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Oaxaca: Sohn eines sozialistischen Aktivisten brutal gefoltert

Der Sohn des mexikanischen sozialistischen Aktivisten Dr. Arturo Villalobos wurde von einer Gruppe von Schlägern brutal gefoltert, die in sein Haus in Oaxaca eingedrungen waren. In Solidarität mit den Opfern dieser abscheulichen Attacke spiegeln wir hier die Presseerklärung der Internationalistischen Gruppe, Schwesterorganisation der Grupo Internacionalista in Mexiko, der Dr. Arturo Villalobos angehört.

Oaxaca: Sohn eines sozialistischen Aktivisten brutal gefoltert

Gegen Mit­tag am Mon­tag, den 7. Mai, drangen Schläger in das Haus des Genossen Dr. Arturo Vil­lalo­bos Ordóñez und sein­er Frau Patri­cia Mén­dez Jiménez in Oax­a­ca, Mexiko, ein. Die bei­den sind promi­nente oppo­si­tionelle Aktivis­ten in der Bewe­gung der Arbeit­er im Gesund­heitswe­sen gegen staatliche „Refor­men“, die Mexi­kos öffentlich­es Gesund­heitssys­tem aushöhlen. Als die Ein­drin­glinge unseren Genossen dort nicht vor­fan­den, folterten und schlu­gen sie den her­anwach­senden Sohn des Paares, Nizván, bru­tal und durch­wühlten das Haus. Als die Schläger weg­gin­gen, fügten sie dem Teenag­er Schnittver­let­zun­gen zu und schlu­gen ihm auf den Kopf, was ihn bewusst­los wer­den ließ. Als seine Mut­ter nach Hause kam, fand sie ihren Sohn halb bei Bewusst­sein vor. Nizván befind­et sich derzeit zur Gene­sung im Kranken­haus und wird Tests bezüglich sein­er Ver­let­zun­gen an Kopf (zusät­zlich zu dem Schlag, war sein Kopf unter Wass­er gedrückt wor­den) und Nack­en (verur­sacht dadurch, dass er an einem Seil herumgeschleift wurde) unter­zo­gen.

Arturo Vil­lalo­bos ist ein in Oax­a­ca gut bekan­nter Sprech­er für die Grupo Inter­na­cional­ista, mexikanis­che Sek­tion der Liga für die Vierte Inter­na­tionale, und ein Mit­glied des Exeku­tivkomi­tees der GI. Außer­dem fragten die Angreifer nach dem Aufen­thalt­sort von zwei weit­eren Fam­i­lien­mit­gliedern, die eben­falls Mit­glieder der GI sind. Der Über­fall war ein­deutig ein poli­tis­ch­er Akt von Repres­sion gerichtet gegen die GI. Zuvor, im Feb­ru­ar, hat­ten Fam­i­lien­mit­glieder Dro­han­rufe erhal­ten, und im März gab es einen Ein­bruch in ihr Haus. Dies geschah in der Folge der Ver­haf­tung von Paty und eines Haft­be­fehls gegen Arturo auf­grund erfun­den­er Ankla­gen im Juli 2017 und der Andro­hung jus­tizieller Maß­nah­men im Jahr davor.

Es wird eine formelle Anklage gegen dieses Ver­brechen erhoben, und eine Unter­suchung durch Men­schen­rechts­grup­pen ist im Gange. Eine Pressekon­ferenz, die den bru­tal­en Angriff verurteilte, fand heute Mor­gen im Haup­tquarti­er der mil­i­tan­ten Lehrergew­erkschaft von Oax­a­ca, Sek­tion XXII des CNTE (Nationales Koor­dinierungskomi­tee der Erziehungsar­beit­er) statt, mit der die kri­tis­chen Arbeit­er im Gesund­heitswe­sen und die Grupo Inter­na­cional­ista eng zusam­mengear­beit­et haben in Kämpfen über die let­zten zwei Jahre hin­weg. Am kom­menden Don­ner­stag, den 9. Mai, haben die Sek­tion XXII und die Arbeit­er im Gesund­heitswe­sen eine Mobil­isierung in der Stadt Oax­a­ca aus­gerufen, um den bru­tal­en Angriff anzuprangern.

Wir rufen Genossen und Fre­unde auf, drin­gend eine Kam­pagne der Arbeit­er­sol­i­dar­ität mit Dr. Arturo Vil­lalo­bos und sein­er Fam­i­lie zu starten und diesen abscheulichen Akt der poli­tis­chen Repres­sion zu verurteilen. Erk­lärun­gen von Gew­erkschaften wären beson­ders willkom­men.

Wir wis­sen zu diesem Zeit­punkt nicht, wer diesen abscheulichen Angriff began­gen hat. Vor kurzem war unser Genosse Arturo ein wesentlich­er Anführer ein­er zwei­monati­gen Arbeit­snieder­legung, welche die kor­po­ratis­tis­che SNTSA (Nationale Gew­erkschaft der Arbeit­er des Gesund­heitsmin­is­teri­ums) zu stop­pen ver­suchte, eine Pseu­do-Gew­erkschaft, die für die Regierung als Polizei in der Arbeit­erk­lasse agiert. Aber wie die beige­fügte Presseerk­lärung der Grupo Inter­na­cional­ista anmerkt, wer auch immer den Angriff aus­ge­führt hat, alles deutet auf eine Schlussfol­gerung hin: fue el esta­do (es war der Staat), wie Demon­stran­ten 2014 über das Ver­schwinden von 43 Lehramtsstu­den­ten aus Ayotz­i­na­pa skandierten.

Hin­ter­grund: Zusät­zlich zu den Infor­ma­tio­nen in der Pressemit­teilung der GI sollte ange­merkt wer­den, dass die Genossen Ziel staatlich­er Repres­sion gewe­sen sind seit dem Auf­s­tand von Oax­a­ca von 2006, als Arturo viele von der Polizei ange­grif­f­ene Demon­stran­ten behan­delte. Zehn Jahre später, im Jahr 2016, organ­isierte und leit­ete Dr. Vil­lalo­bos die mutige Aktion von Oax­a­ca-Ärzten, die ein­er Polizeiblock­ade trotzten, um den über­leben­den Opfern des Polizei-Mas­sak­ers am 19. Juni 2016 in Nok­ixtlán, Oax­a­ca, medi­zinis­che Hil­fe zu leis­ten. Das Mas­sak­er, das während des kämpferischen drei­monati­gen Lehrerstreiks stat­tfand, hin­ter­ließ 11 Tote. Nicht lange danach began­nen die Dro­hun­gen der Staat­san­waltschaft auf jus­tizielle Maß­nah­men.

Bedeu­tend ist auch, dass die Grupo Inter­na­cional­ista in Oax­a­ca kür­zlich von Anhängern der More­na (Bewe­gung der Nationalen Regen­er­a­tion), der bürg­er­lich-pop­ulis­tis­chen Partei von Andrés Manuel López Obrador, ange­grif­f­en wurde. Während der Erste-Mai-Demon­stra­tion am ver­gan­genen Dien­stag grif­f­en More­na-Aktivis­ten das Ban­ner der GI an, das zum Wider­stand gegen alle kap­i­tal­is­tis­chen Parteien aufrief, ein­schließlich der regieren­den PRI, PAN, PRD und More­na. Es gibt ver­schiedene Berichte über die Zusam­me­nar­beit der PRI-Staat­sregierung von Ale­jan­dro Murat und More­na im Vor­feld der Wahlen im Juli.

Eine Vor­lage für Sol­i­dar­ität­sres­o­lu­tio­nen fol­gt hier unten. Sol­i­dar­itäts­botschaften und Pressean­fra­gen kön­nen an die Grupo Internacionalista/México, als auch an die Inter­na­tion­al­is­tis­che Gruppe/Deutschland gesendet wer­den:
grupointernacionalista@yahoo.com.mx
ig-lvi@posteo.de

VORLAGE: Resolution in Solidarität mit Arturo Villalobos und seiner Familie

Am 7. Mai 2018 drangen Schläger in das Haus von Dr. Arturo Vil­lalo­bos und Patri­cia Mén­dez in Oax­a­ca, Mexiko, ein, wo sie den her­anwach­senden Sohn des Paares, Nizván, folterten und schlu­gen und bewusst­los zurück­ließen. Dr. Vil­lalo­bos ist ein promi­nen­ter Oppo­si­tions­führer im Gesund­heitswe­sen und leit­ete vor kurzem eine zwei­monatige Arbeit­snieder­legung von medi­zinis­chem Per­son­al in Oax­a­ca gegen die Privatisierungs„reform“ des öffentlichen Gesund­heitssys­tems der mexikanis­chen Regierung.

Dr. Vil­lalo­bos wurde immer wieder Gegen­stand von Repres­sions­dro­hun­gen und Haft­be­fehlen, seit er die Aktion von Ärzten und anderen Mitar­beit­ern des Gesund­heitswe­sens leit­ete, die sich ein­er Regierungs­block­ade wider­set­zten, um während eines hart umkämpften Lehrerstreiks über 100 über­leben­den Opfern des Polizei-Mas­sak­ers vom 19. Juni 2016 in Nochixtlán (Oax­a­ca) medi­zinis­che Hil­fe zu leis­ten. Vom „Ver­schwinden­lassen“ der 43 Lehreramts-Stu­den­ten in Ayotz­i­na­pa 2014, über das Mas­sak­er von Ein­wohn­ern von Nochixtlán bis zu diesem jüng­sten Angriff auf einen Teenag­er, ist über­all der Schat­ten der mexikanis­chen Regierung zu sehen ist. Arturo Vil­lalo­bos ist ein bekan­nter Sprech­er der Grupo Inter­na­cional­ista in Oax­a­ca, die wegen ihrer Oppo­si­tion gegen alle Parteien der Bosse Gegen­stand kör­per­lich­er Aggres­sio­nen gewe­sen ist, ins­beson­dere im aktuellen Wahlkampf.

Gemein­sam mit Aktivis­ten aus Gew­erkschaften, linken Organ­i­sa­tio­nen und sozialen Bewe­gun­gen sowie Vertei­di­gern demokratis­ch­er Rechte, beschließen wir hier­mit, das bru­tale Ver­brechen gegen den 16-jähri­gen Nizván Vil­lalo­bos Mén­dez anzuprangern, und erk­lären Dr. Arturo Vil­lalo­bos und Patri­cia Mén­dez unsere Sol­i­dar­ität. Ein Angriff auf einen, ist ein Angriff auf alle!

Diese Erk­lärung erschien auch auf Englisch auf unser­er Schwest­er­seite Left Voice.

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