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Estrategia Internacional Nr. 29 ist draußen!

Vor kurzem erschien die neue Nummer der Zeitschrift Estrategia Internacional – das Magazin für Theorie, Politik und Ökonomie der Trotzkistischen Fraktion – in spanischer Sprache. Wir präsentieren hier die Artikel der vollständig online verfügbaren Zeitschrift. Ausgewählte Artikel werden wir demnächst auch auf Deutsch veröffentlichen.

Estrategia Internacional Nr. 29 ist draußen!

In der neuen Ausgabe der Estrategia Internacional diskutieren wir die wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Tendenzen der aktuellen Weltlage: die tiefgründigen Fundamente der kapitalistischen Krise und die Debatte über die „säkulare Stagnation“ bis hin zur konvulsiven Geopolitik, die Situation im Nahen und Mittleren Osten und die Entstehung reaktionärer Phänomene wie dem IS. Wir analysieren auch die reaktionären Schläge der imperialistischen Regierungen gegen die Massen in Europa und den Aufstieg des „Neoreformismus“ wie Podemos und Syriza. Außerdem debattieren wir über die wichtigsten Ausführungen von Antonio Gramsci und Leo Trotzki zur kapitalistischen Demokratie.

In einem großen Teil Lateinamerikas befinden wir uns vor dem Ende einer Illusion – der Illusion des reformistischen Gradualismus, der die sogenannten „postneoliberalen“ Regierungen definierte. Nach vielen Jahren „Rückenwind“ ist die Wirtschaft heute sowohl aufgrund ihrer internen Widersprüche als auch aufgrund des „Gegenwindes“ geschwächt. Das ist der Hintergrund des Rechtsrucks in der Region, der sich im Aufstieg Macris in Argentinien, dem Triumph der MUD in den Parlamentswahlen in Venezuela, oder in der Durchsetzung der Kürzungsprogramme durch die brasilianische PT ausdrückt.

Im Artikel “Giro a derecha y lucha de clases en Sudamérica” analysieren Daniel Matos und Eduardo Molina die Charakteristika des vorangegangenen Zyklus. Ob sich der Rechtsruck des politischen Überbaus in Südamerika als ein neues reaktionäreres Kräfteverhältnis durchsetzen wird, wird von dem Widerstand gegen die Versuche der Bourgeoisien abhängen, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Schultern der Arbeiter*innen und der armen Massen abzuladen. In diesem Szenario ermöglicht es die Stärkung der Front der Linken und der Arbeiter*innen (FIT), die von Nicolás del Caño angeführt wird, dass die revolutionäre Linke in Argentinien eine herausgehobene Rolle in den künftigen Kämpfen spielt.

Im Artikel “El gobierno de los CEO, el decisionismo macrista y los desafíos de la izquierda” bilanziert der ehemalige Abgeordnete für die FIT und Anführer der Partei Sozialistischer Arbeiter*innen (PTS), Christian Castillo, den Sieg von Mauricio Macri bei den argentinischen Präsidentschaftswahlen und das Szenario, welches sich mit der neuen Regierung eröffnet, und wirft die Perspektiven für die Linken in der nächsten Periode auf.

Im Artikel “Brasil. Crisis de la ‘hegemonía invertida” – in Bezug auf das Konzept von Francisco de Oliveira – analysiert Daniel Matos die politische und wirtschaftliche Krise, die den südamerikanischen Giganten durchzieht. Er diskutiert die Möglichkeit des Übergangs der Krise der Regierung von Dilma Rousseff – und des Amtsenthebungsverfahrens – in eine Krise des gesamten Regimes. Er analysiert die Rolle der Führung der PT in den Gewerkschaften und den Massenorganisationen, um die Widerstandsprozesse gegen die Kürzungen einzudämmen, sowie die Möglichkeiten dafür, dass neue Phänomene wie im Juni 2013 entstehen.

Im Artikel “Chile. Entre las reformas y la irrupción de las masas” berichtet Pablo Torres von der Krise der Regierung von Michelle Bachelet, flankiert von der Rechten, und von den tiefgründigen Ansprüchen der Massenbewegung – insbesondere der Studierendenbewegung, die weiter für die kostenfreie Bildung kämpft, und von Sektoren der Arbeiter*innenbewegung, die die Bürokratie der Kommunistischen Partei in Frage zu stellen beginnen. Er polemisiert mit den verschiedenen Strömungen der chilenischen Linken in einer Situation, in der es neue und wichtige Prozesse des Klassenkampfs geben kann – falls sie sich nicht im Sinne der herrschenden Klassen beruhigen wird.

Im Artikel “Venezuela, entre un chavismo en decadencia y una derecha envalentonada” unternimmt Milton D’León eine Bilanz der kürzlichen Niederlage des Chavismus bei den Parlamentswahlen und diskutiert die Perspektiven, die sich für das Land im Rahmen des Falls des Ölpreises und der tiefgründigen wirtschaftlichen und politischen Krise eröffnen.

Im Artikel “México, la clase obrera oculta” legt Jimena Vergara eine Studie der neuen mexikanischen Arbeiter*innenklasse vor, die in der Hitze der tiefgründigen imperialistischen Durchdringung geschmiedet wurde, und die von der Wissenschaft, der populistischen und der autonomen Linken unsichtbar gemacht wird. Der Artikel beschreibt die „ungleiche und kombinierte Entwicklung“ der zweitgrößten Wirtschaftskraft Lateinamerikas und gibt die Position, Zusammensetzung, zahlenmäßige Größe und das spezifische Gewicht des mexikanischen Proletariats wieder.

Im Magazin befindet sich auch der Artikel “Ni una menos” von Andrea D´Atri –ehemalige Kandidatin zum Parlasur für die FIT und Anführerin der Frauengruppierung Pan y Rosas – über die Aufgaben der Frauenbewegung in Lateinamerika.

Im Artikel “Gramsci, Trotsky y la democracia capitalista”, stellen Emilio Albamonte und Matías Maiello das Denken von Antonio Gramsci und von Leo Trotzki bezüglich der kapitalistischen Krise einander gegenüber. Welche Besonderheiten haben die soziopolitischen Strukturen im „Westen“? Welche strategischen Probleme ergeben sich für die Revolution in der Gegenwart? Sie beschäftigen sich mit diesen und anderen Fragen ausgehend von einer Perspektive, die den Ausarbeitungen des Postmarxismus von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe entgegengesetzt sind. Stattdessen inkorporieren sie fundamentale Elemente der Klassiker des strategischen Denkens wie Carl von Clausewitz in die marxistische Reflexion. Sie tun dies ausgehend von der Analyse der wichtigsten Ausarbeitungen von Trotzki und Gramsci, in einem polemischen Kontrapunkt mit dem schon klassischen Werk von Perry Anderson, The Antinomies of Antonio Gramsci, und dem neuen Buch von Peter Thomas, The Gramscian Moment, welches sich in eine Referenz der gegenwärtigen Studien über Gramsci verwandelt hat.

In dem Abschnitt, der der Wirtschaft gewidmet ist, veröffentlichen wir den Artikel von Paula Bach, “Estancamiento secular, fundamentos y dinámica de la crisis“, in dem die Autorin die bürgerliche These der „säkularen Stagnation“ im Lichte der aktuellen Dynamik der Krise kritisiert. Das Neue an der 2006 eröffneten Episode ist ein verlängertes schwaches Wachstum trotz der historischen monetären Maßnahmen und der kraftvollen Erholung Chinas – zwei Aspekte, die aktuell in Frage stehen. Das eröffnet die Möglichkeit neuer Sprünge in der Krise. Auf dieser Grundlage diskutiert Bach die Grenzen des Reformismus in der aktuellen Etappe.

Im Artikel “A ocho años del comienzo de la crisis mundial analysiert Juan Chingo die Weltwirtschaftskrise, die sich mit vollem Schwung auf eine „neue Phase“ zubewegt, die besonders die sogenannten „Schwellenländer“ betrifft und speziell den chinesischen Riesen. Der Autor argumentiert, dass die Entwicklung der neuen Elemente der Krise die Ambitionen von Peking auf die Probe stellen wird.

Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe von Estrategia Internacional droht die wirtschaftliche Konvulsion in China, in Verbindung mit der neuen Geldpolitik der USA, einen neuen Sprung in den rezessiven Tendenzen auf internationaler Ebene sowie mögliche neue Episoden von Finanzcrashs zu provozieren Die Artikel in diesem Abschnitt sind ein Referenzpunkt zur Analyse dieser neuen Ereignisse. Im Netzwerk der sozialistischen Tageszeitungen La Izquierda Diario – mit Ausgaben auf Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Deutsch und Englisch – werden wir, wie wir es immer tun, die Entwicklung der aktuellen Krise weiter verfolgen.

Im Artikel “El imperialismo, el Estado Islámico y la contrarrevolución” analysiert Claudia Cinatti die komplexe weltweite Geopolitik angesichts des historischen Niedergangs der US-Hegemonie, welcher sich heute vor allem im Nahen und Mittleren Osten abspielt. Das schürt – neben der imperialistischen Konterrevolution – entsetzliche Phänomene wie den Islamischen Staat, den wir unbedingt aus einem marxistischen Standpunkt heraus verstehen müssen.

Wir veröffentlichen auch den Artikel von Santiago Lupe und Diego Lotito, “Europa, entre la reacción y el neorreformismo”, in dem die Autoren die wichtigsten Tendenzen analysieren, die den Alten Kontinent nach acht Jahren Wirtschaftskrise durchziehen, und die Entstehung neuer politischer Phänomene von rechts und von links – Podemos und Syriza – und ihre Grenzen diskutieren.

Schließlich veröffentlichen wir auch zwei Rezensionen. Die erste, „La economía argentina en su laberinto. Lo que dejan doce años de kirchnerismo“ vom argentinischen Wirtschaftswissenschaftler Guillermo Gigliani über das neue Buch von Esteban Mercatante. Die zweite, von Gilson Dantas, über das Buch Leben und Werk von Rosa Luxemburg von Paul Frölich.

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