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Geflüchtete in Barcelona sagen: “Trennung von Spanien, Trennung vom Kolonialismus Spaniens!”

Zwei Geflüchteten-Organisationen aus Barcelona, Sindicato Popular de Vendedores Ambulantes (die Gewerkschaft der Straßenverkäufer*innen) und des Espacio de Inmigrantes (Raum für Migrant_Innen) haben sich mit dem Recht der Selbstbestimmung der katalanischen Bevölkerung solidarisch erklärt. Wir spiegeln ihre Stellungnahme.

Geflüchtete in Barcelona sagen:

Angesichts der Sit­u­a­tion der let­zten Tage in Kat­alonien verurteilen wir, Sindi­cat Pop­u­lar de Vende­dores Ambu­lantes (die Gew­erkschaft der Strassenverkäufer_Innen) und des Espa­cio de Inmi­grantes (Raum für Migrant_Innen), die Ver­let­zung der Rechte und Frei­heit­en des kata­lanis­chen Volkes. Wir vertei­di­gen das Recht der Völk­er über ihre Zukun­ft zu bes­tim­men, das wed­er negiert noch ver­fol­gt wer­den darf. Wir drück­en hier­mit auch unsere Sol­i­dar­ität mit den Per­so­n­en und Kollek­tiv­en aus, die von unten und seit jeher für das Selb­st­bes­tim­mungsrecht der Völk­er gekämpft haben.

Wir ver­fol­gen aufmerk­sam, was ger­ade passiert und obwohl nie­mand uns gefragt oder ein­ge­laden hat, Teil dieses his­torischen Moments zu sein, haben wir, die Flüchtlinge, uns selb­st ein­ge­laden, da wir schon daran gewöh­nt sind, dass man davon aus­ge­ht, dass wir nichts wis­sen, dass wir nichts mit­bekom­men, dass wir keine Staats­bürg­er sind, dass wir nicht wählen dür­fen, dass wir nichts von Poli­tik ver­ste­hen. Aber sie irren sich, wir kämpfen schon seit Jahren und leis­ten Wider­stand gegen die kolo­nial­is­tis­che und ras­sis­tis­che spanis­che Regierung. Schon vor vie­len Jahrzehn­ten und Jahrhun­derten haben sie uns ihren Ver­nich­tungskrieg erk­lärt und jet­zt sind wir hier und leben immer noch. Uns ist klar, dass wir als Flüchtlinge hier bleiben, soviel sie uns auch bedro­hen, einkerk­ern oder töten mögen, denn wenn jemand in diesem Land zu viel ist, dann sind es die da oben, die Kor­rupten, die Regieren­den.

Wir sehen in diesen Tagen, dass die Regierung in Kat­alonien ihr wirk­lich­es Gesicht und ihre Beru­fung offen­bart, näm­lich die der Gewalt, der Unter­drück­ung und des Autori­taris­mus. Sie wollen Angst in die kata­lanis­chen Herzen säen. Sie glauben, dass sie die Würde dieses Volkes angreifen, bedro­hen, ein­schüchtern und mit Füßen treten kön­nen, eines Volkes, das sein Land vertei­digt, ohne dass es zu Wider­stand kom­men soll. Sie glauben, dass sie mit Knüp­peln und Polizis­ten das Bewusst­sein der Leute verän­dern kön­nen. Seit­dem wir in Kat­alonien leben, haben wir zwei Seit­en gese­hen. Die eine Seite ist das rebel­lis­che Kat­alonien, das würdi­ge und das von unten, das für sein Recht kämpft, über seine Zukun­ft zu entschei­den. Euch sagen wir, dass wir uns aufge­fordert fühlen, uns eur­er Mobil­isierung anzuschließen, ani­miert und begeis­tert davon, was hier in diesem Moment erre­icht wird. Und wir hof­fen, dass sich die Möglichkeit ergibt, Räume der Par­tizipa­tion zu schaf­fen, wo alle ihren Platz find­en, ohne Ras­sis­mus und ohne Aus­gren­zung.

Uns würde gefall­en, dass die eventuell neu entste­hende Repub­lik legal und juris­tisch kor­rekt von Spanien getren­nt, sich auch tren­nen wird von dem Geist der kolo­nial­is­tis­chen und ras­sis­tis­chen Men­tal­ität. Dass das, was aufge­baut wer­den soll, von unten kommt, um die legale und soziale poli­tis­che Ord­nung zu verän­dern für eine gerechtere und humanere, inklu­si­vere Gesellschaft. Denn ein von oben herab kon­stru­iertes Kat­alonien, mit den gle­ichen Leuten von oben wird wenig für uns ändern, die Armen, die immer schon Ver­ban­nten und die von unten.

Aber wir ken­nen auch das oli­garchis­che kolo­nial­is­tis­che und ras­sis­tis­che Kat­alonien, das uns auss­chließt, uns ver­fol­gt und uns bestraft wegen ein­er anderen Haut­farbe, ein­er anderen Sprache, ein­er anderen Reli­gion, ein­er anderen Art und Weise zu denken. Deshalb wollen wir klar stellen, dass wir ein Gedächt­nis haben und wir vergessen nicht, das wir wed­er die spanis­che Regierung noch die Gen­er­al­ität unter­stützen wer­den, weil sie für uns zwar 2 Regierun­gen sind, die das gle­iche Gesicht haben, die darum konkur­ri­eren, wer mehr Migranten jagt, einsper­rt oder ausweist. Sie konkur­ri­eren darum, wer mehr Mauern, mehr Geset­ze, mehr Nor­men und Regeln erlässt, die uns ein würdi­ges Leben unmöglich machen. Wir glauben außer­dem, dass diese Sit­u­a­tion sich nicht von Seit­en der Legal­ität noch von Seit­en der Gerichte lösen lässt, unsere Kör­p­er sind der per­fek­te Stoff für die Ille­gal­isierungs­mas­chine, wir wis­sen, dass man die Rechte auf der Straße erkämpft.

Zu guter Let­zt glauben wir und hof­fentlich irren wir uns hier, dass die jet­zige Sit­u­a­tion sich ver­härten wird, die spanis­che Regierung bere­it­et die Repres­sion mit ihrem Polizeiap­pa­rat auf den Straßen vor und aus Erfahrung wis­sen wir, dass die Repres­sion die Men­schen von unten am meis­ten trifft, wie die Organ­isierten, die Armen, die Aus­geschlosse­nen und die Flüchtlinge. Aus diesem Grund fordern wir alle Flüchtlinge auf, mit und ohne Papiere, sich mit diesen würdi­gen und rebel­lis­chen Kämpfen zu sol­i­darisieren. Wir rufen dazu auf, Wider­stand zu leis­ten. Nein zur Repres­sion zu sagen, nein zu den Ver­fol­gun­gen, nein zu den Gefäng­nis­sen, nein zur Gewalt gegenüber den­jeni­gen, die ein­fach nur ihre Zukun­ft selb­st gestal­ten wollen.

Wenn nie­mand eure Wahlzettel druck­en will, sagen wir zu euch, dass wir sie für euch druck­en, denn sie kön­nen uns nicht ille­gal­isieren, wir sind es schon seit langer Zeit und wir haben die Angst ver­loren.

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