Unsere Klasse

Unser Werkblatt Nr. 26

Unser Werkblatt Nr. 26

“Unser Werk­blatt” wird regelmäßig in der Men­sa der Freien Uni­ver­sität Berlin verteilt. Aus­lös­er war der gemein­same Arbeit­skampf von Studieren­den und Men­sa-Beschäftigten während des Bil­dungsstreiks 2009. Inzwis­chen erscheint das Werk­blatt wieder unter dem Namen der AG Arbeit­skämpfe der FU Berlin. Die neuste Aus­gabe bein­hal­tet unter Anderem ein Inter­view zu den Lehren aus dem ger­ade been­de­tem CFM-Streik. Die Aus­gabe gibt es als PDF, die einzel­nen Artikel gibt es unten:

Kampferfahrung: CFM-Streik

Der Streik an der Char­ité Facil­i­ty Man­age­ment (RIO berichtete) ging am Fre­itag nach 13 Wochen zu Ende. Im Gespräch mit Kenan, einem Reiniger für die CFM, disku­tieren wir das Ergeb­nis und die Lehren aus diesem wichti­gen Arbeit­skampf.

Der Streik ist zu Ende. Wie fühlst Du Dich?

Glück­lich, aber auch erschöpft. Streiken ist viel anstren­gen­der als Arbeit­en. Die „Arbeit­stage“ im Streik sind nicht unbe­d­ingt länger, aber nach der Arbeit kannst du nach Hause gehen und abschal­ten. Der Streik beschäftigt einen noch am Abend und am Woch­enende.
Beson­ders am Anfang standen wir noch meist herum, es gab Langeweile. Aber nach etwa drei Wochen – da gab es auch die erste Streikver­samm­lung – haben wir gemerkt, dass wir den Druck steigern müssen. Wir sind dem CFM-Miteigen­tümer Duss­mann mit Flash­mobs auf die Ner­ven gegan­gen und haben das Zen­tral­lager der CFM am Rohrdamm block­iert. Viele Kol­legIn­nen haben auch an Selb­st­be­wusst­sein gewon­nen: Zum Beispiel waren einige Frauen, die am Anfang ganz still waren, plöt­zlich bei den Block­aden vorne dabei.

Wie find­est Du das Eck­punk­tepa­pi­er?

Mit gemis­cht­en Gefühlen gehe ich jet­zt zurück zur Arbeit. Das Ergeb­nis ist für mich per­sön­lich unbe­friedi­gend, ich hat­te mehr erhofft. Es gibt jet­zt 8,50 Euro Min­dest­lohn für alle CFM-Beschäftigten. Das hil­ft etwa 500 Kol­legIn­nen – beson­ders die Sicher­heit­skräfte wer­den ab dem 1. Mai 2012 etwa zwei Euro mehr pro Stunde bekom­men. Andere bekom­men eine Lohn­er­höhung von ger­ade mal 10 Cent. Wir ReinigerIn­nen sind zum Beispiel von der Ein­malzahlung von 300 Euro expliz­it aus­geklam­mert. Da war der Arbeit­ge­ber schlau, um einen Keil in die Belegschaft zu treiben. Also ich kann das nicht als einen grandiosen Sieg beze­ich­nen. Doch wir hät­ten mit dem Streik nicht wirk­lich weit­er­ma­chen kön­nen: Nach ein­er oder zwei Wochen wäre er wohl zusam­menge­brochen, beson­ders wegen der Wei­h­nachts­fe­rien.

Was hättest Du rück­blick­end anders gemacht?

Ich denke, dass wir einen besseren Streik hät­ten machen kön­nen, wenn es jeden Tag Streikver­samm­lun­gen gegeben hätte. Da hätte man jede einzelne Idee für Aktio­nen gemein­sam durch­denken kön­nen. Man hätte auch darüber disku­tieren müssen, warum in manchen Wochen weniger Kol­legIn­nen da waren, oder auch, warum nach Wochen immer noch neue dazu gekom­men sind. Natür­lich kann das die Stim­mung drück­en, aber wir sehen es eh. Wenn wir weniger sind, da muss darüber disku­tiert wer­den. So kann man einen Infor­ma­tion­saus­tausch gewährleis­ten und auch eine Diskus­sion­skul­tur etablieren. Einige Kol­legIn­nen haben in den ersten Wochen mit einem Flug­blatt gefordert, dass es tägliche Streikver­samm­lun­gen geben sollte, aber lei­der wurde daraus nichts.

Wie sah es mit den Sol­i­dar­ität­skam­pag­nen aus?

Wir hat­ten viel mit anderen Kämpfen zu tun: Streik­ende von Alpen­land waren öfters bei uns, wir hat­ten in der let­zten Woche mit Arbeit­skämpfen der Psy­chother­a­peutIn­nen in Aus­bil­dung und der Beschäftigten des Berlin­er Ensem­bles zu tun, wir waren beim Bil­dungsstreik und hat­ten mehrere stu­den­tis­che Sol­i­dar­itäts­del­e­ga­tio­nen bei uns. Es ist wichtig, sich mit anderen Leuten auszu­tauschen, die kämpfen – auch mit der Occu­py-Bewe­gung, selb­st wenn es nichts direkt mit Lohn und Arbeits­be­din­gun­gen zu tun hat.

dieses Inter­view in voller Länge

Uni in Bewegung

Der Bil­dungsstreik nan­nte sich dieses Semes­ter „Occu­py“ FU (sprich: ‚okju­pai, englisch für: beset­zen). Damit hat er sich in Zusam­men­hang mit den Occu­py- Protesten in vie­len Län­dern und in Berlin gese­hen.
All diese Proteste haben eine wichtige Forderung: Die, die vom Kap­i­tal­is­mus prof­i­tieren, sollen auch für die Krise bezahlen! Um es durchzuset­zen, wurde unter anderem ver­sucht die Wall Street in New York zu beset­zen. Aber auch die FU Berlin wurde für eine kurze Zeit beset­zt.
Wir glauben aber, dass man vor allem beim Rück­grat der Gesellschaft anfan­gen muss, um sie zu verän­dern. Deswe­gen: Occu­py Arbeit­splatz! Aus diesem Grund haben wir die AG Arbeit­skämpfe (wieder) gegrün­det und v.a. viel zur Sol­i­dar­ität der Studieren­den mit dem CFM-Streik beige­tra­gen, denn nur gemein­sam kön­nen die bei­den Aktio­nen stark sein.

Wessen Demokratie?

„Unsere“ Demokratie ist die Demokratie der Banken- und Konz­ern­bosse. Denn wieviel Demokratie hat die arbei­t­ende Bevölkerung wirk­lich?
Nach Arbeit, Mini­job und Auf­s­tock­en beim Amt, find­et die lohn­ab­hängige Bevölkerung wed­er Zeit noch Kraft für eigene Poli­tik. Wer täglich schuften muss, kann von Protest und Selb­st­bes­tim­mung nur träu­men.
Konz­ern­bosse haben hinge­gen die Kohle, Wer­bekam­pag­nen und TV-Sender aufzubauen, um ihre Poli­tik zu vertreten.
Doch die Wirtschaft­skrise zeigt: Es geht sog­ar noch undemokratis­ch­er. Waren es anfangs noch unsere „gewählten“ Regierun­gen, die die sozialen Angriffe durch­set­zten, sind es nun die Kapitalist_innen sel­ber, die die par­la­men­tarische Farce been­den.
Der Min­is­ter­präsi­dent Ital­iens, Sil­vio Berlus­coni, wurde ein­fach abgesägt. Ganz ohne Wahlen trat der Bankiers-Liebling Mario Mon­ti an seine Stelle.
In Griechen­land das selbe Lied: Zwis­chen Sozialdemokratie und Kon­ser­v­a­tiv­en ste­ht dort jet­zt sog­ar eine faschis­tis­che Partei in der Regierung. Wahlen gab es keine.
Die Ver­ant­wor­tung dafür trägt die deutsche Regierung. Sie stürzte Ital­ien und Griechen­land in die Krise. Jet­zt nutzt sie ihre anwach­sende Macht in Europa, um diese Län­der poli­tisch zu ent­mündi­gen. Sie bes­timmt über die dor­ti­gen Regierun­gen und übt Ein­fluss auf inter­na­tionale Insti­tu­tio­nen, wie die Europäis­che Zen­tral­bank aus. Ihr Ziel: Die arbei­t­ende Bevölkerung, also zulet­zt auch uns, für die Wirtschaft­skrise bezahlen zu lassen.

NPD-Verbot von unten

Die Ter­ror­gruppe „Nation­al­sozial­is­tis­ch­er Unter­grund“ (NSU) zog jahre­lang ungestört durch das Land. Wenig­stens 10 Men­schen fie­len ihr zum Opfer. Jet­zt ist der Ruf nach dem NPD-Ver­bot wieder laut. Doch ist das der richtige Weg?
Wir glauben nicht. Ein solch­es Ver­bot würde dem Staat nur als Präze­den­z­fall dienen, um in Zukun­ft nach eigen­em Gemüt Parteien und Organ­i­sa­tio­nen zu ver­bi­eten. Dann kön­nten auch schnell Arbei­t­erIn­nen­parteien und Gew­erkschaften vor dem Aus ste­hen.
Auch wür­den sich die bürg­er­lichen Parteien damit einen anti-faschis­tis­chen Deck­man­tel geben. Dabei war es doch ihr Ver­fas­sungss­chutz, der die faschis­tis­che Ter­rorzelle finanzierte. Auch ist es die unsoziale Poli­tik der bürg­er­lichen Parteien, die den Nazis den Nährbo­den liefert. Ideelle Unter­stützung wird genau­so von oben vorgegeben: So Sar­razins Buch oder der ras­sis­tis­che Wahlkampf der Berlin­er FDP.
Wir sind gegen ein solch­es Ver­botsver­fahren durch den Staat. Nazi-Stuk­turen wie die NPD müssen wir aus eigen­er Kraft zer­schla­gen. Durch Demos gegen ihre Ver­anstal­tun­gen und Zivil­courage, wenn wir im All­t­ag auf rechte Äußerun­gen und ras­sis­tis­che Diskri­m­inierung tre­f­fen.

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