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Ärzt*innen in Polen in den Hungerstreik getreten

Die Arbeitsbedingungen von Ärzt*innen in Polen sind äußerst prekär. Aus Verzweiflung sind 20 Ärzt*innen eines Warschauer Krankenhauses in einen unbefristeten Hungerstreik getreten.

Ärzt*innen in Polen in den Hungerstreik getreten

Das Gesund­heitssys­tem in Polen ist mar­o­de. Darunter lei­det neben den Patient*innen vor allem das Per­son­al. Fachärzt*innen, die in Deutsch­land defin­i­tiv zu den Besserver­di­enen­den gehören, kön­nen in Polen von ihrem reg­ulären Gehalt nicht leben. Deshalb arbeit­en sie oft­mals zusät­zlich länger oder an mehreren Kranken­häusern gle­ichzeit­ig. Arbeit­szeit­en von über 24 Stun­den am Stück sind keine Sel­tenheit­en, eben­so Schein­selb­st­ständigkeit, sowie Zweit- und Drit­tjobs. Diese große Belas­tung hat schon zu mehreren Todes­fällen geführt.

Ein 59-jähriger Chirurg ist nach ein­er solchen Mon­ster­schicht an einem Schwächean­fall gestor­ben. Die 39-jährige Ärztin Justy­na Kus­mier­czyk ist der jüng­ste Fall. Auch sie arbeit­ete in mehreren Kranken­häusern Polens gle­ichzeit­ig. Auch für sie kämpfen die zwanzig pol­nis­chen Ärtz*innen im Hunger­streik, damit in Zukun­ft nicht noch mehr Ärzt*innen an Über­ar­beitung ster­ben müssen.

Seit ein­er Woche schon befind­en sie sich im Hunger­streik. Einige von ihnen haben bere­its aus gesund­heitlichen Grün­den aufgegeben. Die anderen wollen weit­er­ma­chen und für eine deut­liche Verbesserung der Arbeits­be­din­gun­gen kämpfen.

Doch die recht­spop­ulis­tis­che Regierung zeigt sich wenig ein­sichtig. Den Forderun­gen nach ein­er drastis­chen Anhebung der Gehäl­ter erteilte der Gesund­heitsmin­is­ter Polens, Kon­stan­ty Radzi­will, eine Absage. “Wenn wir Forderun­gen von 6000 Zlo­ty (etwa 1.400 Euro) monatlich als Grundge­halt für Ärzt*innen im Prak­tikum garantieren sollen, ist das etwas, was nicht real­isier­bar ist.” Im Durch­schnitt ver­di­enen junge Ärzt*innen in Polen umgerech­net 500 Euro. Ende 2016 betrug der Durch­schnittslohn in Polen 4.163 Zlo­ty (etwa 980 Euro).

Der Hunger­streik der jun­gen Ärzt*innen erfährt in ganz Polen Unter­stützung. Über­all machen Krankenhausärzt*innen ihren Protest sicht­bar: Sie tra­gen T‑Shirts, mit denen sie ihre Unter­stützung für die Mediziner*innen aus­drück­en, die in Warschau in den Hunger­streik getreten sind. Als sym­bol­is­ches Zeichen spenden pol­nis­che Ärzt*innen gemein­sam Blut, um zu zeigen,g dass sie einen Teil von sich opfern müssen, damit das Gesund­heitssys­tem über­haupt funk­tion­iert und den Patient*innen geholfen wird.

Auch in Deutsch­land soll­ten wir den Kampf der Ärzt*innen in Polen sol­i­darisch begleit­en, wie es auch zum Beispiel in Berlin geschah, als die pol­nis­che Regierung ein generelles Abtrei­bungsver­bot durch­set­zen wollte und die Frauen in Polen spon­tan einen lan­desweit­en Streik dage­gen organ­isierten, der auch erfol­gre­ich war. Wie damals, vor genau fast einem Jahr, brauchen wir Mobil­isierun­gen und Aktio­nen in Sol­i­dar­ität mit den Ärzt*innen in Polen.

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