Antirassismus

14-jähriges Kind stirbt an polnischer Grenze

Tausende von Migrant:innen kampieren seit Monaten auf der weißrussischen Seite der Grenze bei Kuznica Bialostocka in Polen, wo die Regierung tausende Soldat:innen stationiert hat. Nun starb ein 14-jähriges Kind an Unterkühlung.

14-jähriges Kind stirbt an polnischer Grenze
Bild: Radowitz / shutterstock.com

Dem Bericht eines polnischen Magazins zufolge starb am Mittwoch ein 14-jähriges Kind im Lager am Kuźnica-Übergang an der polnischen Grenze. „Er starb an Unterkühlung“, zitiert das Magazin einen Geflüchteten.

Die Migrationskrise an der Grenze zwischen den beiden Staaten dauert bereits seit mehreren Monaten an. Hunderte von Migrant:innen und Geflüchteten, die über Nacht aus Belarus einreisen wollten, wurden durch den polnischen Staat in Gewahrsam genommen. Zusätzlich wurden 3.000 weitere Soldat:innen zur Verstärkung der Grenzsicherung eingesetzt.

Insgesamt befinden sich schätzungsweise 4.000 Menschen in der Nähe der Grenze in den Wäldern, wo sie unter äußerst schlechten Bedingungen und bei eisigem Wetter leben müssen. Bisher wurden mindestens sieben Personen (Stand Mittwoch, 10. November) registriert, die an den eisigen Temperaturen gestorben sind. Unklar ist die Dunkelziffer, da Pressearbeit vor Ort nahezu unmöglich ist,

Aus Verzweiflung versuchten Hunderte, die mit Stacheldraht befestigten Grenzen nach Polen zu überqueren, während die rechtsextreme Regierung in Warschau sie mit Repressionen belegte.

Polen wird von der ultrarechten, homophoben und rassistischen PiS-Partei regiert und setzt die von der Europäischen Union gebilligte brutale Migrationspolitik durch.

Polen und andere EU-Staaten beschuldigen Belarus, Migrant:innen und Geflüchtete, die meist aus Westasien, Afghanistan und Afrika stammen, zur Überfahrt zu ermutigen, um sich für die westlichen Sanktionen gegen Minsk zu rächen, mit denen Präsident Alexander Lukaschenko nach den umstrittenen Wahlen im vergangenen Jahr gegen Andersdenkende vorgegangen ist. Es ist zwar eine Tatsache, dass Lukaschenko die Migrationskrise als Druckmittel gegenüber der Europäischen Union einsetzt, doch verbergen die Anschuldigungen die europäische Verantwortung der Fluchtursachen.

Lukaschenkos von Russland unterstützte Regierung bestreitet, die Migrationskrise herbeigeführt zu haben, und gibt den europäischen Mächten und den Vereinigten Staaten die Schuld an der Notlage der an der Grenze gestrandeten Menschen. Am Mittwoch beschuldigte der belarussischen Grenzschutz Warschau, Migrant:innen und Geflüchtete unrechtmäßig zurückzuweisen.

Die Spannungen an der Grenze zwischen Polen und Belarus sind eine weitere Episode in der globalen Migrationskrise, die durch die militärischen Interventionen der imperialistischen Mächte in Afrika und Westasien, die zu Bürger:innenkriegen geführt haben, sowie durch die durch die Klimakrise verursacht wurde.

Die Europäische Union ist weit davon entfernt, den Migrant:innen, die vor den miserablen Lebensbedingungen fliehen, die Hand zu reichen, und hat das Mittelmeer in eine unsichtbare Mauer verwandelt, in ein Grab für diejenigen, die es wagen, es zu überqueren.

Der EU-Ratspräsident etwa schlug vor, dass die EU den Bau einer Mauer finanzieren könnte. Baerbock und Habeck forderten, mit örtlichen Aufklärungskampagnen Menschen von der Flucht abzuhalten. Aufklärung worüber? Die Aufrüstung von Frontex? Den Tod von Kindern an der polnischen Grenze?

Diejenigen, denen es gelingt, die militarisierten Grenzen zu überqueren und die prekären Geflüchtetenlager zu umgehen, sehen sich auf europäischem Boden einem Leben mit Niedriglohnarbeit gegenüber.

Dementgegen müssen wir die Forderung nach offenen Grenzen, sicheren Fluchtwegen und Bleiberecht sowie volle Staatsbürger:innenrechte für alle stellen. Der EU-Imperialismus ist verantwortlich für Fluchtursachen.

Dieser Artikel basiert auf einem Artikel von Santiago Montag, der bei IzquierdaDiario erschien.

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