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Solidarität mit den Streiks bei den Öffentlich-Rechtlichen!

Am 13.12.2022 streikte die Belegschaft des ZDF, einige Sendungen fielen aus. Völlig zu Recht. Die Streiks verdienen Unterstützung!

Solidarität mit den Streiks bei den Öffentlich-Rechtlichen!
Shutterstock.com/ Andreas Prott

Am Dienstag, den 13.12.2022 streikte die Belegschaft des ZDF. Durch den Deutschen Journalisten Verband (DJV) und ver.di aufgerufen, gingen die Beschäftigten von 3 Uhr morgens bis 10:30 Uhr in einen Warnstreik und veröffentlichten auch eine Erklärung auf zdf.de.

Der Warnstreik führte zum Ausfall einiger Sendungen, unter anderem dem beliebten Morgenmagazin moma. Auch eines der Gesichter der Sendung, die Moderatorin Dunja Hayali, äußerte sich auf Twitter zu dem Streik.

Mit dem Aufruf zum Warnstreik reagierten die Gewerkschaften auf stagnierende Tarifverhandlungen mit dem Sender.

In den Antworten auf die Tweets findet sich viel Solidarität, aber auch viel Gift und Missgunst. Im öffentlich-rechtlichen verdiene man ja ohnehin schon genug, und für die Rundfunkgebühren dürfe man ja wohl erwarten, dass Sendungen wie erwartet ausgestrahlt würden.
Dabei ist der Kampf der Beschäftigten mehr als gerechtfertigt und sollte unterstützt werden!

Der berechtigte Kampf gegen schlechte Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen bei den Sendern sind schwierig, ganz besonders natürlich für Auszubildende und Praktikant:innen, aber ebenso für die abertausenden sogenannten “Freien Mitarbeiter:innen”, die teilweise jahrelang für dieselben Redaktionen arbeiten, aber dennoch nicht fest angestellt werden. Viele Freie Mitarbeiter:innen bekommen kein Kranken- oder Urlaubsgeld, werden schlechter bezahlt als Festangestellte, haben keinen Anspruch auf Betriebsrenten und andere Zulagen, sind von der Betrieblichen Mitbestimmung ausgeschlossen und wissen teilweise nicht, ob sie morgen noch Arbeit haben. Mit dieser Art von Arbeitsverhältnis kann ganz schön viel Geld gespart werden. Wobei Geld an anderen Stellen sicherlich im Überfluss vorhanden ist – man schaue nur auf die teils enormen Gehälter der Intendant:innen oder die Unsummen, die für Sportübertragungen wie zur Fußball WM der Männer ausgegeben werden. Und doch drängen Chefetagen immer wieder auf Sparkurse, die logischerweise nicht bei Ihnen selbst anfangen, sondern beispielsweise bei Personal in der Technik. Plötzlich müssen nun zwei Kolleg:innen die Arbeit leisten, die vorher fünf gemacht haben, was wiederum auf Kosten der Qualität der Arbeit geht. Hohe Gagen bekommt jenseits von Till Schweiger und Matthias Schweighöfer kaum jemand im deutschen Film und Fernsehen.

In einer Aufschlüsselung zeigt Chip.de, dass eine Hauptrolle im Tatort zwar gut vergütet wird, für Kompars:innen sieht es dagegen schlecht aus – von 200€ pro Drehtag ist die Rede, für lange Tage harter Arbeit. Das Budget ist pro Folge gut 1,5 Millionen Euro. Davon können viele andere Formate nur träumen, dementsprechend niedriger fallen auch die Gagen für Darsteller:innen und Kompars:innen aus.

Schon 2015 berichtete die Stuttgarter Zeitung im Rahmen der damaligen Kämpfe für bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen von der Arbeit in diesem Sektor. Seitdem hat sich die Lage eher verschlechtert als verbessert, stagnierenden Verhandlungen und Inflation sei Dank. Die letzten Korruptionsaffären im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk haben gezeigt, dass der gut bezahlte und teilweise sehr eng mit der Politik verwachsene Wasserkopf der Chefetagen immer größer und maßloser wird, während bei den Beschäftigten immer weiter gespart wird. Die Tarifverhandlungen bei NDR, WDR und HR endeten mit einer Lohnerhöhung von gerade einmal 2,8%. Zwar zahlten die Sender auch 3.000€ Einmalzahlungen, aber viele Freie Mitarbeiter:innen oder Personen, die sich gerade in Elternzeit befinden, sind von dieser Einmalzahlung ausgeschlossen.

Mehr Geld für die Beschäftigten – weniger für die Bosse

Mit einer Beobachtung haben die Twitter-Hater natürlich recht: Auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geht es um viel Geld. Erst im Sommer 2022 sorgte der Skandal um die rbb-Intendantin Patricia Schlesinger für Schlagzeilen. Beliebte Formate wie der Tatort erhalten Budgets, bei denen jedem Team einer kleineren Produktion schwindelig wird.

Das bedeutet aber lange nicht, dass dieses Geld gerecht oder fair unter den Beteiligten verteilt wird. Im Gegenteil: Wie bereits erklärt, die Arbeitsbedingungen vom Großteil der Kolleg:innen sind schlecht, die Gagen und Gehälter niedrig.

Die Antwort auf Skandale und Veruntreuungen kann also nicht sein, den Beschäftigten ihre Arbeitskämpfe vorzuwerfen, sondern sie bei ihren Kämpfen zu unterstützen. Dass von niedrigeren Gehältern Korruption und Veruntreuung in den Chefetagen weniger wird, glaubt hoffentlich niemand ernsthaft.

Gemeinsam kämpfen!

Von Klimakrise über Inflation und Krieg zu patriarchaler Gewalt, rosig ist die Lage gerade nicht. Nicht mal in Deutschland. Und völlig zu Recht wird es an verschiedensten Ecken unruhig: Hörsäle werden besetzt, Straßen blockiert, es gibt Demos in Solidarität mit den Protesten im Iran, Streiks, wie beim Nudelhersteller Teigwaren Riesa. Und jetzt eben auch beim ZDF. Ja, nur ein kleiner Warnstreik, aber immerhin.

Statt auf spaltende Narrative herein zu fallen, sollten wir uns mit diesem Streiks solidarisieren und die Beschäftigten dabei unterstützen, die Bedingungen in diesem Sektor zu verbessern.

Für ein besseres Fernsehen

Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk ist wichtig. Gerade in Zeiten, wo private Medienunternehmen nicht nur immer mächtiger werden, Fake-News auch von Politiker:innen massiv eingesetzt werden und Zensur auf den privatwirtschaftlichen Social-Media Kanälen immer stärker wird. Aber auch die jüngsten Skandale bei RBB und NDR haben gezeigt, dass gerade die Intendanz sehr eng mit der Politik verbunden ist und Berichterstattung im eigenen Sender unterdrückt, wenn sie ihren Interessen nicht dient. Für eine freie Berichterstattung im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk muss dieser durch die Beschäftigten kontrolliert werden und nicht durch eine politisch eingesetzte Intendanz. Statt einem Rundfunk-Kontrollrat, in dem die herrschenden Parteien zusammen mit Kirchen und Gewerkschaftsbürokratie das Programm kontrollieren, braucht es eine Mitbestimmung des gesamten Publikums über das Programm des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks.

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