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TVStud: Verhaftungen und Repression gegen gewerkschaftlichen Protest an der TU Berlin [mit Fotos]

Die TU Berlin – eine Universität mit Glanz und Gloria? Weit gefehlt. Hier gibt es scharfe Ausbeutung der Studierenden, schlechte Lernbedingungen und seit Neustem Security und Polizei, die Studierende schubsen, treten und verhaften.

TVStud: Verhaftungen und Repression gegen gewerkschaftlichen Protest an der TU Berlin [mit Fotos]

Vor dem Haupt­ge­bäude der Tech­nis­chen Uni­ver­sität läuft eine Queen herum. Sie unter­hält sich mit Studieren­den und Gewerkschafter*innen. Für sie ist klar: Es braucht bessere Arbeits­be­din­gun­gen.

Es ist ein­er der Höhep­unk­te des akademis­chen Jahres für die Tech­nis­che Uni­ver­sität Berlin – die Queen’s Lec­ture. Ursprünglich ini­ti­iert von der britis­chen Queen, referierten hier britis­che Wissenschaftler*innen zwis­chen 1966 bis 1975 und erneut seit 1996.

Dieses Jahr geht es um maschinelles Ler­nen. Ein wichtiges und aktuelles The­ma. TU-Präsi­dent Chris­t­ian Thom­sen liegt die Ver­anstal­tung spür­bar am Herzen – es ist das 20. Jubiläum.

Doch die TU ist nicht so glanzvoll, wie es den Anschein hat. Denn seit 16 Jahren gab es für die stu­den­tis­chen Beschäftigten keine Lohn­er­höhung mehr, was durch die Infla­tion von rund 30 Prozent seit 2001 ein­er Lohnsenkung gle­ichkommt. Die Tuto­rien an der Uni wur­den während­dessen immer größer. Nicht nur Tutor*innen – die den größten Teil der Lehre und der Ver­wal­tung stem­men – lei­den darunter. Auch alle anderen Studieren­den müssen vom Fuß­bo­den der Vor­lesungssäle auf die Fen­ster­bänke der ver­tiefend­en Übun­gen, weil es oft keine Plätze mehr gibt.

Keine Plätze gab es im Saal auch für diejeni­gen, die an der Uni arbeit­en, studieren und lehren — Polizei und Secu­ri­ty ver­riegel­ten die Türen der Uni­ver­sität vor den Men­schen. Sie trat­en und schub­sten mehrere Per­so­n­en und ver­hafteten zwei Gewerkschafter*innen.

Zuvor ver­sam­melten sich Dien­stag Nach­mit­tag etwa 150 Studierende und stu­den­tis­che Beschäftigte vor dem Haupt­ge­bäude der TU. Sie nutzen den Anlass, um auf die Missstände an der Uni aufmerk­sam zu machen. Und fordern einen Infla­tion­saus­gle­ich ihrer Löhne, ordentliche Lohn­fortzahlung im Krankheits­fall und macht­en auf die steigen­den Berlin­er Mieten aufmerk­sam.

Legit­ime Forderun­gen, die jedoch von der TU-Leitung im Ver­bund mit der Staats­ge­walt mit Repres­sion beant­wortet wur­den. Etwa 20 bis 40 Beamt*innen waren vorher gerufen wor­den, um gew­erkschaftlichen Protest zu unter­drück­en. Alleine die Präsenz der Polizei ist eine mas­sive Pro­voka­tion und durch nichts gerecht­fer­tigt! Gab es denn irgendwelche Ver­dachtsmo­mente für Straftat­en? Gab es gar Straftat­en bei früheren Aktio­nen in der Ver­gan­gen­heit? Gab es im Vor­feld Ankündi­gun­gen für Straftat­en? Nein, nein und nochmals nein.

Aufgerufen hat­ten die Gew­erkschaften ver.di und GEW. Zuvor wurde von diesen der Tar­ifver­trag der stu­den­tis­chen Beschäftigten gekündigt, um Druck auf die Hochschulen auszuüben – Streiks sind dann ab Anfang Jan­u­ar möglich.

Denn die Hochschulen weigerten sich bish­er, ern­sthafte Ange­bote vorzule­gen und block­ieren die Tar­ifver­hand­lun­gen.

Nach der Kundge­bung ver­sucht­en die Studieren­den, ihre Forderun­gen zu den­jeni­gen zu tra­gen, die für schlechte Arbeits- und Stu­di­enbe­din­gun­gen ver­ant­wortlich sind.

Während der britis­che Botschafter Sebas­t­ian Wood sich über den „war­men Emp­fang mit Trillerpfeifen“ freute, sprangen einige Studierende aus den Pub­likum auf und ver­liehen den Forderun­gen der Ver­samm­lung vor der Tür Nach­druck.

Der heutige Abend lehrte vor allem eins: Es fand ein offen­sichtlich­er Ein­schüchterungsver­such von Seit­en der Hochschulen und des Rot-Rot-Grü­nen Sen­ats statt. Bessere Arbeits­be­din­gun­gen und eine Lehre von höher­er Qual­ität wollen die Hochschulen nicht – vor einem Streik haben sie allerd­ings eben­falls Angst.

Bei ein­er Feier im Anschluss an die Queen’s Lec­ture forderte eine Queen vom Präsi­den­ten der TU bessere Löhne, und Studierende präsen­tierten ein Trans­par­ent mit der Auf­schrift „16 Jahre sind genug!“, was mit einem laut­en „Ver­pisst euch“ quit­tiert wurde.

Doch eines haben die stu­den­tis­chen Hil­f­skräfte am Dien­stag Nach­mit­tag gezeigt: so schnell wer­den sie sich nicht ver­pis­sen.

One thought on “TVStud: Verhaftungen und Repression gegen gewerkschaftlichen Protest an der TU Berlin [mit Fotos]

  1. Lara sagt:

    Total schlimme Entwick­lung, dass bei friedlichen Aktio­nen von der offen­sichtlich “gefürchteten” Bil­dungss­chicht Men­schen ver­haftet wer­den!

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