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Olympia in Peking: Die Doppelmoral des Westens

Der Westen putscht seinen neuen ideologischen Feind auf. Jetzt, wo die Olympischen Winterspiele in China stattfinden, geben sich einzelne Politiker:innen besorgt um Uiguren und Hongkong. Doch wie weit geht diese Sorge? Die Sommerspiele 2008 und Fußball Weltmeisterschaft in Katar geben Antwort.

Olympia in Peking: Die Doppelmoral des Westens
Foto: Shutterstock

Allen ist klar, dass es großen Teilen der chinesischen Bevölkerung schlecht geht. Der Diskurs um die Umerziehungslager für Uiguren und die Straßenschlachten in Hongkong sind frisch im Gedächtnis. Außenministerin Annalena Baerbock und Innenministerin Nancy Fraeser werden nun nicht zu den Olympischen Winterspielen reisen. Andere Regierungen wie die der USA, erklären einen offiziellen diplomatischen Boykott. Athlet:innen werden natürlich trotzdem gesandt. Wie hätte die IOC auch damit rechnen können, dass Menschenrechtsverletzungen in China stattfinden, als sie sich für Peking als Austragungsort entschied? Oder das um Peking kaum Schnee fällt? Das Klima ist kalt und trocken. Diese “grünen” Olympischen Spiele müssen also auf energieaufwendig erzeugten Kunstschnee stattfinden. Die Athlet:innen haben hart für diese Spiele trainiert. Das sie oft aus finanziellen Gründen gezwungen sind zu fahren, wird selten erwähnt.

Eine bürgerliche Regierung interessiert sich nicht für Menschenrechte und hat das auch nie. Solche Großereignisse erzählen diese Geschichte wieder und wieder. Von den Olympischen Spielen 1936 in Berlin muss man gar nicht erst anfangen und man muss auch gar nicht so weit in die Vergangenheit zurückschauen, oder an einen anderen Ort der Welt. 2008 gab es Aufstände in Tibet, die blutig niedergeschlagen wurden. Doch dem folgte kein breiter diplomatischer Boykott der Sommerspiele, die im selben Jahr in Peking stattfanden.

Heute entscheidet man sich auf einmal, einen Genozid in China zu sehen und den Sport doch nicht getrennt von der Politik zu halten. Die Nato, allen voran die USA, positionieren sich stärker als Gegner Chinas – ein außenpolitisches Kalkül mit geopolitische Hintergrund.

Noch einmal deutlicher wird dies, wenn man sich den Umgang mit Katar anschaut. Während Baerbock nicht nach China fährt, lobt sie die Verbesserungen, die man in Katar aufgrund des internationalen Drucks angeblich sieht. Die mindestens 15.000 Arbeiter:innen, die dort bei den Bauarbeiten für die Weltmeisterschaft gestorben sind, kommen durch die angeblichen Verbesserung sicher nicht zurück. Insgesamt wird bei Arbeiter:innen, auf deren Kosten die Olympischen Spiele wie immer stattfinden, gerne weggeschaut. Genauso wenig wie damals auf Tibet wird bei diesen Winterspielen auf die chinesischen Arbeiter:innen geschaut, die von chinesischem wie westlichem Kapital ausgebeutet werden.

Nein, ein richtige Politisierung des Sportes kann nicht durch bürgerliche Regierungen stattfinden, die diese nur zur Rechtfertigung ihrer Außenpolitik nutzen. Sondern nur durch die Athlet:innen selber, die stets konsequenter auf Probleme hinweisen als Politiker:innen. Das IOC muss ihnen das Recht gewähren, sich öffentlich zur politischen Problemen zu äußern! Die Unterdrückten und Ausgebeuteten haben mehr gemeinsam, als mit ihren Unterdrückern –  ob die im Inland oder Ausland. Olympische Winterspiele sind scheiße – Doppelmoral des Westens auch

2 thoughts on “Olympia in Peking: Die Doppelmoral des Westens

  1. Sai sagt:

    Heute „entscheide“ man sich einen Genozid in China zu sehen. Ich weiß ja nicht woher ihr eure Informationen bezieht, aber das mit den Uiguren ist schon seit 2014 in unterschiedliche mediale Mittelpunkte gerückt. Dass dies im Zusammenhang des Austragungsortes nochmals erwähnt wird, ist eigentlich nur konsequent, wenn nicht sogar vollkommen logisch. Natürlich war es auch schon 2008 schlimm, aber euer verdrehter Whataboutism nervt langsam. Man darf so gut wie gar nichts mehr ankreiden, denn alles ist ein „politisches Kalkül“ (interessant wie inflationär mit Begriffen umhergeworden wird). Katar wird vermutlich auch von einem Großteil der Zuschauer boykottiert, also was soll das Argument? Dass die IOC ihre Athleten nicht zu Wort kommen lassen möchte, hat man zuletzt deutlich gesehen. Sicher nur Zufall, dass der Präsident der IOC Verbindungen hat zu dem CCP Funktionär, der Peng vergewaltigt hat.

    1. Octávio Haubert sagt:

      Der mediale Mittelpunkt auf dem Genozid, der gerade an den Uiguren verübt wird, und der außenpolitische Umgang damit, sind ja zwei unterschiedliche Dinge und der Artikel beschäftigt sich mit Letzterem. Der Punkt ist ja, dass die Reaktion 2008 und bei Katar anders ist als bei diesen olympischen Winterspielen und dass das nur Sinn ergibt, wenn man sich die geopolitischen Interessen der NATO-Staaten anschaut.
      Deswegen ist das auch kein Whataboutism. Ein Whataboutism ist eine Diskussionstaktik, bei der man versucht eine Diskussion oder den Diskurs von einer eigenen Verfehlung auf die Verfehlung von jemand anderem zu lenken und stattdessen darüber zu diskutieren.
      Wenn wir sagen „Aber was ist mit Katar?“ geht es, eben nicht darum sich im tagesaktuellen Geschwätz zu verlieren, sondern auf eine Kontinuität in der bürgerlichen Außenpolitik hinzuweisen, eine strukturelle Kritik zu machen, anstatt jemandem einen leeren Vorwurf an den Kopf zu werfen, um aus einer unangenhemen Situation rauszukommen.
      Zum IOC: Ja möchte er nicht. Aber es ist recht normal politisch Forderungen zu stellen, die die entsprechende Instiution nicht umsetzen möchte, sonst hätte sie es ja schon selbst getan.
      Ich frage mich abschließend zwei Sachen:
      Wenn Politiker:innen nicht nach politischem Kalkül agieren, nach was agieren sie dann?
      Und warum glaubst du der Großteil der Zuschauer würde die WM bocottieren? Werden Sportbars geschlossen haben und Biergärten auf lukrative Public Viewings verzichten?

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