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Spanische Hotelkette feuert “Las Kellys”: “Ihr Reichtum ist die Ausbeutung von Arbeiterinnen”

Seit langem erleiden "Las Kellys", die selbstorganisierten Reinigungskräfte im Spanischen Staat, Entlassungen und Schikane von Seiten des Olivia Hotels Balmes. Die Arbeiterinnen werden entlassen, weil sie krankgeschrieben sind, weil sie organisierte Arbeiterinnen sind, weil sie Migrantinnen sind und weil sie Kämpferinnen sind.

Spanische Hotelkette feuert

FOTO: ID.ES

Die Türen des lux­u­riösen Olivia Hotels Balmes in Barcelona sind zum Schau­platz von Kundge­bun­gen gegen die Ent­las­sun­gen der Reini­gungsar­bei­t­erin­nen gewor­den. Denn der Besitzer, der Unternehmer Manuel Valder­ra­ma, hätte sich nie aus­ge­malt, dass unter der Putzu­ni­form viele bere­its das grüne T‑Shirt hat­ten, das “Las Kellys” repräsen­tiert. Die vom Hotel angegebe­nen Gründe für die Ent­las­sun­gen sind lächer­lich: “es gibt keine Arbeit”, “wir brauchen dich nicht”, “so ist das Hotelgeschäft”. Aber wie Las Kellys sagen: “Das Hotel ist sauer, weil wir uns im Hotel mit unser­er Gew­erkschaft organ­isiert haben, um zu fordern, dass unsere Rechte respek­tiert wer­den.”

Die erste Kundge­bung fand 9. Jan­u­ar statt – eine Not­fal­lkundge­bung, als Fati­ma nach nicht mehr als ein­er krankheits­be­d­ingten Beurlaubung ent­lassen wurde. Übri­gens han­delte es sich hier­bei um eine Krankschrei­bung, die durch einen Arbeit­sun­fall verur­sacht wurde: Beim Putzen eines Zim­mers verf­ing sie sich in einem Lak­en, stürzte und erlitt einen Knochen­bruch.

“Wir leben mit diesem Job in Gefahr, wenn wir z.B. Balkone oder Fen­ster mit Blick auf die Straße reini­gen müssen und dabei der Höhe aus­ge­set­zt sind”, erk­lärt Roxi. “Ja, oder wenn wir Ble­ich­mit­tel einat­men, das übri­gens ver­boten ist — generell alle Gift­stoffe, die in Reini­gungsmit­teln enthal­ten sind”, erk­lärt Miri­am.

Die zweite Kundge­bung fand am Sam­stag, den 11. Jan­u­ar, statt, als eine weit­ere Arbei­t­erin, Mayrenge, ent­lassen wurde. Sie sind nicht allein, sie wer­den von anderen Kollek­tiv­en begleit­et, die gegen die Prekar­ität und für die Aufhe­bung der Arbeit­sre­for­men kämpfen, Arbei­t­erin­nen des­sel­ben Hotels, die bere­its vorher ent­lassen wur­den, wie Juliana: “Sie haben mich ent­lassen, als ich meinen Urlaub beanspruchte, ich hat­te vierzehn Tage und sie woll­ten mir nur fünf geben. Die Leitung sagte: ’so etwas ver­langt man im Hotel­gewerbe nicht, Süße’. Sie haben mir die vierzehn Tage zwar gegeben, feuerten mich aber, als ich zurück­kehrte. Ich habe allerd­ings für meine Rechte gekämpft und bin immer ver­ant­wor­tungsvoll mit mein­er Arbeit umge­gan­gen. Sie haben mich gefeuert, weil ich für meine Rechte gekämpft habe”, erzählt sie.

Auch Maria ist nach sechs Jahren Arbeit ent­lassen wor­den, sie ken­nt die Poli­tik der Unternehmen seit der Grün­dung des Hotels im Jahr 2013: “Seit der Eröff­nung von Olivia Balmes haben wir jedes Jahr mehrere externe Unternehmen durch­laufen, immer für max­i­mal zwei Jahre. Jedes Jahr macht­en sie uns einen neuen Werkver­trag und tauscht­en uns immer wieder aus. Aber das gilt nur für die ersten von uns, mit­tler­weile sind die Verträge befris­tet und wenn sie das Unternehmen wech­seln, wird das Dien­stal­ter nicht anerkan­nt. Früher habe ich mit 40-Stun­den-Verträ­gen für 900 Euro im Monat gear­beit­et, let­z­tendlich wur­den wir aber nach der Anzahl der gemacht­en Zim­mer bezahlt. Jet­zt müssen sie 16 Zim­mer pro Tag putzen, vorher waren es 14. Wenn du es nicht schaffst, weil es ein­fach unmöglich ist, set­zen sie die fehlen­den Zim­mer für den näch­sten Tag drauf, und ver­lan­gen sog­ar, dass du sie im Urlaub putzt, oder sie bezahlen dich direkt nur für die Zim­mer, die du gemacht hast, was aber weniger Geld bedeutet. Im Gegen­zug bezahlen sie dich aber nicht, wenn du es schaffst, mehr Zim­mer zu putzen.”

“Außer­dem beka­men viele Frauen keinen Arbeitsver­trag, weil sie die Sprache nicht beherrscht­en, da es viele Arbei­t­erin­nen gibt, die Migran­tinnen sind. Bei so vie­len Unternehmen mit so vie­len Ver­tragsän­derun­gen blick­ten sie nicht mehr durch und das Hotel nutzte das scham­los aus”, sagt Mayrenge.

Olivia Hotels Group, das von Politik und Institutionen legitimierte, profitable Geschäft

Manuel Valder­ra­ma ist der Eigen­tümer seines erfol­gre­ichen Unternehmens. Er begann 1979 als Unternehmer mit Bau­un­ternehmen und baute 1988 eine Kette mit zen­tral gele­ge­nen Luxu­sho­tels in Barcelona und Mal­lor­ca auf, während er das lux­u­riöse Cava & Hotel Mastinell über­nahm. Darüber hin­aus gehören 10% der Aktien von Olivia Hotels zur Fondese Gruppe – zu deren Direktor*innen Gisela Valder­ra­ma, die Tochter des Unternehmers, gehört –, dessen Grün­der Juan María Camp Rof der Besitzer der Ciu­tatHo­tels mit Hotels in Barcelona, Mol­let del Val­lès und Gra­nollers ist. Seine ganze Fam­i­lie, von sein­er Frau bis zu den Kindern, führt die Betriebe, die sich neben der Gas­tronomie auch dem Wein wid­men. Ein großes Fam­i­lien­im­peri­um, in dem zum Beispiel seit 2017 seine Tochter Gisela CEO der Olivia Hotels ist, als die Kette laut dem Barcelona Busi­ness Reg­is­ter einen Umsatz von mehr als 34 Mil­lio­nen Euro ein­strich.

Kom­men ihre Reichtümer aus ihrem “Unternehmergeist”, wie die Kapitalist*innen behaupten, um sich mit ein­er Mer­i­tokratie zu recht­fer­ti­gen, um ihren “Aus­beu­ter­geist” und in vie­len Fällen ihre Kor­rup­tion zu ver­tuschen? Valder­ra­ma besaß eine der 35 Unterkün­fte für Tourist*innen, deren Lizenz 2015 durch das Lizenz­mora­to­ri­um und 2017 durch den “Peuat”-Plan, der den Bau neuer touris­tis­ch­er Ein­rich­tun­gen im Zen­trum von Barcelona ver­hin­dert, gestrichen wur­den. In jen­em Jahr forderte er die Wieder­auf­nahme des berühmten Pro­jek­ts zum Bau eines Luxu­sho­tels vor dem Palau de la Músi­ca. Berühmt, ja, für den Kor­rup­tion­sskan­dal, mit dem der Geschäfts­mann schein­bar auch zu tun hat­te und vor Gericht gestellt wurde, weil er Pro­vi­sio­nen in Höhe von 900.000 Euro an Fèlix Mil­let gezahlt haben soll. Der Geschäfts­mann leugnete die Bestechun­gen und wurde freige­sprochen. Zu dieser Zeit lag die Stadt­pla­nungspoli­tik von Barcelona in den Hän­den des der Sozial­is­tis­chen Partei Kat­aloniens (PSC).

Im August 2019 akzep­tierte der Ober­ste Gericht­shof von Kat­alonien (TSJC) eine vom Geschäfts­mann ein­gelegte Beru­fung und erk­lärte den Son­der­plan für Touris­te­nun­terkün­fte (Peu­at) für nichtig. Jet­zt hat er freie Bahn zu bauen, was immer er will.

In der Zwis­chen­zeit beschlossen Las Kellys, aufzudeck­en, was hin­ter all den Mil­lio­nen steckt, die die Taschen dieses Geschäfts­man­nes füllen: “Das Hotel stellte die Fir­ma ein, die am bil­lig­sten ist, die Fir­men senken ihre Aus­gaben auf unsere Kosten. Die Arbei­t­erin­nen ver­di­enen immer weniger. Ihr Reich­tum ist die Aus­beu­tung von Hun­derten von Arbei­t­erin­nen”, fährt Maria fort.

Bei der Kundge­bung, während die anderen riefen: “Für einen Euro fün­fzig, lasst den Hote­lier zahlen”, haben wir nachgerech­net. Die Gle­ichung ergab, dass jedes Zim­mer die Gäste min­destens 100 Euro, meis­tens aber 200 Euro kostet, während die Reinigerin­nen aber nur zwis­chen 800 und 900 Euro für einen 10-Stun­den-Arbeit­stag bekom­men, zwei davon unent­geltlich. Warum? Sie erk­lären es uns: “Wir machen nie pünk­tlich Feier­abend. Es gibt hier 128 Zim­mer, damals waren wir 14 Arbei­t­erin­nen um alles zu putzen, heute sind wir nur noch fünf! 308 Zim­mer pro Monat. Die Buch­häl­terin schreibt jedes gemachte Zim­mer auf und wenn sie sieht, dass du deinen Verpflich­tun­gen zum Ende des Monats nicht nachgekom­men bist, nimmt sie dir den Urlaub weg, damit wir auf die Gesamtzahl kom­men. Anstatt fünf Tage in der Woche zu arbeit­en, arbeit­en wir also sieben, ohne für die Tage bezahlt zu wer­den, die wir ihnen ange­blich schuldig seien, weil wir nicht die gesamte Anzahl von Zim­mern erledigt haben”, erk­lärt Fati­ma.

“Wir haben mehr Schmerzen, mehr Ver­let­zun­gen, wir haben keine Zeit zu essen und arbeit­en hun­grig, weil wir es nicht schaf­fen zu essen, wir wer­den immer kränker und viele von uns müssen sich krankschreiben lassen, weil wir super erschöpft sind. Der Arbeit­ge­ber zählt die Krankmel­dun­gen, und wenn die Zeit für weniger Arbeit gekom­men ist, sagen sie, ‘raus auf die Straße’, und der Ver­trag ist vor­bei”, sagt Juliana.

“Ja, ich habe heute noch nichts gegessen, weil ich von den sechzehn Zim­mern nur zwölf geschafft habe. Und Krankheit­en wer­den nicht als Beruf­skrankheit­en anerkan­nt. Das ist Sklaverei, sie nehmen uns den Urlaub weg”, sagt Mayrenge, die die Kundge­bung am Sam­stag­mor­gen ein­berief. Die Net­zw­erke von Las Kellys aus Barcelona kündigten an: “Das Hotel Olivia Balmes lässt unsere gew­erkschaftlich organ­isierten Kol­le­gin nicht mehr zur Arbeit gehen. Wir rufen alle auf, die kom­men kön­nen, um uns zu unter­stützen. Wenn sie eine von uns angreifen, greifen sie uns alle an”.

Und da waren sie um 9 Uhr mor­gens, mit dem Mega­fon in der Hand, uner­müdlich, um trotz der Schmerzen in ihren Kör­pern ihren Kampf gegen die Ent­las­sun­gen und gegen die durch die Arbeit­sre­for­men legit­imierten Aus­lagerun­gen fortzuset­zen. Refor­men, die offen­bar auch von der neuen “fortschrit­tlichen” Regierung nicht infrage gestellt wer­den, die nur beab­sichtigt, sie zu begren­zen und nicht das Out­sourc­ing zu beseit­i­gen.

Dieser Artikel erschien zuerst am 11. Jan­u­ar 2020 bei IzquierdaDiario.es.

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