Wie weiter mit dem Streik?

19.03.2013, Lesezeit 5 Min.
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// Ein Diskussionsbeitrag an die streikenden Kolleginnen und Kollegen von Neupack //

Seit über vier Monaten seid ihr schon im Kampf für eure Wür­de und gegen die Willkür der Krü­gers. Auch wenn euch das si­cher schon häufiger gesagt wur­de: Euch gebührt der aller­größte Re­spekt. Ihr seid da­bei, mit eu­rem Streik Ge­schichte zu schrei­ben. Wie es letzte Woche im Streikzelt eine Kollegin aus­drückte: Euer Kampf ist ein Si­gnal für alle Ar­beiterinnen und Arbeiter in Deutsch­land.

Umso wichtiger ist es, dass ihr weiter kämpft, bis alle eure For­derungen, allen voran die nach ei­nem Tarifvertrag und nach der so­fortigen Einstellung aller Ver­fahren, Kündigungen etc. ge­gen Streikende, voll­ständig er­füllt sind. Wenn ihr euren Kampf ge­winnt, ist dies ein Signal ge­gen schlech­te Ar­beitsbedingungen und ein Schritt hin zum Ende prekärer Be­schäftigung, was weit über Neu­pack hinaus Aus­strahlung hätte. Wenn ihr ver­liert, ist es nicht nur eure Nie­derlage, son­dern die aller Arbei­tenden, denn die Bosse werden dem Vorgehen der Krügers fol­gen und andere Kolleginnen und Kollegen genauso bekämpfen, wir ihr es zur Zeit erlebt.

Ihr selbst wisst am besten, wie euer Kampf zu führen ist. Wir ha­ben die große Wut auf die IG BCE-Führung wegen der “Flexi”-Taktik gesehen und sind der Meinung, dass ihr zurück­kehren solltet zum Voll­streik und vor allem zu tägli­chen Ver­sammlungen, wo ihr selbst dis­kutieren und ent­scheiden könnt, wann und un­ter welchen Bedin­gungen ihr streikt.

Letzte Woche zeigte Oliver Venz­ke, wie wenig die IG BCE­-Führung auf eure Probleme und For­derungen hören möch­te. Wenn sie sich weigern, das In­strument der Streikenden zu sein, müsst ihr den Streik eben selbst in die Hand nehmen. Dazu gehört auch, dass keine Verhandlungen hinter ge­schlossenen Türen ablaufen dür­fen, sondern alle Informatio­nen stets allen Streikenden zur Verfü­gung gestellt werden müssen. Sonst können Venzke und Co. ih­ren Informationsvor­sprung aus­spielen, um euch so zu verun­sichern, wie es schon die “Fle­xi”-Verarsche mit euch ge­macht hat.

Wir denken, dass es nötig ist, dass die Gewerkschaften wie­der zu wahren Instrumenten des Kampfes der Beschäftig­ten wer­den. Dazu ge­hört aber auch eine politische Auseinan­dersetzung mit und letztlich auch gegen jene Gewerk­schaftsführungen, die die Inter­essen der Beschäftigten auf dem Altar der Sozialpartner­schaft und Standardlogik op­fern. Denn so wie die IG BCE aus Hannover bei Neu­pack han­delt, so pas­sierte es in der Ver­gangenheit immer wieder. Wir wissen nur zu gut, wie vie­le Er­rungenschaften verloren ge­gangen sind, weil unsere Ge­werkschaften im „In­teresse Deutschlands“, nicht im Inter­esse der Beschäftigten han­deln. So­lange die Gewerk­schaften sol­che Führungen ha­ben, ist aber leider auch nichts ande­res zu er­warten. Einen Kurs­wechsel kann es nur ge­ben, wenn ihr euren Streik und eure Gewerk­schaft selbst über­nehmt.

Wir wollen alles tun, um euch in diesem Kampf zu unterstüt­zen. Wir sind beeindruckt von der Ar­beit, die der Soli-Kreis in Ham­burg in den letzten Mona­ten ge­leistet hat, und wir wol­len noch einen Schritt wei­ter gehen, um euren Kampf noch bekannter zu ma­chen: Wir gründen an diesem Frei­tag, den 22. März, gemeinsam mit anderen linken und gewerkschaftlichen Gruppen in Berlin einen Berliner Neu­pack-Soli-Kreis. Wir würden uns freuen, wenn so viele Streikende und Unterstützende wie möglich mit nach Berlin kommen würden, um vom Streik zu berichten.

Perspektivisch halten wir es auch für notwendig, die Strei­kerfahrungen, die in den letz­ten Jahren in Deutschland ge­macht wurden, zusammenzu­führen bei einem Tref­fen aller kämpferi­schen Belegschaf­ten. Auf der Ebene der Ge­werkschaftsapparate hat es sol­che Treffen schon gegeben; doch wir denken, dass die Streiken­den selbst sich stär­ker unter­einander austauschen müssen. So könntet ihr die Er­fahrungen, die ihr gerade in eu­rem Streik macht, an die kämpferischen Belegschaften in Deutschland weitergeben, um gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, damit die Bos­se, und nicht die Beschäftigten, die Lasten der Krise tragen.

Diesen Flyer verteilen Genossen von RIO bei den streikenden KollegInnen vor Ort.

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