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Meine Arbeit macht mich krank

Arbeit im Kapitalismus macht krank, besonders wenn sie unter prekären Bedingungen stattfindet. In einem Erfahrungsbericht erzählt unsere Autorin darüber, wie sie das an ihrem eigenen Leib erfährt: Sie muss sich vor Stress übergeben, hat Kopfschmerzen, kann nicht mehr ausschalten. Eine Situation, wie sie Unzählige täglich erleben müssen.

Meine Arbeit macht mich krank

“Meine Arbeit macht mich krank” — ich kon­nte gar nicht aufhören, das zu denken, als ich let­ztens in meinem Bett lag, neben mir ein Eimer, in den ich mich ger­ade übergeben hat­te. Nicht weil ich einen Virus hat­te, oder zu viel getrunk­en. Son­dern weil ich vor Stress bei der Arbeit mein Aben­dessen nicht bei mir behal­ten kon­nte. An Schlafen war eh seit Tagen nicht mehr so richtig zu denken.

Arbeit im Kap­i­tal­is­mus macht krank – eigentlich wusste ich das immer. Der Arbeit­sprozess unter­wirft den Kör­p­er und schert sich nicht darum, wie es den Men­schen geht, wenn am Ende Prof­it für die Kapitalist*innen her­aus kommt. Arbeit führt zu Rück­en­schmerzen, Hüft­prob­le­men und Abnutzung des Kör­pers. Die kap­i­tal­is­tis­che Arbeit­sor­gan­i­sa­tion fügt unseren Kör­pern Gewalt zu. Und auch die Arbeit, die keine kör­per­lichen Belas­tun­gen mit sich bringt, macht krank. Sie führt zu Burnout, Depres­sio­nen und psy­cho­so­ma­tis­chen Beschw­er­den. Und so habe ich ständig Bauch­schmerzen und Migräne, weil der Stress so hoch ist – es ist noch ein­mal etwas anderes, das am eige­nen Kör­p­er zu spüren.

Woher kommt der Stress? Er ist da, weil ich als wis­senschaftliche Mitar­bei­t­erin natür­lich nur einen befris­teten Ver­trag habe. Weil ich für die Pro­jek­te, für die ich ver­ant­wortlich bin, ein­fach nicht krank wer­den darf, denn es gibt nie­man­den, der oder die mich vertreten kön­nte – Krankheit ist im Ablauf ein­fach nicht vorge­se­hen, weil es die öffentliche Hand zu viel kosten würde.

Eben­so wenig vorge­se­hen ist es, Fehler zu machen oder etwas nicht zu wis­sen. Dabei soll ich mich natür­lich zu 100 Prozent mit dem Pro­jekt iden­ti­fizieren und mir diesen Stress machen wollen – weil ich es so verin­ner­licht haben muss, alles per­fekt zu machen. Was Per­fek­tion ist und was die richtige Entschei­dung, die ich eigen­ver­ant­wortliche zu tre­f­fen habe, das bes­timme natür­lich nicht ich, son­dern andere – aber ich muss gut genug ihre Gedanken lesen kön­nen, um diesen nicht aus­ge­sproch­enen Erwartun­gen zu entsprechen. Und natür­lich auch mit Über­stun­den sich­er­stellen, dass das alles richtig läuft.

Und ich bin nicht alleine mit diesem Prob­lem. Eine Studie der GEW hat let­ztens her­aus­ge­fun­den, dass die zen­tralen Gesund­heit­sprob­leme für den akademis­chen Mit­tel­bau die befris­teten Arbeitsver­hält­nisse und die Anforderun­gen der Arbeit sind, die mit Mehrabeit kom­pen­siert wer­den. Und wenn ich mir meine Kolleg*innen so anschaue, dann passt das ganz gut.

Teil des Prob­lems ist natür­lich, dass ich sel­ber solche Ansprüche an mich stelle. Aber das kommt ja nicht von unge­fähr, son­dern ist das Ergeb­nis ein­er neolib­eralen Ide­olo­gie der Leis­tung und Selb­stver­ant­wor­tung, der ich gnaden­los aus­ge­set­zt war und die es schafft, dass die Zwänge des Kap­i­tal­is­mus sich in mir verin­ner­licht haben. Es ist ein Lern­prozess, sich von diesen Erwartun­gen und Zwän­gen zu dis­tanzieren. Und der Druck, sich diese Anforderun­gen zu eigen zu machen, ist ja ständig da. Indi­vidu­ell kann ihm nie­mand so richtig entkom­men.

Deshalb ist es umso wichtiger, sich darüber auszu­tauschen, sich zu organ­isieren, sich die Zwänge und den Druck gemein­sam bewusst zu machen, darüber zu reden und sich dage­gen zu organ­isieren. Erfahrun­gen, wie sie die stu­den­tis­chen Kolleg*innen, die in Berlin für einen neuen Tar­ifver­trag streiken, ger­ade machen, sind dabei zen­tral. Gegen die Prekarisierung mit ihrem Effekt auf unsere Kör­p­er kön­nen wir gemein­sam etwas ent­ge­genset­zen. Dann ist der Kör­p­er nichts mehr, das täglich gezwun­gen wer­den muss, zu funk­tion­ieren, son­dern wird zu einem Mit­tel in unserem Kampf.

4 thoughts on “Meine Arbeit macht mich krank

  1. Siegfried Marquardt sagt:

    Macht uns Kap­i­tal­is­mus krank? Natür­lich nehmen psy­chis­che Erkrankun­gen zu!

    Selb­stver­ständlich nehmen psy­chis­che Erkrankun­gen im Tur­bo-Kap­i­tal­is­mus zu! Diese Aus­sage basiert auf solide und fundierte Lit­er­atur­recherchen und eigene Forschungsergeb­nisse! Nahezu übere­in­stim­mend find­et man hierzu Forschungsergeb­nisse diverse Quellen und Insti­tu­tion (diverse Krankenkassen!!!, Sta­tis­tik­por­tal, Deutsches Ärzteblatt, Gesellschaft für Psy­chi­a­trie, Psy­chother­a­pie, Psy­cho­so­matik und Ner­venkrankheit­en (DGPPN), das Robert Koch Insti­tut,……) im Inter­net. Beispiel­sweise kon­nte eine Quelle aus­find­ig gemacht wer­den, wo von 1972 bis 2012 die psy­chis­chen Erkrankun­gen mit ein­er Kurve/Funktion eine Darstel­lung erfuhr, dergestalt, dass von 0,6 Prozent im Jahre 1972 bis 17 Prozent im Jahre 2012 die psy­chis­chen Erkrankun­gen inner­halb von 40 Jahren zunah­men. Eine weit­ere Funk­tion ein­er anderen Quelle reflek­tiert das Geschehen psy­chis­ch­er Störun­gen von 2003 bis 2015, dergestalt, dass von 2003 bis 2009 ein gravieren­der Anstieg der Krankheit­stage von 3 Tage auf ca. 11 zu verze­ich­nen war und dann bis 2015 wieder auf ca. 5 Krankheit­stage (von 100 Arbeit­snehmern) abfiel. Das Sta­tis­tik-Por­tal (Sta­tista) gibt einen Anstieg psy­chis­ch­er Erkrankun­gen von 1997 bis 2017 auf ca. 270 Prozent an (auf das 1,7‑fache angestiegen). Die Angaben zu den Prozentsätzen psy­chis­ch­er Störun­gen schwanken stark und wer­den mit 17 bis zu über 40 Prozent in der Bun­desre­pub­lik bez­if­fert. Arbeit­slosigkeit und extreme Aus­beu­tung (Zeit­druck, prekäre Beschäf­ti­gun­gen, geringe Ent­loh­nung,…..) sor­gen beson­ders für einen Anstieg der psy­chis­chen Erkrankun­gen /Störungen. Ja, in ver­schiede­nen Gesellschafts­for­ma­tio­nen und Län­dern kann man die ver­schieden­sten psy­chis­chen Erkrankun­gen mit unter­schiedlichen Häu­figkeit­en, ihre diverse Aus­prä­gung beobacht­en – darüber sollte ein­mal Herr Prof. Dr. habil. Mar­tin Dornes nach­denken! Und psy­chis­che Erkrankun­gen lassen sich sehr gut und exakt mit psy­chodi­ag­nos­tis­chen Meth­o­d­en und Ver­fahren indizieren bzw. diag­nos­tizieren – mit klaren und ein­deuti­gen Diag­nose! Beispiel­sweise mit dem Frage­bo­gen „ Arbeits­be­d­ingtes Ver­hal­tens- und Erleb­nis­muster“ (kurz: AVEM) oder mit dem Freiburg­er Per­sön­lichkeitsin­ven­tar (kurz: FPI)! Hier wird beispiel­sweis die Per­sön­lichkeit mit/in 12 Dimen­sio­nen abge­bildet und es lassen sich direkt und exakt Diag­nosen ableit­en – zum Beispiel „psy­cho­so­ma­tisch gestört/nervös“, depressiv/Depression oder psy­chisch labil,….). Was Die Linke allerd­ings mit dem psy­chis­chen Krankheits­geschehen zu tun haben soll, erschließt sich dem Leser abso­lut nicht in diesem Kon­text! Anson­sten kann sich jed­er Men­sch davon überzeu­gen, dass sich der Kap­i­tal­is­mus ger­ade heiß läuft – im dop­pel­ten Sinne der Bedeu­tung!

    Siegfried Mar­quardt, Königs Wuster­hausen

  2. Siegfried Marquardt sagt:

    In der Märkischen All­ge­meinen Zeitung wurde kür­zlich erst reflek­tiert, dass 2/3 der Bevölkerung in Bran­den­burg an Hyper­tonie (Bluthochdruck) lei­det. Dies ist der überzeu­gende Beleg dafür, dass die neolib­eralen Verhältnisse/Zustände auf­grund der extremen mis­er­ablen Arbeits­be­din­gun­gen, wie Zeit­druck, geringe Löhne, mehrere Jobs pro Per­son ver­mehrt zu psy­chis­chen Erkrankun­gen führt! Kap­i­tal­is­mus macht also ein­deutig krank, ja depres­siv!
    Siegfried Mar­quardt, Königs Wuster­hausen

  3. Siegfried Marquardt sagt:

    Extreme Arbeits­be­din­gun­gen machen krank!
    Die Ver­hält­nisse für Pflegekräfte in der Kranken- und Altenpflege in Deutsch­land sind noch viel extremer, wie der Artikel in der MAZ vom 8./9.09.2018 als Zusam­men­fas­sung der Studie zur Über­be­las­tung, Stress und geringer Bezahlung des DGB beleuchtet! Nicht nur, dass das Pflegeper­son­al sich ständig gehet­zt fühlt (ins­ge­samt ca. 75 Prozent- in der Altenpflege 69 Prozent und in der Krankenpflege sog­ar 80 Prozent) und ständig unter Druck ste­ht, son­dern der Kranken­stand und die Fluk­tu­a­tion­srate sind in diesem Berufs­feld rel­a­tiv hoch! Der Aus­beu­tungs­grad ist so hoch, dass manch eine Pflegekraft nach der Schicht es ger­ade ein­mal noch so nach Hause schafft, weil die physis­chen Belas­tun­gen und psy­chis­chen Beanspruchun­gen extrem hoch sind und sie daher „fix und fer­tig“ sind. Nicht wenige Pflegekräfte müssen auf­grund der extremen Belas­tun­gen und Beanspruchun­gen einen Antrag auf Erwerb­s­min­derungsrente stellen, weil beispiel­sweise der Bewe­gungsap­pa­rat (Gelenk- und Skelet­tap­pa­rat) stark in Mitlei­den­schaft gezo­gen wurde. Auch Depres­sio­nen und Burnout kön­nen sehr häu­fig diag­nos­tiziert wer­den und die Betrof­fe­nen müssen eben­falls frühver­rentet wer­den. Dies ist kein Einzelfall und nicht nur für den Kranken- und Altenpflege­bere­ich äußerst charak­ter­is­tisch, son­dern auch für andere Bere­iche des Arbeit­slebens sehr typ­isch. Beispiel­sweise gibt das Sta­tis­tik-Por­tal Sta­tista einen Anstieg psy­chis­ch­er Erkrankun­gen von 1997 bis 2017 auf ca. 270 Prozent pauschal an. Der jüng­ste Fehlzeit­en­re­port 2018 der AOK reflek­tierte ein­drucksvoll (siehe Märkische All­ge­meine vom 05. 09. 2018, Seite 9), dass bei sin­nvoller, sinns­tif­ten­der Arbeit bei 34 Prozent der Arbeit­nehmer Rück­en- und Gelenkschmerzen und bei 33 Prozent (unspez­i­fis­che) Erschöp­fungszustände diag­nos­tiziert wer­den (bei­de Diag­nosen jew­eils als Aus­druck physis­ch­er und psy­chis­ch­er Beanspruchun­gen). Wird die Arbeit hinge­gen als unbe­friedi­gend und belas­tend emp­fun­den, dann erhöhen sich die Prozen­twerte jew­eils auf 54 und 56 Prozent! Die Dif­ferenz beträgt immer­hin 20 bzw. 23 Prozent und ist sehr beachtlich. In der Märkischen All­ge­meinen Zeitung wurde kür­zlich auch erst darüber informiert, dass 2/3 (also fast 70 Prozent!!!) der Bevölkerung in Bran­den­burg an Hyper­tonie (Bluthochdruck) lei­det. Dies ist der überzeu­gende Beleg dafür, dass die neolib­eralen Verhältnisse/Zustände auf­grund der extremen mis­er­ablen Arbeits­be­din­gun­gen, wie Zeit­druck, geringe Löhne, mehrere Jobs pro Tag oder Woche ver­mehrt zu psy­chis­chen Erkrankun­gen führt! Und die Poli­tik lässt kaum erken­nen, diese unhalt­baren Zustände durch wirkungsvolle Inter­ven­tio­nen Ein­halt zu gebi­eten!
    Siegfried Mar­quardt, Königs Wuster­hausen

  4. Siegfried Marquardt sagt:

    Rezen­sion zum Taschen­buch: Macht der Kap­i­tal­is­mus depres­siv?, Fis­ch­er Ver­lag GmbH, 160 Seit­en, 2016, Autor Mar­tin Dornes, seines Zeichens Sozi­ologe und Pro­fes­sor Dr. habil. der Psy­cho­analyse

    Als ich das Essay von Mar­tin Dornes „ Macht Kap­i­tal­is­mus uns depres­siv?“ bei mein­er net­ten Buch­händ­lerin bestellte und den Titel nan­nte, meinte diese lakonisch: “Dazu muss ich doch kein Buch lesen! (um dies zu wis­sen)“. Damit wäre eigentlich die kürzeste Rezen­sion der Welt ver­fasst wor­den und man kön­nte die undankbare selb­st­gestellte Auf­gabe ein­er Buchrezen­sion been­den! Aber begin­nen wir mit der Kon­tex­t­analyse des Werkes, wobei schw­er­punk­t­mäßig wirk­lich nur auf die Beant­wor­tung der obi­gen Frage als Titel „Macht Kap­i­tal­is­mus uns depres­siv“ Bezug genom­men wer­den soll. Der erste Blick ins Büch­lein offen­barte eine Ent­täuschung: Nicht eine Grafik, Abbil­dung und Tabelle war zu detek­tieren! Sub­sum­mierende Diag­nose: Ein unser­iös­es wis­senschaftlich­es Werk! Vor­weg­nehmend sei in diesem Kon­text kon­sta­tiert, dass Dornes durch die Benen­nung von reinen Zahlen nicht zur Über­sichtlichkeit beiträgt – das Gegen­teil ist eher der Fall! Mit Tabellen und Grafiken hät­ten Bewe­is­führun­gen vs. Negierun­gen fundiert­er und ein­deutiger geführt wer­den kön­nen.
    Und nun aber kommt noch der Ham­mer: auf Seite 6 offen­bart der Autor seine ganze Unken­nt­nis zur ele­mentaren Physik: Wenn der Wasser­spiegel sinkt, dann würde der Eis­berg immer mehr her­vortreten! (die Höhe des Eis­berges ober­halb der Wasser­fläche ist immer kon­stant und beträgt ca. 0,1 (akku­rat 0,11) der Gesamthöhe des Eis­berge­ses). Hier hätte man eigentlich zum zweit­en Mal mit der Buchrezen­sion aufhören kön­nen, weil sich der Autor abso­lut von der All­ge­mein­bil­dung her dis­qual­i­fizierte! Aber nun zur eigentlichen Materie: Selb­stver­ständlich nehmen psy­chis­che Erkrankun­gen im Tur­bo-Kap­i­tal­is­mus zu! Diese Aus­sage basiert auf solide und fundierte Lit­er­atur­recherchen und eigene Forschungsergeb­nisse! Nahezu übere­in­stim­mend find­et man hierzu Forschungsergeb­nisse diverse Quellen und Insti­tu­tion (diverse Krankenkassen!!!, Sta­tis­tik­por­tal, Deutsches Ärzteblatt, Gesellschaft für Psy­chi­a­trie, Psy­chother­a­pie, Psy­cho­so­matik und Ner­venkrankheit­en (DGPPN), das Robert Koch Insti­tut,……) im Inter­net. Beispiel­sweise kon­nte eine Quelle aus­find­ig gemacht wer­den, wo von 1972 bis 2012 die psy­chis­chen Erkrankun­gen mit ein­er Kurve/Funktion eine Darstel­lung erfuhr, dergestalt, dass von 0,6 Prozent im Jahre 1972 bis 17 Prozent im Jahre 2012 die psy­chis­chen Erkrankun­gen inner­halb von 40 Jahren zunah­men. Eine weit­ere Funk­tion ein­er anderen Quelle reflek­tiert das Geschehen psy­chis­ch­er Störun­gen von 2003 bis 2015, dergestalt, dass von 2003 bis 2009 ein gravieren­der Anstieg der Krankheit­stage von 3 Tage auf ca. 11 zu verze­ich­nen war und dann bis 2015 wieder auf ca. 5 Krankheit­stage (von 100 Arbeit­snehmern) abfiel. Das Sta­tis­tik-Por­tal Sta­tista gibt einen Anstieg psy­chis­ch­er Erkrankun­gen von 1997 bis 2017 auf ca. 270 Prozent an (auf das 1,7‑fache angestiegen). Aber verbleiben wir ein­mal bei der jüng­sten Erhe­bung mit aktuellem Daten­ma­te­r­i­al zu psy­chis­chen Erkrankun­gen: Der Fehlzeit­en­re­port 2018 der AOK reflek­tierte (siehe Märkische All­ge­meine vom 05. 09. 2018, Seite 9), dass bei sin­nvoller, sinns­tif­ten­der Arbeit bei 34 Prozent der Arbeit­nehmer Rück­en- und Gelenkschmerzen und bei 33 Prozent (unspez­i­fis­che) Erschöp­fungszustände diag­nos­tiziert wer­den (bei­de Diag­nosen jew­eils als Aus­druck psy­chis­ch­er Beanspruchun­gen). Wird die Arbeit hinge­gen als unbe­friedi­gend und belas­tend emp­fun­den, dann erhöhen sich die Prozen­twerte jew­eils auf 54 und 56 Prozent! Und: In der Märkischen All­ge­meinen Zeitung wurde kür­zlich erst reflek­tiert, dass 2/3 der Bevölkerung in Bran­den­burg an Hyper­tonie (Bluthochdruck) lei­det. Dies ist der überzeu­gende Beleg dafür, dass die neolib­eralen Verhältnisse/Zustände auf­grund der extremen mis­er­ablen Arbeits­be­din­gun­gen, wie Zeit­druck, geringe Löhne, mehrere Jobs pro Per­son ver­mehrt zu psy­chis­chen Erkrankun­gen führt! Kap­i­tal­is­mus macht also ein­deutig krank, ja depres­siv! Diese Zahlen sind ein deut­lich­es Indiz dafür, dass psy­chis­che Störun­gen und Erkrankun­gen unzweifel­haft zugenom­men haben und dass Arbeit krankmachen kann! Bere­its ein­fache logis­che Über­legun­gen lassen erken­nen, dass Arbeit­slosigkeit (Über­forderung durch Unter­forderung, demo­tivierend, deak­tivierend, destruk­tiv, dequal­i­fizierend, psy­chopathol­o­gisch,… ……) und mis­er­able Arbeits­be­din­gun­gen und extreme Aus­beu­tung (lange Anfahrtswege zur und von der Arbeit, ständi­ge Erre­ich­barkeit über Handy, prekäre Beschäf­ti­gun­gen, 40 Prozent der Werktätigen/ Beschäftigten/ Arbeit­nehmer haben befris­tete Jobs und kön­nen keine Zukun­ft pla­nen , viel zu geringe Ent­loh­nung, unbezahlte Über­stun­den, man­gel­nder Arbeitss­chutz, Monot­o­nie und Stress, mehrere Jobs pro Tag und Woche,…..) für einen Anstieg der psy­chis­chen Erkrankun­gen / Störun­gen in Form von Depres­sio­nen, Äng­ste und Burnout (…) sor­gen. Was aber abso­lut erstaunlich und unver­ständlich ist, ist die Tat­sache, dass der Autor die soli­den Dat­en divers­er Quellen dazu benutz (z.B. vom Robert- Koch-Insti­tut und vom DAK-Report,….), um seine Hauptthese(n) zu bele­gen, indem er offen­sichtlich die Fak­ten und Dat­en ver­dreht bzw. anders inter­pretiert! Beispiel­sweise wird eine Quelle gravierend in ihrer Aus­sagkraft mod­i­fiziert, indem der Autor behauptet, dass Frauen beson­ders von Depres­sio­nen betrof­fen seien. Seine inhaltlichen Beweise, dass durch mod­erne Mul­ti­me­dia- und Com­put­ertech­nolo­gien nicht die psy­chis­chen Belas­tun­gen in mod­er­nen Berufen/Arbeitsstätten zunehmen wür­den, sind ein­fach absurd! Wahrschein­lich hat Herr Pro­fes­sor Dr. Dornes noch nie in einem mod­er­nen Betrieb mit inno­v­a­tiv­er Com­put­ertech­nolo­gie gear­beit­et!
    Und Schüler sind in Ganz­tagss­chulen, ganz ein­fach zu berech­nen, um den Fak­tor 0,4 mehr psy­chisch belastet (10 h‑6 h: 10= 0,4). So ein­fach ist die psy­chis­che Mehrbe­las­tung pauschal zu berech­nen! Und an ein­er anderen Stelle (Seite 51 oben zum Burnout) negiert der Autor die Effek­tiv­ität und Potenz von ergonomis­chen /arbeitswissenschaftlichen Gestal­tungs­maß-nah­men im Arbeit­sprozess zur Min­imierung von Stress und Burnout und plädiert eher für Verhaltensänderungen/Training der Arbeitsnehmer/Operateure. Wahrschein­lich hat Pro­fes­sor Dornes noch nie etwas von arbeit­splatzgestal­tenden Maß­nah­men, wie der Forcierung von primären, sekundären und ter­tiären sicher­heit­stech­nis­chen Lösun­gen, der opti­malen Gestal­tung der physikalis­chen und chemis­chen Umwelt­fak­toren (Beleuch­tung, Lärm, elek­tro­mag­netis­chen Wellen und Felder, der Vibra­tio­nen,…..) und der opti­malen anthro­pometrischen Ausle­gung der Arbeit­splätze bzw. der opti­malen inge­nieurpsy­cho-
    logis­chen Ausle­gung der Anzeige- und Bedi­enele­mente, sowie ihre opti­male An- und Zuord­nung nach den Kom­pat­i­bil­itäts- und Grup­pierungs­ge­set­zen gehört!
    Und psy­chis­che Erkrankun­gen lassen sich sehr gut und exakt mit psy­chodi­ag­nos­tis­chen Meth­o­d­en und Ver­fahren indizieren bzw. diag­nos­tizieren – mit klaren und ein­deuti­gen Diag­nosen! Beispiel­sweise mit dem Frage­bo­gen „ Arbeits­be­d­ingtes Ver­hal­tens- und Erleb­nis­muster“ (kurz: AVEM) oder mit dem Freiburg­er Per­sön­lichkeitsin­ven­tar (kurz: FPI)! Hier wird beispiel­sweise die Per­sön­lichkeit mit/in 12 Dimen­sio­nen abge­bildet und es lassen sich direkt und exakt Diag­nosen ableit­en – zum Beispiel „psy­cho­so­ma­tisch gestört/nervös“, depressiv/Depression oder psy­chisch labil,….). Der Autor arbeit­ete bei diversen Bil­dungsträgern als Psy­chologe und Leit­er des Psy­chol­o­gis­chen Dien­stes und führte primär Beruf­seig­nungs­di­ag­nos­tik mit Jugendlichen und Erwach­se­nen mit ein­er Test­bat­terie von 8 Tests und Frage­bö­gen durch, wobei die Ergeb­nisse dann in einem Arbeits- und Klin­isch-Psy­chol­o­gis­chen Gutacht­en ein­mün­de­ten, um den Vermittlern/Coachs/Sozialpädagogen effek­tive Infor­ma­tio­nen zur beru­flichen Inte­gra­tion der Klien­ten in die Hand zu geben. Dabei stellte sich her­aus, dass viele Jugendliche und Erwach­sene bei län­ger­er Arbeit­slosigkeit gravierende psy­chis­che Störun­gen, ja Krankheit­en von Depres­sio­nen bis zu psy­cho­so­ma­tis­chen Störun­gen und eine aus­geprägte psy­chis­che Labil­ität aufwiesen, die mit der App­lika­tion des FPI indiziert wer­den kon­nten. Und bei der App­lika­tion des Arbeits­be­d­ingten Ver­hal­tens- und Erleb­nis­muster musste in den drei Dimen­sio­nen „Erfol­gser­leben im Beruf“ „Leben­szufrieden­heit“ und „Soziale Unter­stützung“ kon­sta­tiert wer­den, dass die Aus­prä­gung ganz min­i­mal war. Für einen großen Teil der Betrof­fe­nen musste daher ein Antrag auf Schwer­be­hin­derung oder sog­ar auf eine Rente auf­grund von Erwerb­s­min­derung gestellt wer­den. Und das Psy­chodi­ag­nos­tis­che Instru­men­tar­i­um war sog­ar so intel­li­gent, dass man das sozialpsy­chol­o­gis­che Kli­ma in diversen Betrieben diag­nos­tizieren kon­nte!

    Siegfried Mar­quardt, Königs Wuster­hausen

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