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Elon Musk: Reichster Mensch der Welt durch Ausbeutung während Corona

Ein Privatvermögen von 188,5 Milliarden Dollar macht Elon Musk zum reichsten Mensch der Welt – zu verdanken hat er dies auch einem explodierenden Börsenkurs der Tesla-Aktie. Seine exzentrische Fassade kaschiert einen gewinnhungrigen Boss und einen Verteidiger des US-Imperialismus. Musks Erfolg verdeutlicht das Ungleichgewicht der Weltwirtschaft.

Elon Musk: Reichster Mensch der Welt durch Ausbeutung während Corona
Alex Gakos / shutterstock.com

Während die Corona-Krise weltweit zu einem enormen Anstieg von Arbeitslosigkeit und Armut geführt hat schlagen einige Wenige Profite aus der Situation.

So bescherte Amazon seinem Eigentümer Jeff Bezos ein sprunghaftes Vermögenswachstum von 24 Milliarden US-Dollar. Als weiterer Beweis für die wohltuende Wirkung des Jahres 2020 auf die Milliardäre wuchs Elon Musks Vermögen um 150 Milliarden.

Seither ist der südafrikanische Miteigentümer von Tesla und SpaceX und Mitgründer von Paypal der reichste Mann der Erde. Mit 188,5 Milliarden Dollar besitzt er umgerechnet 150 Milliarden Euro.

Die Pandemie als Geschäft

Musk ist bekannt für seine innovativen Marktaktivitäten – zum Beispiel die Gründung des Elektromobilherstellers Tesla. Persönlich besitzt Musk etwa 20 Prozent der Tesla-Aktien, die zu einem signifikanten Anteil zu seinem Reichtum beitragen.

Es mag paradox erscheinen: Inmitten eines Tiefpunktes der Weltwirtschaft reißen die Aktienkurse und mit ihnen auch das Milliardärsvermögen in die Höhe. Doch bei näherer Betrachtung wird ersichtlich, wieso dies kein Zufall ist.

Der Erfolg großer Bosse wie Musk und Bezos hängt direkt mit ihrer Bereitschaft zusammen, ihre Geschäfte trotz Covid-19 zu führen – um jeden Preis.

Als im vergangenen Frühjahr eine Bewegung gegen die Eindämmungsmaßnahmen in den USA entstand, fand sich Elon Musk an ihrer Spitze. Der offen mit Trump sympathisierende Industrielle forderte die Wiedereröffnung der nicht-essenziellen Produktion. Seine Fabriken in Nevada und Kalifornien blieben offen – einem Verbot und der Überbelegung von Krankenhäusern zum Trotz. Auf die Bereitstellung von Arbeitsschutzmaßnahmen wie Masken oder Tests wurde verzichtet.

Während Musk das Image eines wissenschaftlich und fortschrittlich denkenden Visionärs pflegt, spielt er die Gefahren der Pandemie herunter. So zeigt sich sein wahres Gesicht: das eines Firmenbosses, der seinen Erfolg um jeden Preis sichert.

Ein Kapitalist im innovativen Kostüm

An der Börse ist Tesla sowohl unter Großaktionären als auch unter Kleinanlegern beliebt. Elon Musks sorgsam gepflegtes Image ist in der Tat ausschlaggebend für diesen Erfolg.

Tesla steht für das Einlösen des Versprechens von ökologischer Innovation, die vom Elektroauto ausgeht. Ein Gründer, der von autonomen Städten auf dem Mars träumt und große Teile seines Vermögens an Wohltätigkeitsorganisationen spendet, unterstreicht das Bild.

Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine klassische kapitalistische Taktik:

Aus ökologischer Sicht ist das Elektroauto nämlich alles andere als ein Hoffnungsträger. Die Produktion verursacht 50 Prozent mehr Kohlenstoffdioxid als die Herstellung herkömmlicher PKWs. Zudem erfordert sie seltene Metalle, deren Gewinnung die Umwelt stark belastet. In China, wo Tesla Subunternehmen und Zwischenhändler:innen beschäftigt, vergiftet die Förderung dieser Rohstoffe Flüsse. Das fertige Produkt nutzt Strom als Antriebsquelle. Diesen gewinnen viele Länder – insbesondere auch in Deutschland – mittels Verbrennung von Kohle, einem sehr umweltschädlichen Prozess.

Seine angekündigte Spendenaktion für wohltätige Zwecke hat Musk mehrmals verschoben. 2018 erklärte er in einem Tweet seine Bereitschaft zu „großen Zahlungen in zwanzig Jahren, insofern Tesla sich bis dahin stabilisiert hat“.

Anhand der Tatsache, dass Tesla bis 2020 nicht profitabel gewesen ist, können wir diese Aussage als einen Werbegag entlarven. Freilich fördert Philanthrophie das Image eines Elon Musk besser, als die Zahlung von Steuern es könnte. Immerhin verließ Musk das Silicon Valley, um ins steuerlich vorteilhaftere Texas zu ziehen.

Seine gierige Art der Geschäftsführung offenbart Elon Musk unter anderem mit seiner Unterstützung des Putsches in Bolivien.

Bolivien verfügt über die weltweit größten Reserven an Lithium – einem für die Herstellung von Elektroautobatterien essenziellen Rohstoff.

Als das Land an den Anden im Oktober 2019 Opfer eines Staatsstreichs gegen den Sieg von Evo Morales bei den Präsidentschaftswahlen wurde, zögerte Elon Musk nicht, den Putsch der bolivianischen Rechten öffentlich zu unterstützen. Dem Milliardär ist bewusst, welche Regierung ihm die besten Bedingungen zur Ausbeutung der bolivianischen Bevölkerung bietet. So verkündete er: „Wir putschen, wen wir wollen, find dich damit ab“

Ein Jahr nach dem Putsch fegte die Arbeiter:innenklasse die Rechtsextremen aus dem Parlament und versetzte damit dem US-Imperialismus einen schweren Schlag.

Eine drohende Spekulationsblase

Teslas steiler Börsenerfolg stellt einen Indikator für die Lage der Weltwirtschaft dar – und verdeutlicht auch die Rolle der Spekulant:innen. Wir sprechen von einem Autohersteller, der einen Marktwert von 700 Milliarden Dollar erreicht hat, obwohl er im Jahr 2020 – wohlgemerkt seinem ersten profitablen Jahr – nur 500.000 Fahrzeuge verkauft hat. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum verkaufte VW 11 Millionen Automobile.

Dank eines erstaunlichen Anstiegs seiner Aktien um fast 740% verfügt Tesla nun an der Börse über mehr Guthaben als die elf größten Automobilunternehmen zusammen.

Ein solches Ungleichgewicht deutet auf die Gefahr einer Spekulationsblase hin – zumal der Erfolg der Tesla-Aktie auch auf ihre Präsenz in so genannten ETFs erklärt wird. ETF steht für “Exchange Traded Funds” (auf deutsch börsengehandelte Fonds), eine sehr riskante Form der Geldanlage, die häufig in der Finanzwirtschaft missbräuchlich verwendet wird. So scheint Teslas Erfolg so fragil wie das Gleichgewicht der Finanzindustrie.

Die Widersprüche einer von Spekulationen getriebenen Wirtschaft ermöglichte Musk den Aufbau eines immensen Vermögens – durch Ausnutzung von Arbeiter:innen und der Corona-Krise, durch seine Unterstützung eines imerialistischen Staatsstreichs. Tesla beweist erneut, wie dringend wir dem ungerechten kapitalistischen System ein Ende setzen müssen.

Der Artikel erschien zuerst am 9. Januar 2021 auf Revolution Permanente im internationalen Zeitungsnetzwerk von Klasse gegen Klasse / La Izquierda Diario.

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