, haben sich jedoch nicht still und leise aus dem Werk verabschiedet. Mitte Januar gab es rote T-Shirts mit der Aufschrift „Wir wollen bleiben!“ Und kurz vor dem Monatsende erschien auch eine achtseitige Betriebszeitung – „anpacken“ –, die von Mitgliedern der Gewerkschaft ver.di mit Unterstützung des Amazon-Solikreises herausgegeben wurde. „Mindestens 80 Prozent der Mitarbeiter haben ein Flugblatt mitgenommen“, sagt ein Beschäftigter.

„Wir, die Betriebsgruppe von ver.di im BER3, wollen der Befristung ein Ende setzen“, schrieb Betriebsratsmitglied Karsten Elmer in Anspielung auf die konzerninterne Bezeichnung für das Werk in Brieselang. „Die Geschäftsführung will das offensichtlich nicht.“

Gerade einmal 285 Beschäftigte haben am Standort Brieselang zurzeit einen unbefristeten Vertrag, obwohl Amazon bei der Eröffnung des Versandzentrums Ende 2013 bis zu 1.000 längerfristige Arbeitsplätze angekündigt hatte. Doch der aktuelle Zustand ist weit davon entfernt: Am 29. Dezember mussten schon 900 KollegInnen gehen.

Wie wird entschieden, wer eine Verlängerung oder gar eine Entfristung bekommt? Der Konzern kommentiert das nicht. Die GewerkschafterInnen dagegen wollen wahrgenommen haben, dass Amazon „anhand teilweise willkürlich erscheinender Kriterien wie ‚Verhalten'“ darüber entscheide. Laut der Betriebszeitung ist es denn auch „nicht überraschend“, dass gerade gewerkschaftlich organisierte MitarbeiterInnen anhand dieser Kriterien so schlecht abgeschnitten hätten, dass sie nun draußen seien.

Während sich also nicht wenige Amazon-Beschäftigte in diesen Tagen arbeitslos melden müssen, tauchten am Werk in Brieselang bereits Aushänge aus, die Stellen für VersandmitarbeiterInnen „zur Verstärkung unseres Teams“ anbieten. Ehemalige MitarbeiterInnen finden im Jobcenter oder Arbeitsamt Angebote für die Stellen wieder, die sie gerade verloren haben. Das schreiben sie zumindest auf Facebook. „Irgendwie“ sei das „recht merkwürdig“ heißt es bei den Gewerkschaftern. Schon bald werden neue Kräfte für das Saisongeschäft vor Ostern gebraucht.

Doch die GewerkschafterInnen im Betrieb, ihre nicht-verlängerten KollegInnen und die SolidaritätsaktivistInnen geben einstweilen nicht auf. Denn für bis zu 200 weiteren KollegInnen laufen die Verträge am 30. Juni aus. Eine Petition, die an den Werksleiter Karsten Müller sowie an den Konzernchef Jeff Bezos persönlich adressiert ist, hat bereits über 400 Unterschriften. Zu den UnterstützerInnen gehören auch Doro Zinke, die Vorsitzende des DGB in Berlin-Brandenburg, Susanne Stumpenhausen, Landesleiterin des Berlin-Brandenburger ver.di-Berzirks sowie mehrere Mitglieder des Brandenburger Landtags. Sogar aus dem fernen Argentinien kamen Solidaritätsunterschriften.

Bereits in sechs der insgesamt acht deutschen Amazon-Standorte laufen Auseinandersetzungen, mit denen Beschäftigte auch per Streik einen Tarifvertrag erkämpfen wollen. Die ver.di-Aktiven in Brieselang fordern nun auch einen Tarifvertrag und wollen sich dieser Streikbewegung daher bald anschließen.

Artikel auf Indymedia
Artikel im Neuen Deutschland

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