Sumud Flotilla: „Nie zuvor gab es eine Mission dieser Größenordnung“ – Interview mit Bruno Gilga

02.09.2025, Lesezeit 8 Min.
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Am Sonntag brach die Global Sumud Flotilla vom Hafen Barcelonas aus in Richtung Gaza auf, um zu versuchen, die Belagerung des palästinensischen Volkes zu durchbrechen. Unser Genosse Bruno Gilga vom internationalen Netzwerk Izquierda Diario wird als Teil der brasilianischen Delegation mit an Bord sein. In diesem Interview mit Pablo Castilla, Mitglied von Contracorrent und Sprecher der CRT aus dem spanischen Staat, spricht Bruno Gilga über den Plan, die Ziele und die Risiken dieser Aktion, die darauf abzielt, die größte zivile Flotte der Geschichte zu werden

Pablo Castilla: Als Erstes wollten wir dich fragen: Was genau ist diese Flotten Initiative und welche Ziele verfolgt sie?

Bruno Gilga: Zunächst einmal ist es mir eine Ehre, mit Esquerra Diari und den spanischsprachigen Lesern von La Izquierda Diario über dieses Thema zu sprechen. Die Global Summit Flotilla ist die jüngste Initiative der internationalen Solidarität und die nächste Mission nach Gaza. Es handelt sich um eine gewaltfreie humanitäre Mission, an der Aktivist:innen, Ärzt:innen, Parlamentarier:innen, t, Arbeiter:innen, Studierende sprich Menschen aller Art aus mehr als 44 Ländern beteiligt sind, wobei diese Zahl sogar noch wächst.

Fast 30.000 Menschen aus aller Welt haben sich für die Teilnahme angemeldet. Diese Initiative folgt kurz nach den letzten Missionen, wie der Freedom Flotilla, den Madleen- oder Handala-Missionen, die große internationale Unterstützung erfuhren.

Diese fanden etwa zur gleichen Zeit statt wie der globale Marsch nach Gaza, an dem ich selbst teilgenommen habe, du, Pablo, zusammen mit anderen Genossin:innen aus unserem internationalen Netzwerk, dem Sumud-Konvoi von Aktivist:innen aus den Ländern Nordafrikas und auch Genoss:innen einer anderen Initiative namens Flotilla Usantara.

Wir alle versuchen, die gleichen Ziele zu erreichen, nämlich die illegale Blockade zu durchbrechen, die Israel, der illegitime Staat Israel, seit 17, 18 Jahren über Gaza verhängt, und auch die aktuelle Phase des Völkermords anzuprangern und zu stoppen, der sich seit fast 80 Jahren hinzieht, aber in den letzten fast zwei Jahren ein noch schlimmeres Ausmaß an Barbarei und Brutalität erreicht hat.

Ich glaube, dass dieses Ausmaß an Grausamkeit, das Millionen und Abermillionen von Menschen auf der ganzen Welt live im Internet mitverfolgen, das Israel dem palästinensischen Volk auferlegt, und auch das grenzenlose Ausmaß des Widerstands des palästinensischen Volkes. Sein Kampf um sein Existenzrecht, um seine Selbstbestimmung als Nation, um sein Recht auf ein eigenes Land gegen die kolonialistische Besatzung, diese beiden Dinge inspirieren derzeit ein immer stärkeres Wachstum dieses Phänomens der aktiven internationalen Solidarität, das sich in all diesen Initiativen, in den Massendemonstrationen auf den Straßen der Hauptstädte und Städte Dutzender Länder äußert, und dazu gehört auch diese humanitäre Mission, die, wie Sie richtig gesagt haben, historisch ist.

Nie zuvor gab es eine Mission dieser Größenordnung, die versuchte, den Korridor wieder zu öffnen. Ich sage „wieder zu öffnen”, weil dies bereits zu einem anderen Zeitpunkt, kurz nach der Blockade im Jahr 2007, mit Missionen auf dem Seeweg geschehen war. Es gelang auch, einen humanitären Korridor zu öffnen, den Israel dann wieder brutal schloss.  Später, im Jahr 2010, wurden bei einer dieser Missionen sogar 10 türkische Aktivist:innen getötet, um die Blockade aufrechtzuerhalten, die nun dazu dient, Hunger als eine Kriegswaffe einzusetzen und Hunderte von Menschen durch die Unterernährung zu töten,und das zusätzlich zu weiteren Zehntausenden getötet durch Waffengewalt. Mehr als 62.000 Menschen sind bislang mit Namen und Nachnamen  identifiziert, aber die tatsächlichen Zahlen sind noch viel schlimmer. Das bedeutet also ganz klar, dass die Arbeiter:innen, die Jugendlichen, die Menschen weltweit angesichts der Komplizenschaft und Verantwortung der imperialistischen Länder wie den Vereinigten Staaten und den europäischen Mächten sowie anderer bürgerlicher Regierungen und politischer Führungen weltweit nicht schweigen werden und auch das Tausende von Menschen, bereit sind, die Kämpfe des palästinensischen Volkes, das Widerstand leistet, zu stärken und sich für Sie einzusetzen.

PC: Du hast gerade von der kriminellen Rolle der imperialistischen Großmächte bei diesem Völkermord gesprochen. Wir sehen sehr deutlich in Europa und auch in den Vereinigten Staaten, wie diese Großmächte uns jetzt im Namen des Friedens, im Namen der Verteidigung angeblicher demokratischer Werte dazu auffordern, uns wieder aufzurüsten, während sie gleichzeitig den Völkermord am palästinensischen Volk gutheißen. Wir sehen das auch hier in Spanien, wo eine Regierung, die sich als progressiv bezeichnet, in den letzten Monaten nichtsdestotrotz weiterhin Waffen an Israel verkauft hat. Welche historische Bedeutung hat diese Mission deiner Meinung nach in diesem internationalen Kontext?

BG: Niemand glaubt, dass Israels brutale Verletzungen der grundlegendsten Menschenrechte Zufall sind. In den letzten Tagen schreitet Israel voran, macht weitere qualitative Sprünge im Völkermord und versucht, die Stadt Gaza vollständig einzunehmen, mehr als eine Million Menschen, Palästinenser:innen, zu vertreiben, mit einem Maß an Brutalität, das wir in den letzten Tagen klar gesehen haben, zum Beispiel mit dem Angriff auf das Nasser-Krankenhaus, ein Angriff der offensichtlich nur Ärzt:innen, Rettungskräfte und Journalist:innen töten konnte.

Wie kann es sein, dass Journalist:innen von Al-Jazeera bei einem sehr kontrollierten Angriff getötet werden, und dies weiterhin in Zweifel gezogen oder gar geleugnet wird ? Selbst Israel gesteht ein, dass es ein kalkulierter Angriff war, und versucht zu behaupten, dass die Journalist:innen angeblich Terrorist:innen waren. Die wahren Terroristen sind jedoch ganz klar die Israelische Armee und der genozidale israelische Staatsapparat

Niemand kann also glauben, dass es Zufall ist, dass all diese Mächte und bürgerlichen Regierungen ihre Komplizenschaft in der Praxis aufrechterhalten, selbst diejenigen, die den Völkermord mit Worten verurteilen, wie diespanische Regierung.

Als Brasilianer kann ich dasselbe über die brasilianische Regierung sagen, die den Völkermord zwar mit Worten verurteilt, aber die Handels- und diplomatischen Beziehungen aufrechterhält. Tatsächlich wurden mitten im Völkermord die brasilianischen Ölexporte nach Israel um mehr als 50 % gesteigert.

Die Sonderberichterstatterin der UNO, Francesca Albanese, weist in ihrem Bericht über die Ökonomie des Völkermords auf spanische und brasilianische Unternehmen hin, wie beispielsweise Ölkonzerne, die vom Völkermord profitieren.

Im Genozid, den Israel gegen die Palästinenser:innen begeht, stehen die größten Interessen des Imperialismus auf dem Spiel, das ist es, was auf dem Spiel steht, und deshalb bleiben sie Komplizen, unabhängig vom Ausmaß der Brutalität, der Katastrophe, der Barbarei, der Menschenrechtsverletzungen und der Verstöße gegen das Völkerrecht, das von Israel bereits in einem Ausmaß verletzt wird, das man gar nicht beschreiben kann.

Andererseits geht es bei der palästinensischen Sache, d. h. bei der Möglichkeit, dass das palästinensische Volk mit seinem Kampf und der Unterstützung der wachsenden aktiven internationalen Solidarität den Zionismus besiegen und sein Recht auf ein freies Palästina erringen kann um weitaus mehr. Hier stehen die Interessen aller unterdrückten Völker, der gesamten Arbeiterklasse der Welt, in ihrem Kampf gegen den Imperialismus, gegen den Kapitalismus, gegen die Ausbeutung auf dem Spiel.

Ein Sieg des palästinensischen Volkes wäre ein historischer, monumentaler Sieg für alle Unterdrückten, alle Völker, die gesamte Arbeiterklasse der Welt, in unserem Kampf, für unsere Befreiung. Ich glaube also, dass dies die Perspektive ist, mit der wir vom Internationalen Netzwerk Izquierda Diario an jeder dieser Initiativen teilgenommen haben und jetzt an der Global Sumud Rotilla teilnehmen, weil wir Teil desselben internationalen Solidaritäts Phänomens sein wollen, um gleichzeitig auch anzuerkennen, dass dies der historische Kampf der gesamten Arbeiterklasse ist, mit der wir uns verbunden fühlen. Der Kampf gegen Imperialismus, Kapitalismus und jegliche Ausbeutung.

PC: Vielen Dank für deine Zeit und all die Motivation und Kraft für diese Initiative, diese Mission, die ihr durchführen werdet, und ich ermutige e uch alle, jeden Tag das Internationale Netzwerk Izquierda Diario zu verfolgen, um über die aktuellen Ereignisse der Flotte auf dem Laufenden zu bleiben und auch um diese militante Zeitung zu unterstützen, die wir als Instrument zur Stärkung des Kampfes des palästinensischen Volkes in der ganzen Welt sehen.

Dieser Artikel erschien im spanischen Original am 28.08.2025 auf La Izquierda Diario

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