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Die Jugend Baltimores erhebt sich

Stellungnahme von Baltimore Fightback

Die Jugend Baltimores erhebt sich

// Stellungnahme von Baltimore Fightback //

Der Tod von Freddie Gray am 19. April ist die neuste Episode einer langen Folge von rassistischen Morden der Polizei in Baltimore und im ganzen Land.

Die #BlackLivesMatter Bewegung gab der Wut und der Unzufriedenheit der unterdrückten schwarzen Community in den Vereinigten Staaten einen Ausdruck.

Durch die Nachrichten der brutalen Ermordung Grays füllten Tausende Leute in Baltimore voller Empörung die Straßen. Nach mehren Tagen des friedlichen Protestes begann die Stadtregierung Baltimores mit massenhaften Festnahmen, sie mobilisierte und setzte das repressive Baltimore Police Department (BPD) ein, die Polizeikräfte der Mittelatlantikregion, die Staatspolizei von Maryland und die Nationalgarde, genauso wie sie eine strikte Sperrstunde einführten – alles mit der Absicht, die Erhebung zu unterdrücken.

Die Welt hat ihre Aufmerksamkeit auf Baltimore gerichtet.

Friedliche Proteste vs gewalttätiger Aufruhr

PolitikerInnen, PolizistInnen und die Medien erzeugen eine falsche Unterscheidung zwischen „friedlichen Protestierenden“, welche die Spielregeln einhalten und den „gewalttätigen Aufständischen“, welche in den letzten Tagen auftauchten, angeblich um zu zerstören und Schande über die Stadt zu bringen.

Die Jugendlichen, die sich die Straßen genommen haben, werden als SchlägerInnen und PlünderInnen dargestellt, deren Handlungen ohne Sinn und Verstand sind. Die Polizei hat sogar eine Stellungnahme veröffentlicht, dass Gangs ihre Kräfte vereinigen um PolizistInnen zu ermorden. Diese Verzerrungen sind Versuche, die Legitimität des Zorns der schwarzen Community von Baltimore unter den Teppich zu kehren und die Repression zu rechtfertigen.

Die Leute, die die Polizei am Montag konfrontierten, waren SchülerInnen von der High School – schwarze Jugendliche aus West Baltimore – die das Hauptziel der Polizeigewalt sind und jeden Tag Belästigung, Schlägen und Demütigung ausgesetzt sind. Sie unterscheiden sich nicht von den Tausenden aus West Baltimore, die sich am 25. April am Rathaus versammelten, um Gerechtigkeit für Freddie Gray und das Ende der Polizeimorde zu fordern.

Die Bewegung:

Die Bewegung begann spontan und ungeplant, mit Teilnahme der Mehrheit der schwarzen Frauen und Männer aller Altersstufen. Die Erhebung wird nicht von einer geheimen Verschwörung angetrieben und keine Organisation hat den Hut auf. Währenddessen kommen AnführerInnen auf, die zwischen den Mächtigen und den rebellischen Communities, die sie vorgeben zu vertreten, vermitteln wollen. Die historischen AnführerInnen der schwarzen Community, wie Jamal Bryant vom Empowerment Temple und Al Sharpton drängen die Leute dazu, zu Hause zu bleiben und „die Gewalt zu beenden“. Ihre Nachricht des bedingungslosen Friedens und ihre Verurteilung der „gewalttätigen Protestierenden“ erzeugen Spaltungen und desorganisieren die Bewegung. Die bevormundenden Aufrufe zu „Frieden“ fördern das Vertrauen in die selben Institutionen, die die unterdrückenden Zustände bewahren.

Die protestierende Jugend trotzt dem Ruf nach Ruhe und zeigt, dass ihre Geduld am Ende ist. Wir stehen bei der Jugend, wenn sie sich von der passiven Akzeptanz abgrenzt. Gleichzeitig heißen wir Plünderungen oder vereinzelte Konfrontationen mit der Polizei nicht gut. Wenn solche Aktionen von isolierten Gruppen statt einer Massenmobilisierung getragen werden, ist das wahrscheinlichste Ergebnis ein Rückschlag der staatlichen Repression: Gefängnis und Verfolgungen, welche die am stärksten Mobilisierten treffen. Das wird schädlich für den Aktivismus sein und Leute der Teilnahme abschrecken.

Der einzige fortschrittliche Weg für die Bewegung ist, die kooptierten AnführerInnen hinter sich zu lassen, auf unsere eigene Kraft der Mobilisierung zu vertrauen und Schulter an Schulter mit der #BlackLivesMatter-Bewegung im ganzen Land zu kämpfen.

Mit Freddie Grays Tod wurden Baltimores Straßen zur Bühne des Zusammenlaufens für #BlackLivesMatter. AktivistInnen aus Ferguson, Charleston, DC, NYC und Philadelphia beteiligten sich an den Aktionen. Obwohl es abgestimmte Bemühungen gab, die Protestierenden zu diskreditieren und sie als „AnstifterInnen von außen“ abzustempeln, sollten wir sie begrüßen. Sie suchen genauso Verteidigung und Gerechtigkeit für Walter Scott, Tamil Rice, Eric Garner, Michael Brown, Akai Gurley and unzählige weitere. Ihr Kampf ist auch unserer.

Wir fordern:

  • Anklage und Verurteilung der PolizistInnen, die für den Tod von Freddie Gray verantwortlich sind. Wir fordern, dass sie für ihr Verbrechen bestraft werden. Gleichzeitig glauben wir nicht, dass das Wegsperren dieser PolizistInnen etwas an der repressiven Rolle der Polizei ändern wird. Die Polizei kann nicht neu trainiert oder aus ihrer Rolle als rassistische, repressive Kraft herausgelöst werden. Das ist der einzige Zweck ihrer Existenz. Sie wird niemals den Interessen der ArbeiterInnen und der Armen dienen.
  • Rassismus, alleine gesehen, ist ein ungeheuerliches und entmenschlichendes System gegen das wir in all seinen Aspekten kämpfen müssen. Gleichzeitig verstehen wir, dass Rassismus ein Instrument zur Spaltung der ArbeiterInnenklasse und der Aufrechterhaltung der Klassenunterdrückung ist.
  • Wir denunzieren den massiven Einsatz der Nationalgarde, der Bereitschafts- und der Staatspolizei. Diese Kräfte werden eingesetzt, um umfassend soziale Unzufriedenheit zu unterdrücken. Die gewalttätigen Ausbrüche sind Antworten auf die düsteren Bedingungen, denen die schwarze Community ins Gesicht sieht.
  • Wir verurteilen die Ausgangssperre, die von der Bürgermeisterin von Baltimore, Stephanie Rawlings-Blake und den Ausnahmezustand, der vom Gouverneur von Maryland, Larry Hogen, verhängt wurden.
  • Wir fordern, dass Bürgermeisterin Rawlings-Blake für den Mord an Freddie Gray und jeden Missbrauch, den die BPD während ihrer Amtszeit ausübte, zur Rechenschaft gezogen wird.
  • Wir fordern die sofortige Freilassung all jener, die für die Teilnahme an den Protesten inhaftiert wurden und dass die Staatsanwaltschaft alle Anklagen gegen sie fallen lässt.
  • Wir rufen alle Jugendlichen, StudentInnen und SchülerInnen, ArbeiterInnen und die schwarze Community auf, ihre Kräfte zu bündeln. Wir müssen Solidarität aufbauen und unsere natürliche und spontane Kraft kristallisieren, indem wir uns um ein gemeinsames Ziel, gegen einen gemeinsamen Feind vereinigen. Eine Schädigung von Einer/Einem von uns ist eine Schädigung von uns allen.
  • Wir schlagen vor, lokale Versammlungen in der Nachbarschaft durchzuführen, wo TeilnehmerInnen und Communities diskutieren und Entscheidungen treffen könnten, auf Grundlage von gemeinsamen programmatischen und aktionistischen Zielen.
  • Wir rufen zur Solidarität der ArbeiterInnenklasse auf. Alle ArbeiterInnen sollten sich neben den Protestierenden vereinigen: ArbeiterInnen im Einzelhandel und der Gastronomie in der #FightFor15 Bewegung, Gewerkschaften, Progressive, AktivistInnen und Linke.
  • Gewerkschaften sollten streiken und die Stadt still legen. Kein business as usual, bis wir Gerechtigkeit für Freddie Gray erreicht haben.

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