Geschichte und Kultur

Stolperstein für Anton Grylewicz, Kämpfer für die Einheitsfront gegen den Faschismus

Überall auf der Welt sind rechtsextreme und faschistische Kräfte im Aufstieg. Wie können wir dieser Gefahr entgegentreten? Es lohnt sich, die Lehren aus dem Aufstieg des Faschismus in Deutschland Anfang der 1930er Jahren zu studieren. Eine Einheitsfront aller Arbeiter:innenorganisationen wäre nötig gewesen, um sich gegen die Nazis zu verteidigen. Doch die größten Kräfte wie SPD und KPD weigerten sich, zusammenzustehen — nur wenige Stimmen plädierten für eine solche Einheitsfront, darunter die Linke Opposition der KPD.

Stolperstein für Anton Grylewicz, Kämpfer für die Einheitsfront gegen den Faschismus
Anton Grylewicz // Zeichnung: Sou Mi

In den Worten von Leo Trotzki sollte jede:r kommunistische:r Arbeiter:in zu sozialdemokratischen Kolleg:innen sagen: “Die Politik unserer Parteien ist unversöhnlich; aber wenn die Faschisten heute Nacht kommen, um die Räume Deiner Organisation zu zerstören, so werde ich Dir mit der Waffe in der Hand zu Hilfe kommen. Versprichst Du, ebenfalls zu helfen, wenn die Gefahr meine Organisation bedroht?”

Mit einer Gedenkveranstaltung für Anton Grylewicz wollen wir an diese Tradition erinnern.

Anton Grylewicz (1885–1971) war ein Metallarbeiter aus Berlin-Neukölln. Während des Ersten Weltkrieges gehörte er zu den Revolutionären Obleuten, die Streiks gegen den Krieg organisierten. Durch die Novemberrevolution wurde Grylewicz zum stellvertretenden Polizeipräsidenten in Berlin. Später trat er in die Kommunistische Partei Deutschlands ein, und arbeitete in der Organisationsabteilung der Zentrale. Er diente als kommunistischer Abgeordneter in Neukölln, im preußischen Landtag und auch kurzzeitig im Reichstag.

Zusammen mit dem linken Parteiflügel wurde Grylewicz aus der KPD ausgeschlossen. Ab 1930 wurde er zur führenden Figur der Vereinigten Linken Opposition der KPD (Bolschewiki-Leninist:innen). In seiner Wohnung in der Brusendorfer Straße 23 gab er die Wochenzeitung “Permanente Revolution” heraus. An dieser Adresse wurden auch zahlreiche Broschüren von Leo Trotzki über den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland veröffentlicht, wie zum Beispiel “Wie wird der Nationalsozialismus geschlagen? Arbeiter-Einheitsfront gegen den Faschismus.”

Anfang 1933 verwüstete die SA diese Wohnung. Grylewicz musste nach Prag fliehen, und von dort nach Frankreich und dann weiter nach Kuba. Erst 1955 kam er zurück nach West-Berlin. Politisch aktiv war er nicht mehr, aber er verteidigte seine trotzkistischen Ansichten bis zum Ende seines Lebens. Als 1968 neue trotzkistische Gruppen in Berlin entstanden sind, konnte er noch seine Erfahrungen an eine neue Generation vermitteln.

Am 22. Juni um 15:30 Uhr gedenken wir dem Ehepaar Anton und Anna-Maria Grylewicz vor ihrer ehemaligen Wohnung in der Brusendorfer Straße 23 nahe S-Bhf Sonnenallee. Das Bezirksamt von Neukölln wird zwei Stolpersteine verlegen. Wir wollen mit möglichst vielen Menschen, die sich auf diese Tradition beziehen, gemeinsam gedenken. Auch Zeitzeug:innen, die Grylewicz 1968 kennenlernten, werden anwesend sein.

Im Anschluss werden weitere Stolpersteine in Neukölln verlegt: ab 16:15 Uhr in der Donaustraße 114 für Walter Schultz (hingerichtet 1937 nach dem “Richardstraße-Prozess” der Nazis); und ab 17:00 Uhr am Kottbusser Damm 88/89. (Dieses Event ist nur für die erste Veranstaltung, aber wir werden auch an den anderen beiden Verlegungen teilnehmen.)

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