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1.Mai in der Türkei trotz Ausnahmezustand

Trotz des Ausnahmezustandes und der erdrückenden Repression, gingen zum internationalen Kampftag der Arbeiter*innen hunderttausende Aktivist*innen auf die türkischen Straßen.

1.Mai in der Türkei trotz Ausnahmezustand

Am inter­na­tionalen Kampf­tag der Arbeiter*innen herrschte trotz polizeilich­er Repres­sion und Hitze eine kämpferische Stim­mung auf den Straßen der Türkei. 100.000 Demonstrant*innen in Istan­bul, etwa 15.000 in Ankara und tausende weit­ere in anderen Städten ließen es sich nicht nehmen, auf die prekären Arbeitsver­hält­nisse und die erdrück­ende Repres­sion des Regime um Erdo­gan hinzuweisen.

Ankara — Aktivist*innen erin­nern an den bevorste­hen­den zwei­hun­dert­sten Geburt­stag von Karl Marx.

Alltags-Schikane im Ausnahmezustand

Durch den andauern­den Aus­nah­mezu­s­tand müssen sich Aktivist*innen auf und um der Demo abstruse Schika­nen gefall­en lassen. So wur­den in Ankara Aktivist*innen durch drei ver­schiedene Polizeikon­trollen gezwun­gen, in denen Kör­p­er abge­tastet und Taschen durch­sucht und teil­weise auch beschlagnahmt wur­den. Trotz Tem­per­a­turen um die 30 Grad wur­den jegliche Getränke und andere Flüs­sigkeit­en bei den Ein­gangskon­trollen abgenom­men.

Auch Met­allde­tek­toren kamen bei den Kon­trollen zum Ein­satz.

Auch die stark mil­i­tarisierte Polizei ließ ihre Muskeln spie­len: Der Demozug wurde von Polist*innen mit Maschi­nengewehren im Anschlag, Panz­er­fahrzeu­gen und Wasser­w­er­fern begleit­et.

Polizei überfordert mit der kämpferischen Stimmung

Die vorge­zo­ge­nen Wahlen und der sich anstauende Druck der bevorste­hen­den Finanzkrise im Land boten den Hin­ter­grund der meis­ten kämpferischen State­ments in den Abschlusskundge­bun­gen. Viele prekär beschäftigte Arbeiter*innen haben trotz des starken Rück­zugs von Gew­erkschaften im Land kämpferische Forderun­gen für mehr Lohn, das Ende des Krieges in Syrien und sog­ar den Sturz des “dik­ta­torischen Erdo­gan-Regimes” aufgestellt.

Abschlusskundge­bung in Istan­bul

Die Polizei sper­rte zeit­gle­ich den Platz der Abschlusskundge­bung in Istan­bul und ver­wehrte tausenden Demonstrant*innen Ein­lass. All­ge­mein schien die Polizei mit dem Aufge­bot der Aktivist*innen über­fordert, denn obwohl der 1. Mai auch in der Türkei eine lange Tra­di­tion aufweist, schienen die Schika­nen im Aus­nah­mezu­s­tand und die Ver­haf­tungswellen ihren repres­siv­en Zweck zu erfüllen.

Doch heute musste von Seit­en der Polizei mehrmals Ver­stärkung ange­fordert wer­den. In Ankara wurde ein Über­fall von in Ziv­il gek­lei­de­ten Polizist*innen abgewehrt. In Istan­bul sind Aktivist*innen bis zum Tak­sim-Platz vorge­drun­gen, der tra­di­tionell der Mit­telpunkt des Protestes in der Stadt, aber nun während Demon­stra­tio­nen vom Regime als Sper­rzone fest­gelegt ist, und Proteste eher in abgele­gene Teile der Stadt gedrängt wer­den sollen.

Der inter­na­tionale Kampf­tag der Arbeiter*innen zeigt, dass trotz anhal­tender Repres­sio­nen der Wider­stand im Land wieder wächst. Während­dessen will das Regime so kurz vor den tak­tisch vorge­zo­ge­nen Wahlen keinen Auf­s­tand riskieren, die Men­schen­massen auf den Straßen aber schon.

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