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Verhindern wir zusammen die Schließung des Kreißsaals in Neuperlach!

Ein weiterer Kreißsaal soll in München geschlossen werden, aber die Beschäftigten wehren sich mit einer Petition dagegen, die bereits über 10.000 Unterstützer:innen hat!

Verhindern wir zusammen die Schließung des Kreißsaals in Neuperlach!

Im Münchner Stadtteil Neuperlach soll aufgrund eines Stadtratsbeschlusses von 2015 eine Frauenklinik und damit der dortige Kreißsaal 2024 geschlossen werden. Zurzeit arbeiten hier 50 Hebammen und (Kinder-)Krankenschwestern zusammen. Durch die Schließung verlieren die Kolleginnen nicht unbedingt ihre Arbeit als Angestellte im Öffentlichen Dienst. Allerdings wollen sie ja an ihrem Standort bleiben – dass viele Kolleginnen dann der Geburtshilfe den Rücken kehren, ist erfahrungsgemäß nicht unwahrscheinlich. Außerdem ist das Hebammenteam in Neuperlach eines der letzten in München, das noch nicht im Belegsystem, also freiberuflich arbeitet. Dass immer mehr Hebammen in die Selbstständigkeit gedrängt werden, aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen ist ein zusätzlicher Druck, der den Kampf begleitet.

Im Zuge solcher Sparmaßnahmen, die sich lediglich an der Profitgenerierung im Gesundheitssystems und nicht an den tatsächlichen gesundheitlichen Bedürfnissen  der Bevölkerung orientieren, werden seit einigen Jahren sehr viele Kreißsäle geschlossen.Die Hebammen und Krankenschwestern von Neuperlach wollen diese Schließung jedoch nicht kampflos akzeptieren. Sie haben eine Petition ins Leben gerufen, die bereits über 10.367 Unterschriften gesammelt hat, um die gesamte geburtshilfliche Abteilung im Klinikum Neuperlach zu erhalten. Jede Unterschrift hilft dabei, ihrem Anliegen zum Erfolg zu verhelfen, indem die öffentliche Empörung belegt und gesellschaftliche Unterstützung demonstriert wird.

Die Unterstützung und der Kampfgeist für die Erhaltung des Kreißsaal lässt sich aus den Kommentaren unter der Petition klar ablesen. Dort werden der Beschluss und die dahinterstehende Politik kritisiert und ein patientenorientiertes Gesundheitssystem gefordert. Die Unterschreibenden sind überzeugt:

„Ein Krankenhaus ist kein Wirtschaftsbetrieb!“
„Für Menschenorientierung“
„Schwangere haben ein Recht auf wohnortnahe Entbindung“,
„Der Erhalt einer Entbindungsstation im Osten Münchens ist besonders wichtig“
„Der Geburtsort muss von der Frau bestimmt werden, nicht von der Regierung“
„Gesundheit vor und über Profit!“

Die in den letzten Jahren gehäuft auftretende Schließung von Kreißsälen zeigt, dass es in einem kapitalistischen Gesundheitssystem niemals um Gesundheit gehen wird. Die Geburtenrate in Neuperlach wird, ebenso wie in der gesamten Bundesrepublik, in den nächsten Jahren eher steigen. Geburten funktionieren nicht nach einem Terminkalender. Gerade wegen der Spontanität von Geburten und den hohen Komplikationsrisiken für Kinder und Frauen sind Entbindungshilfen in der direkten Umgebung der Schwangeren besonders wichtig. Da Kreißsäle aber nicht besonders profitabel sind, werden sie immer häufiger geschlossen und zusammengelegt, Hebammen immer weniger unterstützt und somit in die freiberufliche Selbstständigkeit gezwungen. Schwangeren wird so in ihrem Entbindungsprozess immer weniger geholfen und sie fallen in einem profitorientierten Gesundheitssystem, genau wie die ihnen Helfenden, hinten runter.

Dies ist auch ein Aspekt, der für einen feministischen Kampf besonders zu beachten ist: nicht nur wird das Recht auf körperliche Selbstbestimmung von Schwangeren (z.B. durch das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen) immer noch massiv beschnitten, nun werden sie sogar in ihrer Entscheidung über die Umstände ihrer Entbindung zunehmend eingeschränkt. Geburten und die damit verbundenen Gefahren sind wohl nicht profitabel genug für Politik und System, um wirklich unterstützt und verbessert zu werden.

Wir haben an der Berliner Krankenhausbewegung gesehen, dass es einen harten Kampf und viel Unterstützung braucht, um vorschnellen politischen Entscheidungen und Profitinteresse entgegenzuwirken, dass ein solcher Kampf aber auch erfolgreich sein kann! Egal ob an der Uni, im Betrieb oder an Gesundheitseinrichtungen: Wir müssen diese Petition und vor allem diesen Kampf unterstützen, um ein patientenorientiertes, feministisches und antirassistisches Gesundheitssystem zu etablieren, in welchem das Krankenhauspersonal wertgeschätzt und gut entlohnt wird.

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