Welt

9/11 und der “Krieg gegen den Terror”

Vor siebzehn Jahren wurde der furchtbare Terroranschlag auf das World Trade Center in New York City verübt. Mehr als 2.900 Menschen starben, hauptsächlich Arbeiter*innen und Passant*innen. Später diente das Attentat jedoch als Rechtfertigung für den berüchtigten "Krieg gegen den Terror".

9/11 und der

Das Atten­tat vom 11. Sep­tem­ber hat­te das Ziel, möglichst viele Men­schen zu ermor­den, unab­hängig der Klassen­zuge­hörigkeit. In der Folge wurde es jedoch als poli­tis­che und moralis­che Recht­fer­ti­gung für den berüchtigten “Krieg gegen den Ter­ror” benutzt, der vom dama­li­gen Präsi­den­ten George W. Bush ein­geleit­et und von Barack Oba­ma fort­ge­set­zt wurde. Außer­dem diente der Angriff als Motiv für einen beispiel­losen Angriff auf demokratis­che Grun­drechte: von Spi­onage und Islam­o­pho­bie, bis zur Legit­i­ma­tion von Folter.

Das erste Kapi­tel war die Inva­sion in Afghanistan, im Okto­ber 2001. Dem fol­gte 2003 die Inva­sion des Iraks, die mit der Behaup­tung legit­imiert wurde, die irakische Regierung würde über Massen­ver­nich­tungswaf­fen ver­fü­gen, was sich als dreiste Lüge her­ausstellte. Die Inva­sion führte zur Abset­zung von Sad­dam Hus­sein und zur mil­itärischen Beset­zung des Lan­des, durch mehr als 100.000 us-amerikanis­che Soldat*innen.

Diese Kriege waren — und sind — in den impe­ri­al­is­tis­chen Län­dern zutief­st umstrit­ten. So sehr, dass sie die vielle­icht größten Anti-Kriegs-Mobil­isierun­gen seit mehreren Jahrzehn­ten und die ersten, von weltweit­em Aus­maß , aus­lösten.

Barack Oba­ma wurde mit dem Ver­sprechen zum Präsi­den­ten gewählt, die Kriege in Afghanistan und dem Irak zu been­den. Doch während er die Präsenz von Boden­trup­pen reduzierte, behielt er den Mil­i­taris­mus bei. In seinen bei­den Amt­szeit­en bom­bardierten die Vere­inigten Staat­en mehr oder weniger regelmäßig sieben Län­der: Afghanistan, Libyen, Soma­lia, Pak­istan, Jemen, Irak und Syrien. Er machte Hin­rich­tun­gen im Schnel­lver­fahren und Drohne­nan­griffe zum Regelfall. Und bevor er das Weiße Haus ver­ließ, führte er das Land in einen neuen Krieg gegen den “Islamis­chen Staat”. Ein ziem­lich­er Reko­rd für einen Frieden­sno­bel­preis-Träger.

Der “Krieg gegen den Ter­ror” wurde von den Neokon­ser­v­a­tiv­en, die damals die Außen­poli­tik der repub­likanis­chen Regierung unter Georg W. Bush leit­eten, als uni­lat­erale mil­itärische Strate­gie, zur Wieder­her­stel­lung der us-amerikanis­chen impe­ri­al­is­tis­chen Vorherrschaft konzip­iert. Denn die ersten Zeichen ihres Nieder­gangs waren bere­its sicht­bar, nach­dem die USA nach ihrem Sieg im Kalten Krieg, für ein Jahrzehnt , eine fast unbe­strit­tene Hege­monie erlebt hat­ten.

Aber schon bald nach Beginn, offen­barte sich die grobe Fehlein­schätzung, die die Vere­inigten Staat­en in einen end­losen Krieg mit ver­heeren­den Fol­gen, für die Führung der wichtig­sten Welt­macht, führte. Viele Analyst*innen ver­gle­ichen die Auswirkun­gen mit ein­er Art “Viet­nam in Rat­en”.

Laut einem Bericht der Boston Uni­ver­si­ty kostete der Krieg die Vere­inigten Staat­en min­destens 1,8 Bil­lio­nen US-Dol­lar. Die men­schlichen Kosten sind unendlich: Rund eine Mil­lion Tote im Irak, 220.000 in Afghanistan und80.000 in Pak­istan. Es wird geschätzt, dass die Zahl der Opfer, die direkt oder indi­rekt mit dem Krieg gegen den Ter­ror zusam­men­hän­gen, zwei Mil­lio­nen betra­gen kön­nte. Hinzu kom­men die zwölf Mil­lio­nen Men­schen, die durch den Bürger*innenkrieg in Syrien ver­trieben wur­den, der zu ein­er Bühne für ver­schiedene weit­ere Kon­flik­te gewor­den ist: Sau­di-Ara­bi­en gegen den Iran, die Türkei gegen die Kurd*innen und schließlich die USA gegen Rus­s­land.

Die US-Besatzung des Iraks schuf die Bedin­gun­gen, unter denen, nach der Nieder­lage des “Ara­bis­chen Früh­lings”, der “Islamis­che Staat” ent­stand – eine abscheuliche Organ­i­sa­tion, die heute zu einem Eigen­na­men für eine neue Art von Ter­ror­is­mus gewor­den ist, der sich gegen den West­en richtet und zudem unberechen­bar und ohne organ­is­che Verbindung ist.

Mit der Trump-Admin­is­tra­tion ist “die strate­gis­che zwis­chen­staatliche Konkur­renz, nicht Ter­ror­is­mus, jet­zt das primäre nationale Sicher­heit­sprob­lem der Vere­inigten Staat­en”, so das Papi­er über die Nation­al Defense Strat­e­gy vom Jan­u­ar 2017.
Die Per­spek­tive des “Kon­flik­ts zwis­chen Mächt­en”, des Mil­i­taris­mus und der Ten­den­zen zum Bona­partismus sind Zeichen dafür, dass die herrschen­den Klassen in Zeit­en des Umbruchs nicht zögern wer­den, auf “Lösun­gen der Gewalt” zurück­zu­greifen. Im Kon­text ein­er kap­i­tal­is­tis­chen Krise, die seit zehn Jahren andauert, wird die Notwendigkeit, sich dem kriegerischen Geist und der impe­ri­al­is­tis­chen Offen­sive ent­ge­gen zu stellen, weit­er­hin an der Tage­sor­d­nung sein.

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