Welt

SpaceX: Eine neue Chance zur Einheit der Menschheit?

Am 30. Mai startete die Trägerrakete Falcon 9 des US-amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX mit zwei NASA-Astronauten an Bord der Endeavour zur Internationalen Raumstation (ISS). Es ist der Beginn einer neuen Epoche der Raumfahrt.

SpaceX: Eine neue Chance zur Einheit der Menschheit?
Illustration of the SpaceX Crew Dragon and Falcon 9 rocket during the company’s uncrewed In-Flight Abort Test for NASA’s Commercial Crew Program. This demonstration test of Crew Dragon’s launch escape capabilities is designed to provide valuable data toward NASA certifying SpaceX’s crew transportation system for carrying astronauts to and from the International Space Station.

Zum ersten Mal transportierte ein privates Raumfahrunternehmen – SpaceX – Astronaut*innen in den Orbit. Es war ein Ereignis, das richtungsweisend sein wird für die zukünftige Erforschung und Nutzbarmachung des Weltraums zur Kapitalakkumulation.

Die zwei Astronauten der NASA, Robert Behnken und Douglas Hurley erreichen am Sonntag nach 20 Stunden Flugzeit an Bord der Crew Dragon Kapsel, die sie Endeavour tauften, die Internationale Raumstation (ISS). Das Raumschiff wurde von der Trägerrakete Falcon 9 in den Orbit der Erde gebracht. Sowohl die Crew Dragon, als auch die Falcon 9 wurden von SpaceX in Zusammenarbeit mit der NASA entwickelt.

Elon Musk gründete SpaceX 2002 mit dem offiziellen Ziel den Mars zu kolonisieren. Musk ist ein Milliardär, der durch seine Beteiligung an der Gründung von PayPal reich und bekannt wurde, sowie durch seine Beteiligung am Elektroautohersteller Tesla Motors.

Der Erfolg von SpaceX liegt darin, dass die Raketen des Unternehmens, Falcon 9 und Falcon Heavy, zu großen Teilen wiederverwendbar sind und nach dem Transport ihrer Nutzlast wieder zur Erde zurückkehren und landen können. Dadurch werden die für jeden Start notwendigen Kosten massiv gesenkt.

Dieser technologische Fortschritt erlaubt nicht nur die im Vergleich zu allen anderen Unternehmen und staatlichen Raumfahrtorganisationen günstige Auslieferung von Satelliten und Versorgung der ISS und seit einigen Tagen auch den günstigen Transport von Astronaut*innen. Die Wiederverwendbarkeit ist auch eine wichtige Voraussetzung für Projekte wie Starlink, ein engmaschiges Netzwerk von zehntausenden Satelliten rund um die Erde, die weltweiten Zugang zum Internet mit einer extrem geringen Verzögerung erlauben werden.

Der erfolgreiche Start der Endeavour festigt die führende Rolle von SpaceX in der Raumfahrtindustrie und erlaubt dem Unternehmen den Bau einer neuen Generation von Raumschiffen, die vollständig wiederverwendbar sein werden und Menschen zum Mond und sogar bis zum Mars bringen können.

Der technologische Fortschritt und die darauf aufbauenden Möglichkeiten sind bedeutend. Sie lassen träumen von den Möglichkeiten einer Welt, in der Menschen gemeinsam ohne Konflikte ihre größten Herausforderungen angehen werden. Es bleibt allerdings ein Traum. Denn der Fortschritt ist nicht „For all Mankind“ („Für die ganze Menschheit“), es ist kein Fortschritt, der allen Menschen bewusst machen würde, dass wir auf einem Planeten leben und an einem Strang ziehen müssten, wie während des Starts immer wieder behauptet wurde.

Im Gegenteil ist der Start, der unter dem Motto #LaunchAmerica vermarktet wurde, eine Ansage der Vereinigten Staaten an die Welt, wieder die Führung im Weltraum zu übernehmen und eine Möglichkeit für Trump, international Führungsstärke zeigen zu können. Denn die Vereinigten Staaten schickten seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms 2011 keine eigenen Astronaut*innen mehr ins All. Die NASA war dafür abhängig von Russland, das mit den Sojus Raumschiffen den Transport übernahm.

Der Start wird nun genutzt, um die nationale Einheit zu stärken, in einer Zeit, in der die Institutionen der USA durch die Black Lives Matter Proteste besonders in Frage gestellt werden und in einer Zeit, in der Trump öffentlich behauptet, das Coronavirus käme aus einem Labor aus der chinesischen Stadt Wuhan, während in den USA bereits über 100.000 Menschen durch mangelhafte Maßnahmen der US-amerikanischen Regierung am Virus gestorben sind.

So sagte Trump zu Beginn seiner Rede im Kennedy Space Center nach dem Start der Falcon 9, der Tod von George Floyd sei eine „schwere Tragödie“, die „niemals hätte passieren dürfen“ und es gehe nun um „Heilung statt Hass“, womit er den strukturellen Rassismus des US-Imperialismus verschleierte und gleichzeitig die berechtigte und notwendige Wut gegen die Institutionen als Hindernis darstellte.

Für Elon Musk geht es um eine Festigung des Erfolgs seiner Unternehmen. Er kann nun in Zukunft z.B. auch Tourismusflüge in den Weltraum anbieten – exklusiv für Milliardär*innen, nicht etwa für die Massen. Auch Tesla dürfte vom Start profitieren, denn Zufall war es wohl eher nicht, dass die beiden Astronaut*innen in Elektroautos des Herstellers zu Startrampe gefahren wurden.

Überhaupt ist Elon Musk, auch wenn er interessante Technologien voran treibt, weit davon entfernt, der Erlöser der Menschheit zu sein. Dass für ihn Profite wichtiger sind als die Leben von Menschen, beweist er nicht nur regelmäßig auf Twitter, wo er die Lockdown-Beschränkungen als faschistisch bezeichnete, sondern auch in der Realität:

Er drohte, mit Tesla nicht mehr in Kalifornien zu produzieren, falls der Bundesstaat nicht erlauben würde, trotz des Coronavirus die Produktion wieder aufzunehmen. Schließlich tweetete er am 11. Mai, Tesla würde trotz des Verbots wieder die Produktion aufnehmen und im Zweifel solle er selbst verhaftet werden. Mit dem Ergebnis, dass der Landkreis die Produktion wieder gestattete.

Zehntausende sterben an der Pandemie, die Musk als „dumb“ bezeichnet, oder werden rassistischer Polizeigewalt ausgesetzt, wenn sie angeblich gegen „Social Distancing“ Maßnahmen verstoßen.
Es sind die Arbeiter*innen von Tesla, die krank werden können, ihre Verwandten anstecken und deren medizinische Versorgung nicht einmal ansatzweise mit den Möglichkeiten des Milliardärs Elon Musk vergleichbar ist – der sich und seine Familie gut schützt und seinen Reichtum weiterhin vermehrt, während er das Leben der Menschen gefährdet.

Lies mehr dazu hier (englisch): Elon Musk’s Deadly Obsession with Profit

SpaceX ist ein besonderes Beispiel eines Unternehmens mit großen Möglichkeiten zur Gestaltung der Zukunft der Menschheit, das aber in den Händen weniger liegt und vom US-Imperialismus finanziert wird, der bekannt dafür ist, Raketentechnologie nicht nur für friedliche Zwecke einzusetzen.

Wissenschaft existiert immer nur im Kontext derjenigen, die ihre Erkenntnisse anwenden und voran treiben. Im Fall von SpaceX in den Händen eines Kapitalisten, der offensichtlich bereit ist, Menschenleben aufs Spiel zu setzen für den Profit seiner Konzerne.

Die Menschheit muss sich die Erforschung des Weltraums zur Aufgabe machen. Aber die Wissenschaft und die Technologien müssen dafür auch in den Dienst der gesamten Menschheit gestellt werden und nicht in den Konkurrenzkampf zwischen einzelnen Nationen oder Unternehmen auf Kosten der Arbeiter*innen und Unterdrückten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.