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Donnelley: Für die Verstaatlichung unter ArbeiterInnenverwaltung

Artikel von San­dro Salazar, Arbeit­er der beset­zten Druck­erei Don­nel­ley in Buenos Aires

Donnelley: Für die Verstaatlichung unter ArbeiterInnenverwaltung

// Artikel von San­dro Salazar, Arbeit­er der beset­zten Druck­erei Don­nel­ley in Buenos Aires //

Aus dem großen Arbei­t­erIn­nen­tr­e­f­fen am 16. August vor den Toren des von uns beset­zten Don­nel­ley-Werks, zusam­men mit dem Betrieb­srat von Lear, sind wir gestärkt her­vorge­gan­gen. Als wir mit Fah­nen und Trom­meln in den Hän­den die Fab­rik ver­ließen, wur­den wir von Tausenden im Chor begrüßt: „Hier sind sie, das sind die, Arbei­t­erIn­nen ohne Chef!“ Die gle­ichen Zeilen, mit denen wir bish­er die Arbei­t­erIn­nen von Zanon besun­gen haben. „Hört es, Don­nel­ley und Lear – der gle­iche Kampf!“ und: „Ein­heit der Arbei­t­erIn­nen!“ Seit Jahren kämpfen wir für die Ein­heit der Klasse, um diese Schlacht­en zu schla­gen. Es war gutes Wet­ter am Son­ntag und es half uns, mit unseren Fam­i­lien und der Nach­barschaft ein Sol­i­dar­itäts­fes­ti­val mit Bands und Straßen­musik­erIn­nen aus der Gegend zu bege­hen. Unsere Kinder guter Dinge zu sehen, sie als unsere Unter­stützerIn­nen zu sehen, gibt uns Kraft.

Nach diesem Woch­enende, an dem wir einen starken Aus­druck von Klassen­sol­i­dar­ität erlebten, gin­gen wir in die zweite Woche der Arbei­t­erIn­nenselb­stver­wal­tung. Wir druck­ten eine Rei­he von Pub­lika­tio­nen des Atlán­ti­da-Ver­lags und gin­gen nach har­ter Arbeit nach Hause. Trotz Schlaf­man­gel und Müdigkeit kamen wir tags darauf voller Enthu­si­as­mus und Energie zur Arbeit, wie wir es uns nie vorstellen kon­nten. Wir begrüßen uns jeden Tag freudig mit ein­er Umar­mung und lösen die Prob­leme, die die Eigen­tümerIn­nen uns hin­ter­lassen haben. Zwis­chen uns entste­ht eine große Kam­er­ad­schaftlichkeit.

Diese Woche kon­nten wir mit offe­nen Armen viele Kol­legIn­nen emp­fan­gen, die zuvor unentschlossen waren, ob sie sich uns anschließen. Sie wur­den von den Dro­hun­gen des alten Chefs und der Per­son­alerIn­nen eingeschüchtert. Dank unser­er Kol­le­gin Algi­ra organ­isieren wir nun auch eine Cafe­te­ria und eine Kranken­sta­tion selb­st. Die Frauenkom­mis­sion von Don­nel­ley ver­bre­it­et unseren Kampf und sam­melt Geld vor Fab­rik­toren, in Stadtvierteln und an Uni­ver­sitäten. Immer wenn Prob­leme anste­hen, helfen sie uns, sie sind immer aktiv vor unserem Fab­rik­tor, 24 Stun­den am Tag. Es gibt GenossIn­nen, die dort jede Nacht mit Zel­ten ver­brin­gen, mit ihren Kindern. Denn ihr Platz ist bei uns im Kampf. Dank der Frauen wächst die Sol­i­dar­ität in den Stadtvierteln, bei Fre­undIn­nen, Studieren­den und Arbei­t­erIn­nen ander­er Fab­riken, die uns mit Essen und Geld für den Kampf­fonds unter­stützen.

Jeden Tag hal­ten wir eine Vol­lver­samm­lung ab. Das tat­en wir bere­its zuvor, als die Fab­rik noch unter der Dik­tatur des alten Chefs stand. Jet­zt tre­f­fen wir uns, um die Pro­duk­tion zu organ­isieren und über poli­tis­che Lösun­gen zu sprechen, um unsere Jobs und die Einkom­men unser­er Fam­i­lien zu sich­ern. Für uns sind das Fra­gen von Leben und Tod, denn für viele bedeutet der Ver­lust des Arbeit­splatzes, nie wieder einen neuen zu find­en. Die Straße ist hart. Viele von uns sind schon älter oder haben durch die Jahre Beruf­skrankheit­en bekom­men.

Sog­ar Präsi­dentin Cristi­na Kirch­n­er sagt, dass die Bankrott-Behaup­tung des alten Chefs Betrug ist. Deshalb ver­w­er­fen wir diese Behaup­tung und wer­den auch keinen Treuhän­der anerken­nen, der uns von einem Gericht geschickt wird, um die Geschäfte und Einkün­fte zu regeln. Während ein­er Ver­samm­lung beschlossen wir ein­stim­mig, dass der einzige Weg zum Erhalt unser­er Jobs die entschädi­gungs­freie Enteig­nung des Betriebs und seine Ver­staatlichung unter Arbei­t­erIn­nen­ver­wal­tung ist. Und wir schre­it­en voran, indem wir einen Kampf­plan entwick­eln, der die Arbei­t­erIn­nen­ver­wal­tung erweit­ert, sich mit anderen Kämpfen für die entschädi­gungslose Enteig­nung und Ver­staatlichung unter Arbei­t­erIn­nen­ver­wal­tung koor­diniert, die Unter­stützung der Gesellschaft gewin­nt und fordert, dass die Druck­erei-Gew­erkschaft und alle Zen­tral­gew­erkschaften einen Streik her­beiführen.

Die Regierung ver­sucht diese Per­spek­tive zu bestre­it­en. Min­is­ter Toma­da behauptete, Don­nel­ley könne nicht ver­staatlicht wer­den, weil es kein Dien­stleis­tungs­be­trieb ist. Dieses Argu­ment ist falsch, denn die Regierung ver­staatlichte bere­its die Grafik­fir­ma Cic­cone. Die Regierung und die Gew­erkschaft wollen, dass wir eine pri­vate Koop­er­a­tive grün­den. Doch wir Arbei­t­erIn­nen wis­sen: Das ist keine Lösung, son­dern eine Falle. In ein­er Koop­er­a­tive müssen wir uns selb­st aus­beuten. Auf dem kap­i­tal­is­tis­chen Markt kön­nen wir nicht mit multi­na­tionalen Monopolen konkur­ri­eren, die Mil­lio­nen in die neuesten Maschi­nen investieren kön­nen und sich durch die FAIGA vere­ini­gen wer­den, um uns zu Fall zu brin­gen, weil wir zeigen, dass wir die Eigen­tümerIn­nen nicht brauchen, um zu pro­duzieren; dass wir eine poli­tis­che Gefahr für die Kap­i­tal­istIn­nen. Weit­er­hin müssen viele Investi­tion­s­güter importiert wer­den und das kann uns ruinieren, sodass wir die Fab­rik verkaufen müssen, wie es mit Bruk­man geschehen wird.

Der Verkauf an ein anderes Unternehmen ist keine Lösung. Der Geschäfts­mann K. Szpol­s­ki, Eigen­tümer divers­er Massen­me­di­en-Unternehmen, bekun­dete Inter­esse am Kauf von Don­nel­ley. Dafür wird er Arbei­t­erIn­nen ent­lassen und die Arbeits­be­din­gun­gen verän­dern müssen. Wir ver­trauen keinen UnternehmerIn­nen, die bankrotte Fir­men aufkaufen, nur um sie zu fled­dern, wie es mit Parana Met­al oder Mas­suh Paper Mill geschehen ist.

Als Don­nel­ley-Arbei­t­erIn­nen wis­sen wir, dass dieser Betrieb prof­ita­bel ist und hohe Prof­ite abwirft. Don­nel­ley ist eine große Druck­erei. Eine der wichtig­sten des Lan­des. Der Staat muss sie ver­staatlichen, aber unter Ver­wal­tung der Arbei­t­erIn­nen. Wir haben bere­its gezeigt, dass wir die Fab­rik selb­st betreiben kön­nen. Wir wollen alle Arbeit­splätze erhal­ten und die Gewinne in den Dienst der Gesellschaft stellen, indem wir Büch­er und Jour­nale für alle ver­füg­bar machen, beson­ders für die Men­schen, die wegen ihrer Armut zur Zeit keinen Zugang zu kul­turellen Erzeug­nis­sen haben.

Im Nation­alkongress ver­ab­schiede­ten wir gemein­sam mit der Front der Linken und Arbei­t­erIn­nen (FIT) einen Geset­ze­sen­twurf zur entschädi­gungs­freien Enteig­nung von Don­nel­ley und ihrer Ver­staatlichung unter Arbei­t­erIn­nen­ver­wal­tung. Unser Entwurf hat bere­its die Unter­stützung weit­er­er Blocks, wie die Frente para la Vic­to­ria (FPV), el Gen, Unión Pop­u­lar, und wir sam­meln weit­er Unter­schriften. Wir wis­sen, dass wir eine starke lan­desweite Kam­pagne und einen Kampf auf den Straßen brauchen, um die Enteig­nung und Ver­staatlichung zu erre­ichen.

Orig­i­nal auf Spanisch

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