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Venezuela: Studis als Vorhut der Reaktion?

Venezuela: Studis als Vorhut der Reaktion?

Der Tod von Hugo Chávez Anfang 2013 stellte und stellt das poli­tis­che Sys­tem Venezue­las vor eine harte Probe: Die Regierung der PSUV war immer auf eine Inte­gra­tion unter­schiedlich­er sozialer Inter­essen durch Chávez aus­gerichtet. Nicht umson­st heißen ihre Anhänger chav­is­tas, nicht umson­st wird Chávez einem Heili­gen gle­ich verehrt. Es ist also kein Wun­der, dass die Regierung des Präsi­den­ten Nicolás Maduro seit Anfang des Jahres sich starken Geg­n­ern gegenüber sieht.

Für Maduro, der als ehe­ma­liger Vizepräsi­dent Chávez‘ bei den Wahlen 2013 gle­ich dessen Nach­fol­ger wurde, ist die Lage ziem­lich ein­fach: Faschist*innen und aus­ländis­che Agent*innen wollen das Land desta­bil­isieren. Völ­lig unrecht hat er tat­säch­lich nicht. Die Massen­proteste, die seit eini­gen Monat­en Venezuela in eine weit­ere Krise ver­set­zt haben, wer­den von der recht­en Oppo­si­tion ange­führt. Student*innen und Ange­hörige des Kleinbürger*innentums protestieren zwar vor dem realen Hin­ter­grund ein­er sozialen und wirtschaftlichen Mis­ere in Venezuela. Aber vor allem geht es ihnen gegen den Strich, dass der Chav­is­mus über Jahre hin­weg auch den Armen in den Städten und auf dem Land ein paar Krümel mehr vom Kuchen abgegeben hat als im Kap­i­tal­is­mus üblich. Und deswe­gen geht es ihnen um die Vertei­di­gung Venezue­las, vor allem gegen die „Kommunist*innen“, die das Land umzin­gel­ten, um es zu ver­sklaven, ganz beson­ders die „erfol­gre­ichen Men­schen“ in ihm.

Es ist allerd­ings keineswegs so, dass Protest im heuti­gen Venezuela falsch wäre und alle, die sich mit der Regierung der chav­is­tis­chen Clique um Maduro nicht zusam­men­tun, Reaktionär*innen wären. Im Gegen­teil: Die Infla­tion ist mit fast 60 % gigan­tisch. Auch son­st fehlen teil­weise die grundle­gend­sten Gebrauchs­güter im Land. Der Chav­is­mus in Venezuela hat über Jahre hin­weg tat­säch­lich mit Ver­staatlichun­gen großer Unternehmen und der Grün­dung sozialer Ein­rich­tun­gen und von Koop­er­a­tiv­en den Armen in Stadt und Land einige soziale Fortschritte ver­schafft. Doch das lag nicht an einem „Sozial­is­mus des 21. Jahrhun­derts“, wie ihn Chávez und seine Partei PSUV ver­sprachen. Vielmehr kon­nte die Regierung auf­grund der hohen Ein­nah­men in der staatlichen Erdölförderung soziale Pro­jek­te finanzieren. Doch die Abhängigkeit Venezue­las vom kap­i­tal­is­tis­chen Welt­markt wurde damit nicht ansatzweise über­wun­den, geschweige denn die Herrschaft kap­i­tal­is­tis­ch­er Privateigentümer*innen im Land selb­st. Nun spürt Venezuela die weltweite Krise mit aller Härte.

Maduro hat allerd­ings angesichts der Krise und der recht­en Protest­be­we­gung nicht die ger­ing­ste Absicht, die Ver­sprechun­gen vom Sozial­is­mus wahr zu machen und die Arbeiter*innenklasse zu mobil­isieren. Ganz im Gegen­teil sucht er sich Ver­bün­dete und Verhandlungspartner*innen in den Vertreter*innen der „mod­er­at­en“ recht­en Oppo­si­tion der MUD seines ehe­ma­li­gen Wahlgeg­n­ers Hen­rique Capriles. Außer­dem immer dabei: die Unternehmer*innen. Denn mit wem son­st sollte die vene­zolanis­che Wirtschaft pro­duk­tiv­er gemacht wer­den, als ihren Eigentümer*innen? Die ger­ade für Sozialist*innen näch­stliegend­ste Option, näm­lich diejeni­gen, die pro­duk­tiv sind – die Arbeiter*innen – sind da unin­ter­es­sant. Vielmehr wer­den ihre Ver­suche, gegen das Elend und die Angriffe der Kapitalist*innnen auf ihre Rechte zu kämpfen, vom Staat mit härtester Repres­sion beant­wortet: Zur Zeit ste­hen fast 150 Arbeiter*innen für ihre Teil­nahme an einem der zahlre­ichen Kämpfe für höhere Löhne oder Tar­ifverträge vor vene­zolanis­chen Gericht­en. Im Zuge der Proteste vertei­digte Maduro zudem die Repres­sion und legte nicht nur damit seine arbeiter*innenfeindliche Ein­stel­lung offen.

In Venezuela beste­ht die Basis der Reak­tion, wie weit­er oben schon beschrieben, auch und ger­ade aus Studieren­den. Die stu­den­tis­chen Aktivist*innen entstam­men der klein- und großbürg­er­lichen Elite des Lan­des, die für mehr Spiel­raum für den Impe­ri­al­is­mus ein­treten und ihre Priv­i­legien und zukün­fti­gen Prof­ite vertei­di­gen.

Auch als Antwort auf solche inter­na­tionalen Phänomene wollen wir von WAFFENDERKRITIK in Deutsch­land eine rev­o­lu­tionäre, klassenkämpferische Strö­mung unter Studieren­den auf­bauen, die sich mit den kämpfend­en Arbeiter*innen vere­inigt. Damit es in Venezuela, Deutsch­land und weltweit einen Sozial­is­mus geben kann, der länger hält als die ersten anderthalb Jahrzehnte des 21. Jahrhun­derts.

One thought on “Venezuela: Studis als Vorhut der Reaktion?

  1. DOPPLER sagt:

    Lei­der hat Putin eine Umschul­dung genehmigt deshalb dauert der Maduro IRRSINN noch laenger

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