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Telegram, Signal und Co. sind auch unsicher: So kannst du für wirklichen Schutz kämpfen

Nachdem bekannt wurde, dass WhatsApp Daten an Facebook weitergibt, haben Viele dem Messenger den Rücken gekehrt. Dadurch erhalten alternative Messenger großen Zulauf - aber sind diese wirklich sicher?

Telegram, Signal und Co. sind auch unsicher: So kannst du für wirklichen Schutz kämpfen
Bild: Simon Zinnstein / klassegegenklasse.org

WhatsApp hat bekannt gegeben, dass sie Daten in Zukunft mit ihrem Mutterkonzern Facebook teilen werden. Das hat für einen großen Aufschrei unter den Nutzer:innen gesorgt und Viele haben die App deinstalliert. Verständlich, wenn man sich bewusst ist, was alles geteilt wird: die Telefonnummer, ob Nachrichten gelesen wurden, wie lange Nutzer:innen am Handy sind, IP-Adresse und Standort, Zahlungen via WhatsApp Pay, Bankdaten, Adresse, sogar wann welche Produkte gekauft wurden.

Das liest sich natürlich sehr unschön, ist allerdings gar nicht so ungewöhnlich. Amazons Alexa hört dauerhaft Mikros ab und verkauft sogar unter dem Deckmantel „Smart-Home“ Überwachungsgeräte, bei denen sich Geheimdienste die Finger lecken. Neu ist nicht das Sammeln der Daten, sondern die Weitergabe von WhatsApp an Facebook. Netflix, Google, Amazon und Co. sammeln schon seit sie erkannt haben, dass man mit Nutzungsdaten gezieltere Werbung schalten und damit Profite maximieren kann. Beispielsweise sind Google Maps und Google Notizen im Vergleich schon heute enger verbunden als WhatsApp mit Facebook.

Am Ende stehen Nutzer:innen vor tausenden Seiten AGB voller Nonsens, unzähligen Meinungen von Expert:innen für Datenschutz und IT und Gerüchten, die man von Freund:innen gehört hat. Viele entscheiden sich deshalb für alternative Messenger-Dienste wie Telegram, Signal, Threema oder Wickr. Doch auch diese haben ihre Schwachstellen. Teilweise sind sie Open Source, d.h. ihr Programm-Code ist öffentlich zugänglich, teilweise aber auch nicht. Dabei wird zusätzlich die Frage ausgeklammert auf welchem Server sie betrieben werden und wer diesen kontrolliert.

Im Zweifelsfall können Regierungen diese Server einfach abschalten und die Messenger-Variante ist weg. So ist es unter anderem der kritischen Nachrichtenseite linksunten.indymedia ergangen, die vom Verfassungsschutz abgeschaltet wurde. Selbst Alternativen wie TOR haben tatsächlich das Problem, dass die NSA tausende Server selbst schaltet und damit die Technologie aushebelt. Einige große Seiten im Darknet sind diesen Szenario zum Opfer gefallen.

Auch dezentrale Netzwerke mit tausenden Servern, wie BitTorrent (das ist das Protokoll hinter Plattformen wie Pirate Bay) funktionieren nicht wirklich gut. Einerseits, weil Internet Provider immer wieder die zentralen Suchmaschinen blockieren und die wenigsten Nutzer die Netzwerkeinstellungen ihrer Geräte so anpassen können, dass das umgangen wird. Andererseits, weil auch hier Polizei oder Geheimdienste einfach eigene Server aufbauen können.

Datensicherheit ist also eine mehr oder weniger große Illusion, solange die Server, die Codes und die Plattformen von Zuckerberg, Bezos und Gates kontrolliert werden- Auch Alternativen reichen nicht aus. Doch nicht nur die Nutzer:innen sind mit den Diensten unzufrieden, auch Arbeiter:innen richten sich gegen die IT-Giganten. Bei Google wurde nach jahrelanger versteckter Vorbereitung zum ersten Mal eine Gewerkschaft gegründet. Auch bei Amazon gibt es immer wieder Streiks. Die Nutzer:innen und die Programmierer:innen müssen sich gemeinsam gegen schlechte Arbeitsbedingungen und die Nutzung der Daten für Profitinteressen richten, denn sie haben das gleiche Interesse. Vor allem haben die Arbeiter:innen die Möglichkeit zu streiken und konkret auch solche Forderungen zu stellen.

Google, Facebook und Co. müssen ihre Geschäftsbücher offenlegen. Unabhängige Komitees aus Nutzer:innen, Expert:innen und Arbeiter:innen müssen diese unabhängig prüfen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Genauso dürfen die Server und ISPs nicht länger unter der Kontrolle der Herrschenden stehen, sondern müssen demokratisch unter Kontrolle der Arbeiter:innen verwaltet werden. Lasst uns mit solchen Forderungen auch für eine Gesellschaft kämpfen, in der ein paranoides Maß an Sicherheit nicht notwendig ist.

Wir werden uns nicht auf irgendwelche vermeintlichen Alternativen zurückziehen, sondern weiter überall aktiv bleiben. Folgt uns auf Telegram, wenn ihr tägliche Nachrichten der revolutionären Linken mit ein bisschen mehr Sicherheit haben wollt, als bei Instagram und Co.

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