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Großes ArbeiterInnentreffen in Buenos Aires

Großes ArbeiterInnentreffen in Buenos Aires

Am Sam­stag den 16. August, fand im Nor­den von Buenos Aires, vor den Toren der Druck­erei Donel­ley, heute unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle, ein Tre­f­fen statt, das alle kämpferischen Sek­toren der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung zusam­men­brachte. Der Ruf „Nie wieder Fam­i­lien auf der Straße!“ hallte auf der Panamer­i­cana (Schnell­straße und Hauptverkehrsachse in Argen­tinien) wider. Die Delegierten des Autoteile­herstellers Lear, der Druck­erei Don­nel­ley und der Eisen­bahn EmFer leit­eten das Tre­f­fen.

Es fand statt in einem Kon­text, in dem Kündi­gun­gen und Sus­pendierun­gen immer weit­er zunehmen und die Regierung und die Gew­erkschafts­bürokratie die kämpfend­en Arbei­t­erIn­nen und die Linke angreifen, im Dien­ste der Bosse. Nach ein­er lan­gen Rei­he von Red­ner­In­nen stimmten tausende GenossIn­nen dafür, eine Kam­pagne für die Enteig­nung und Ver­staatlichung unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle von Don­nel­ley durchzuführen. Sie stimmten auch für die Unter­stützung des Kampfes für die Wiedere­in­stel­lung aller Gekündigter bei Lear und des Kampfes dafür, dass der Betrieb­srat in die Fab­rik gelassen und respek­tiert wird. Außer­dem fordern sie die Gew­erkschaft­szen­tralen auf, ein Datum für einen Gen­er­al­streik festzule­gen, der min­destens 36 Stun­den dauern soll und während dem ver­schiedene Aktio­nen durchge­führt wer­den sollen, um den Forderun­gen der arbei­t­en­den Bevölkerung Gehör zu ver­schaf­fen. Diejeni­gen, die zum Tre­f­fen ein­ge­laden hat­ten und die Mehrheit der Teil­nehmerIn­nen stimmten darin übere­in, dass eine Koor­dinierungsrunde in der Zone vor­angetrieben wer­den muss, um Kämpfe zu unter­stützen und sie schlu­gen vor, dass bei der näch­sten Demon­stra­tion zur Plaza de Mayo [das poli­tis­che Zen­trum von Buenos Aires], die dem­nächst stat­tfind­en wird, VertreterIn­nen von Don­nel­ley und Lear unter den Haup­tred­ner­In­nen seien sollen.

Eine Chronik des Treffens

Sam­stag, der 16. August, um 14 Uhr. Kilo­me­ter 36 der Panamer­i­cana. In ein­er unendlichen Rei­he fol­gen Lager­häusern und Schorn­steinen aufeinan­der, bis zu einem ein­drucksvollen Oval, das in den Him­mel ragt: das ist Ford, höch­stes Wahrze­ichen des Kap­i­tal­is­mus. Wer kön­nte daran zweifeln, dass er/sie sich im indus­triellen Herzen der Zona Norte [Indus­triege­bi­et im Nor­den von Buenos Aires] befind­et?

Gegenüber, aus der Druck­erei, kommt eine Kolonne Arbei­t­erIn­nen in Blaumän­nern, mit ihren Fah­nen, ihren Trom­meln, ihren Gesän­gen. Andere erwarten sie, eben­so mit Fah­nen, sin­gend. „Man hört schon die Rufe: Lear, Don­nel­ley, ein gemein­samer Kampf“. Die Pro­tag­o­nistIn­nen der bei­den emblema­tis­chsten Kämpfe der let­zten Zeit, schließen sich im Bei­sein von Hun­derten von Arbei­t­erIn­nen, die sich auf ihren Aufruf hin einge­fun­den haben, zusam­men. Das „Tre­f­fen der Arbei­t­erIn­nen im Kampf“ wurde inner­halb weniger Tage organ­isiert; es gab keine Zeit zu ver­lieren. Dre­itausend GenossIn­nen kamen zusam­men. Das Trans­par­ent des Tre­f­fens fasste das Mot­to zusam­men, dass jed­eR ver­ste­hen kon­nte: „Nie wieder Fam­i­lien auf der Straße!“.

Don­nel­ley wird seit fünf Tagen von seinen Arbei­t­erIn­nen ver­wal­tet. Die nor­damerikanis­chen Geier­bosse sind abge­flo­gen. Sie woll­ten einen Haufen Fam­i­lien auf der Straße zurück­lassen und ihren Kopf durch­set­zen. Aber die Arbei­t­erIn­nen haben gezeigt, dass sie nicht gewil­lt sind Hunger zu lei­den und dass sie die Fab­rik auch ohne Geschäfts­führung oder Auf­se­herIn­nen zum Laufen brin­gen kön­nen. Deshalb waren drin­nen in der Fab­rik die Maschi­nen weit­er in Betrieb, während draußen Hun­derte von Arbei­t­erIn­nen darüber disku­tierten, wie sie sich den Kündi­gun­gen ent­ge­gen­stellen oder die BürokratIn­nen aus ihren Gew­erkschaften wer­fen kön­nten. Wie es Martín Killing, Anführer bei Don­nel­ley, der das Tre­f­fen eröffnete, sagte: „Einige GenossIn­nen nehmen hier teil, aber später erset­zen sie diejeni­gen, die drin­nen arbeit­en, damit sie auch an der Debat­te teil­nehmen kön­nen.“ Wer kön­nte bestre­it­en, dass diese Tat­sache die Stärke und das Bewusst­sein, welch­es die Arbei­t­erIn­nen­klasse erre­ichen kann, aufzeigt? Drin­nen in der Fab­rik kamen die Zeitschriften für die großen Ver­lage her­aus, draußen wur­den die großen Fra­gen der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung disku­tiert.

Killing über­mit­telte den Auf­trag der Arbei­t­erIn­nen von Don­nel­ley: „Dies ist nichts Impro­visiertes. Man kön­nte sagen, dass wir uns seit Jahren darauf vor­bere­it­en. Die Arbeit mit den GenossIn­nen seit so langer Zeit, in jed­er Ver­samm­lung, jed­er Aktion, hat Früchte getra­gen.“ Die Arbei­t­erIn­nen von Don­nel­ley und ihre Grup­pierung der klassen­be­wussten Grafikar­bei­t­erIn­nen und die bor­deauxrote Liste waren unum­strit­ten Teil der Arbei­t­erIn­nena­vant­garde, die im let­zten Jahrzehnt in Argen­tinien ent­standen ist. Heute, da sie die Fab­rik unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle betreiben, ist es ihr Ziel, sie in ein Zen­trum der Organ­isierung der Arbei­t­erIn­nen zu ver­wan­deln. Außer­dem waren sie sich der Her­aus­forderun­gen, die vor ihnen lagen, bewusst. „Die Ver­samm­lung stimmte für den Kampf um die Ver­staatlichung der Fab­rik unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle“.

Danach über­nahm Rubén Matu, Delegiert­er von Lear: „Seit drei Monat­en kämpfen wir nun gegen ille­gale Kündi­gun­gen, gegen die Clique der SMATA [Gew­erkschaft bei Lear, die den Kampf mehrfach ver­rat­en hat], gegen die Repres­sion der Regierung. Sie greifen uns an, weil wir auf die Basisor­gan­i­sa­tion set­zen, weil wir kämpferische Delegierte sind, weil wir auf Vol­lver­samm­lun­gen entschei­den und für die Arbeits­be­din­gun­gen unser­er GenossIn­nen kämpfen. Deshalb greifen sie uns an.“ Wer kön­nte bestre­it­en, dass der Kampf bei Lear zu einem Sym­bol des Kampfes gegen Kündi­gun­gen gewor­den ist, der die Rolle der Bürokratie in ihrer Unter­stützung der Bosse und die Unter­wür­figkeit der Regierung gegenüber den multi­na­tionalen Konz­er­nen offen­gelegt hat.

Matu verurteilte den Betrug, den die SMATA bege­hen will, mit ein­er neuen ille­galen Ver­samm­lung um das Man­dat [der jet­zi­gen Delegierten im Betrieb­srat] „zu wider­rufen“, obwohl es einen Gericht­sentscheid gibt, der sie beschützt, obwohl die Fab­rik eine Aussper­rung von 14 Tagen hin­ter sich hat, obwohl es noch 60 Arbei­t­erIn­nen gibt, die für ihre Wiedere­in­stel­lung kämpfen und obwohl die SMATA nicht ein­mal die ele­men­tarsten rechtlichen Fris­ten für die Ein­beru­fung ein­er solchen Ver­samm­lung einge­hal­ten hat. All dies kommt zum Ver­such hinzu, gemein­sam mit den Bossen und der Regierung die Dutzend Arbei­t­erIn­nen, die für ihre Arbeit­splätze kämpfen, draußen ste­hen zu lassen.

Ein ArbeiterInnenparlament

Nach der Inter­ven­tion der Anführer dieser zwei großen Kon­flik­te und des Genossen Alfre­do Luque von EmFer, ver­wan­delte sich das Tre­f­fen in ein großes Arbei­t­erIn­nen­par­la­ment. Unter den Ersten, die sich zu Wort melde­ten, waren die Arbei­t­erIn­nen von Zanon und die AnführerIn­nen der Gew­erkschaft der Keramikar­bei­t­erIn­nen von Neuquén (SOECN — Sindi­ca­to de Obreros Ceramis­tas de Neuquén). Marce­lo Morales, Gen­er­alsekretär der SOECN, sagte „dass wir nicht nur die Gew­erkschaft für die Arbei­t­erIn­nen zurück­ge­won­nen haben, wir haben auch drei Fab­riken unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle zum Laufen gebracht und wir arbeit­en auf miteinan­der abges­timmte Art und Weise.“ Die Keramikar­bei­t­erIn­nen wis­sen: sie waren jahre­lang ein Leucht­turm für Hun­derte von kämpferischen Arbei­t­erIn­nen, die mit Geduld und Intel­li­genz den Keim der Organ­i­sa­tion und des Wider­stands gesät haben. „Wir sind Brüder“, sagte ein Arbeit­er von Don­nel­ley neben der Bühne. Sie hat­ten sich noch nie zuvor gese­hen. Aber die Arbei­t­erIn­nen von Don­nel­ley luden auch Raúl Godoy auf die Bühne, Arbeit­er bei Zanon und his­torisch­er Anführer der Keramikar­bei­t­erIn­nen. Godoy betonte die Bedeu­tung, die ein­er Arbei­t­erIn­nenkon­trolle in einem Indus­triezen­trum wie das, wo sich das Tre­f­fen ereignete, zukommt. Außer­dem machte Godoy klar, dass die Arbei­t­erIn­nen von Zanon schnell gel­ernt hät­ten, dass sie sich nicht damit zufrieden geben dür­fen, dass es andere vere­inzelte Erfahrun­gen der Arbei­t­erIn­nenkon­trolle gibt; dass sie dafür gekämpft haben, die gesamte Arbei­t­erIn­nen­klasse zu organ­isieren, dass sie dies aus ein­er Posi­tion der Klasse­nun­ab­hängigkeit tun und die strate­gis­che Per­spek­tive eine Regierung der Arbei­t­erIn­nen seien muss.

Die reden­den Arbei­t­erIn­nen strichen nacheinan­der nicht nur die Prob­leme ihrer jew­eili­gen Fab­rik her­aus, son­dern auch die ihrer Sek­toren oder ihrer Region. Außer­dem wur­den konkrete Kampfvorschläge gemacht. In den Reden fehlte wed­er der Stolz darüber, an einem solchen wichti­gen Ereig­nis teilzunehmen, noch das Bewusst­sein darüber, dass die Ein­heit der kämpferischen Sek­toren notwendig ist, um solchen Geg­ner­In­nen zu begeg­nen.

Es lohnt sich viele von den Teil­nehmenden aufzuzählen. Es waren Delegierte und Arbei­t­erIn­nen aus Dutzen­den Sek­toren da: Bankangestellte, Tele­fonar­bei­t­erIn­nen, Arbei­t­erIn­nen von den Maut­stellen, Par­fümverkäuferIn­nen, Arbei­t­erIn­nen, die Reifen her­stellen, Arbei­t­erIn­nen in der Luft­fahrt, DozentIn­nen, Grafikar­bei­t­erIn­nen, nicht-akademis­che Beschäftigte, Arbei­t­erIn­nen aus dem Lebens­mit­telsek­tor, Met­al­lar­bei­t­erIn­nen, Jour­nal­istIn­nen, Keramikar­bei­t­erIn­nen, LKW-FahrerIn­nen, Staat­sangestellte, Gesund­heit­sar­bei­t­erIn­nen, Bauar­bei­t­erIn­nen, Eisen­bah­ner­In­nen, U‑BahnerInnen, Werf­tar­bei­t­erIn­nen, Plas­tikar­bei­t­erIn­nen, Seife­nar­bei­t­erIn­nen, Autoar­bei­t­erIn­nen, und so weit­er. Mit­glieder von Betrieb­sräten und anderen Gremien aus der Indus­trie, aus Dien­stleis­tungssek­toren und aus staatlichen Insti­tu­tio­nen (aus dem Sta­tis­tikamt Indec, ver­schiede­nen Min­is­te­rien der Prov­inz Buenos Aires, Kranken­häuser von La Pla­ta bis Cas­tro Rendón in Neuquén), Mit­glieder von DozentIn­nen­gremien, wie der Gew­erkschaften der Erziehungsar­bei­t­erIn­nen aus Buenos Aires (SUTEBA) und aus Neuquén (Ade­mys und ATEN).

Eine der wichtig­sten Del­e­ga­tio­nen war diejenige, die aus der südlichen Zone von Groß-Buenos Aires kam. Die Arbei­t­erIn­nen von Cal­sa, Shell, Hon­da und dem Kranken­haus Alende macht­en klar, dass sie die Debat­ten und Erfahrun­gen, deren Zeug­In­nen sie hier wür­den, auf die Fab­riken ihrer Zone ausweit­en wollen.

Die PTS und ihre Arbei­t­erIn­nen­grup­pierun­gen waren der ein­drucksvoll­ste Sek­tor auf dem Tre­f­fen, aber es nah­men auch GenossIn­nen der Par­tido Obrero (Arbei­t­erIn­nen­partei — PO) teil, eben­so wie Car­los Chile und Daniel Jora­juría von der CTA Miche­li [Cen­tral de Tra­ba­jadores de la Argenti­na, ein argen­tinis­ch­er Gew­erkschafts­bund], Luis Zamo­ra [argen­tinis­ch­er Men­schen­recht­sak­tivist], Del­e­ga­tio­nen der Izquier­da Social­ista [Sozial­is­tis­che Linke], der Neuen MAS [Nue­vo Movimien­to al Social­is­mo – Neue Bewe­gung zum Sozial­is­mus], der MST [Movimien­to Social­ista de los Tra­ba­jadores – Sozial­is­tis­che Bewe­gung der Arbei­t­erIn­nen], der CCC [Cor­ri­ente Cla­sista y Com­bat­i­va – Kämpferische und klassen­be­wusste Strö­mung], der CPT und ander­er link­er Strö­mungen.

Die Gewerkschaften zurückerobern

Lore­na Gen­tile, Delegierte des Betrieb­srats bei Kraft, hielt eine der klarsten und am meis­ten beklatscht­en Reden. Sie wurde auf der Bühne begleit­et von Javier Her­mosil­la (gemein­sam mit anderen Delegierten von Kraft), Leonar­do Norniel­la, Cami­lo Mon­es und Catali­na Bal­a­guer (und dem Betrieb­srat von Pep­si­co), und Delegierten von Lodis­er und Stani, FelFort und anderen Lebens­mit­telun­ternehmen. „Die Bour­deuxrote Grup­pierung“, sagte Lore­na, „hat darum gekämpft die Gew­erkschaft zurück­zuer­obern. Wir haben 40% der Stim­men gewon­nen. Zanon war immer unser Ref­eren­zpunkt, deshalb haben wir gesagt ‚wenn wir mal ein Zanon in der Zona Norte haben‘… und hier sind wir, GenossIn­nen, wir machen dieses Kampftr­e­f­fen vor dieser Fab­rik unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle. Heute geben wir Betrieb­sräte den Rhyth­mus vor, weil die Gew­erkschaften sich im Waf­fen­still­stand befind­en. Von ihnen haben wir ger­ade einen 36-stündi­gen Streik gefordert. Aber wir wollen zu diesem Tag kom­men, indem wir Ver­samm­lun­gen in den Fab­riken machen, wir wollen es machen wie am 10. April [let­zter Gen­er­al­streik in Argen­tinien] auf der Panamer­i­cana, wir wollen eine klassenkämpferische und unab­hängige Kraft zeigen. Denn Berni [Chef des Sicher­heitsmin­is­teri­ums] sagt, wir sind die Linke, die die Fab­riken bestreikt. weil wir faul sind. Sie schreien Sab­o­tage, um sich gegen den Arbeit­srhyth­mus, den sie in unseren Kör­pern spüren, zu wehren. Wie die Arbei­t­erin­nen bei Kromberg, diese Frauen, die ihre Kinder nicht hochheben kon­nten nach jedem Arbeit­stag“. Lore­na wollte noch etwas hinzufü­gen: „Außer­dem, als Arbei­t­erin und Aktivistin der PTS, möchte ich sagen, dass wir auch die Sache der unter­drück­ten Völk­er unter­stützen: Es lebe der Wider­stand des palästi­nen­sis­chen Volkes“. Alle gemein­sam riefen sie die Parole: „Die Arbei­t­erIn­nen­klasse ist eine einzige und ken­nt keine Gren­zen“.

Front der Linken und der ArbeiterInnen (FIT)

Chris­t­ian Castil­lo, Abge­ord­neter der PTS-FIT in Buenos Aires, war ein­er ander­er, der das Wort ergriff. Er wurde mit viel Applaus in Emp­fang genom­men: die kämpfend­en Arbei­t­erIn­nen, nicht nur in der Zona Norte, sehen in der FIT ihren poli­tis­chen Ref­eren­zpunkt. Sie machen einen wichti­gen Teil der 1.200.000 Stim­men, die wir let­ztes Jahr gewon­nen haben, aus und sie sehen diese poli­tis­chen Anführer als ihre Abge­ord­neten. Es begleit­ete ihn Nicolás del Caño, nationaler Abge­ord­neter der PTS-FIT.

„Die Regierung muss sich nun, seit eini­gen Jahren, mit den neuen kämpferischen Betrieb­sräten herumärg­ern. Diese GenossIn­nen bei Lear, bei Don­nel­ley, bei Emfer, sind diejeni­gen, die die Geier, die Gen­darmerie von Berni, die Bürokratie gestoppt haben, mit Tapfer­keit, aber auch mit Ein­fall­sre­ich­tum. Heute befind­en wir uns im indus­triellen Zen­trum des Lan­des, das sich gle­ichzeit­ig in ein Zen­trum der Arbei­t­erIn­nenor­gan­isierung ver­wan­delt. Das ist es, was sie stört. Als Abge­ord­neten der Frente de Izquier­da (Front der Linken) haben wir uns in den Dienst des Kampfes gestellt, so wie wir es ver­sprochen haben. Wir haben nicht nur die Streikkasse unter­stützt und Geset­zesvorschläge gemacht, son­dern wir haben uns mit unserem Kör­p­er hier auf die Panamer­i­cana und an andere Orte begeben.“ „Cristi­na [Fer­nán­dez de Kirch­n­er, Präsi­dentin Argen­tiniens] sagt, dass zu ihrer Linken nur die Wand sei… dabei wächst zu ihrer Linken eine poli­tis­che Alter­na­tive in den Fab­riken, in der Jugend. Eine Alter­na­tive nicht nur zu der Gew­erkschafts­bürokratie, son­dern auch eine poli­tis­che Alter­na­tive. Wir haben 250.000 Pesos zur Streikkasse beige­tra­gen, von denen wir glauben, dass sie fun­da­men­tal dafür waren, dass die Kämpfe nicht durch Hunger gebrochen wer­den.“

Später redete der Abge­ord­nete der PO-FIT, Nés­tor Pitro­la. Pitro­la bemerk­te, dass „die Krise ein weit­eres Kapi­tel der Aus­liefer­ung und Aus­plün­derung durch diese Regierung darstellt. Der Ver­such der Regierung den Per­o­nis­mus wiederzubeleben, ist gescheit­ert. Dies zeigt dieser Haufen von Arbei­t­erIn­nen und Jun­gen, der seine Augen auf die Linke der Arbei­t­erIn­nen und Sozial­istIn­nen richtet.“

Edgar­do Reinoso, Anführer der Bah­ner­In­nen und von der Izquier­da Social­ista (Sozial­is­tis­che Linke), bekan­nte sich zu der Losung, die das Tre­f­fen der Kämpferischen Gew­erkschaf­terIn­nen [von der PTS im Mai organ­isiertes Tre­f­fen] erhoben hat­te, näm­lich die der Ver­staatlichung unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle, die, wie sie für die Bahn gilt, heute für die GenossIn­nen bei Don­nel­ley gilt. Außer­dem rief er zur Teil­nahme am Streik auf, der 36 Stun­den dauern solle, mit Demon­stra­tio­nen und Aktio­nen der kämpferischen Sek­toren. […] Es sprach außer­dem José Montes der PTS, gemein­sam mit Vic­to­ria Moy­ano, die von der Mil­itärdik­tatur als Kind ent­führt wor­den war und von der Polizei während ein­er der Karawa­nen zur Unter­stützung von Lear ver­haftet wor­den war. Gemein­sam berat­en sie seit Jahren den Betrieb­srat und die AktivistIn­nen von Lear. José Montes sprach über den Prozess, der dazu geführt hat, dass eine Arbei­t­erIn­nena­vant­garde ent­standen ist, die, während sie unter Beobach­tung der Bosse und der Regierung ste­ht, zu einem Leucht­turm für Hun­der­tausende Arbei­t­erIn­nen, die noch nicht kämpfen, gewor­den ist. Montes erin­nerte an die Erfahrun­gen, die die Arbei­t­erIn­nen von Lear und Don­nel­ley gemacht haben, den Ver­lauf der Geschehnisse in der Zona Norte, wo es auch Nieder­la­gen gab, aber wo es vor allem „GenossIn­nen gab, die sich seit Jahren vor­bere­it­et haben. Mir war es vergön­nt an diesem Prozess mitzuwirken, einem Prozess, der nicht spon­tan war. Denn um die Gew­erkschaften zurück­zuer­obern, was eine unser­er großen Auf­gaben ist, kön­nen wir die BürokratIn­nen nicht ein­fach feuern. Nur mit Wahlen kön­nen wir sie rauswer­fen, denn sie wer­den nicht von sel­ber gehen. Dafür ist Vor­bere­itung wichtig. Und dafür sind die GenossIn­nen bei Lear und Don­nel­ley ein Beispiel.“

Montes bezog sich auch auf die Kampf­tra­di­tion der Arbei­t­erIn­nen, vor allem aus der Zona Norte, die in den 70er Jahren eine Koor­dinierung der Fab­riken auf die Beine stell­ten. „Wir müssen die besten Tra­di­tio­nen der Arbei­t­erIn­nen­klasse wieder­beleben.“

Um weiterzukämpfen und sich weiter zu organisieren

Ein Tag der geschwis­ter­lich debat­tieren­den Arbei­t­erIn­nen neigte sich seinem Ende zu. Es kam der Moment der Res­o­lu­tio­nen. Vor dem Tran­spi mit „Nie wieder Fam­i­lien auf der Straße!“ blieben erst­mal die Genossin­nen der Frauenkom­mis­sion von Don­nel­ley ste­hen. Sie gaben einen kurzen Überblick darüber, was seit Jahren ihre Rolle im Kampf der Grafikar­bei­t­erIn­nen ist. Diejeni­gen, die glauben, es sei ein „ein­fach­es Unter­stützen“, haben nichts ver­standen. […] Und die kleinen Kinder der Arbei­t­erIn­nen san­gen gemein­sam ein Lied, mit Trom­meln und Pauken.

Dann lasen Jorge ‚Loco‘ Med­i­na (Delegiert­er von Don­nel­ley) und Sil­vio ‚Mar­ley‘ Fan­ti die Res­o­lu­tio­nen und Übereinkün­fte vor, auf die sie sich auf dem Tre­f­fen geeinigt hat­ten.

  • Eine Kam­pagne für die Ver­staatlichung unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle von Don­nel­ley und für den Kampf für die Wiedere­in­stel­lung aller Gekündigter bei Lear und die Respek­tierung aller Rechte des Betrieb­srates wird vor­angetrieben.
  • Eine Auf­forderung wird an die Gew­erkschaft­szen­tralen gerichtet, dass sie ein Datum für einen nationalen Gen­er­al­streik fest­set­zen und dass während diesem Demon­stra­tio­nen und Aktio­nen stat­tfind­en und er 36 Stun­den dauern soll. Damit soll für alle Forderun­gen der Arbei­t­erIn­nen gestrit­ten wer­den. Zur Vor­bere­itung soll es Ver­samm­lun­gen an allen Arbeit­sorten geben, um das Pro­gramm und die Kamp­fak­tio­nen abzus­tim­men und zur Plaza de Mayo zu mobil­isieren.
  • Die Kam­pagne „Eine Mil­lio­nen Pesos für Lear“, die schon fast einen halbe Mil­lio­nen Pesos gesam­melt hat, soll weit­erge­führt wer­den, damit die Gekündigten unter­stützt wer­den kön­nen.

Die GenossIn­nen schlu­gen zwei weit­ere Punk­te vor. „Zusät­zlich zum dem schon geschehenen Aufruf für eine Demon­stra­tion im August, schla­gen wir vor, dass es auf dieser Demo Red­ner­In­nen von Don­nel­ley und Lear geben soll, aber dies wird jet­zt nicht zur Abstim­mung gestellt, son­dern nur so vorgeschla­gen.“ Die Organ­i­sa­tion, die am meis­ten in Frage stellte, über diesen Punkt abzus­tim­men, war die PO, die in jed­er ihrer Inter­ven­tio­nen auf die Wichtigkeit der Demon­stra­tion, auf die sie gemein­sam mit der CTA Miche­li für den 26. August mobil­isieren, hingewiesen hat­ten. Es ist auf­fäl­lig, dass sie nicht woll­ten, dass darüber abges­timmt wird, und damit die Ein­heit des Tre­f­fens gefährde­ten. Ver­han­deln sie etwas eine Demon­stra­tion, bei der die emblema­tis­chen Kämpfe von Lear und Don­nel­ley nur eine deko­ra­tive Rolle spie­len sollen?

Außer­dem fügten sie hinzu, dass „darüber nicht abges­timmt wird, aber die Betrieb­sräte von Lear, Don­nel­ley, Emfer und Tat­sa schla­gen vor, dass in allen Betrieb­sräten und Gew­erkschaften der Vorschlag ein­er Koor­dinierungsrunde für die Zona Norte zur Unter­stützung aller Kämpfe vor­angetrieben wird und dass diese regelmäßig funk­tion­ieren soll.“

Die Res­o­lu­tio­nen wur­den per Akkla­ma­tion beschlossen und der Tag schloss mit einem klas­sis­chen Arbei­t­erIn­nen­lied […].

Ein Tag von his­torisch­er Bedeu­tung, was die Debat­te und die Organ­isierung ange­ht, hat­te geen­det. Nicht mehr und nicht weniger vor einem Sym­bol des Kap­i­tal­is­mus und ein­er Fab­rik unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle.

Orig­i­nal (auf Spanisch)

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