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Azubis: unterdrückt und eingeschüchtert im Arbeitsalltag

Azubis: unterdrückt und eingeschüchtert im Arbeitsalltag

Lange Arbeit­szeit­en, unbezahlte Über­stun­den, unter­halb vom Min­dest­lohn schuften: So sieht der Arbeit­sall­t­ag eines Durch­schnitts-Azu­bis aus. In genau dieser Sit­u­a­tion befind­et sich auch Sebas­t­ian, der auf­grund des Stress­es mit sein­er Bereichsleiter*in den Namen seines Betriebes nicht nen­nen möchte.

Sebas­t­ian ist Azu­bi bei einem Berlin­er Her­steller für Innenausstat­tung, der größ­ten­teils Großraum­büros und Arzt­prax­en beliefert. Er find­et sich dort in einem prekären Arbeitsver­hält­nis wieder, wie er selb­st beschreibt:

“In dem Betrieb arbeit­en 50 Per­so­n­en, trotz­dem gibt es keinen Betrieb­srat. So etwas wird von den Bereichsleiter*innen aus Eigen­nutz unter­drückt, da diese selb­st Teilhaber*innen der Fir­ma sind.”

Dass die Bereichsleiter*innen gle­ichzeit­ig auch Teilhaber*innen der Fir­ma sind, ist logis­cher­weise ein großes Prob­lem für die Organ­isierung in dem Betrieb, aber auch für die Pro­duk­tion, wie Sebas­t­ian erk­lärt.

“Das Prob­lem ist, dass die Bereichsleiter*innen vol­lkom­men ungeeignet für ihre Posi­tion sind, da sie selb­st nie den Beruf der Arbeiter*innen, die sie leit­en, aus­geübt haben. So arbeit­en sie extrem unko­or­diniert. Beispiel­sweise startete die Verkaufs-Bere­ich­sleitung einen Sale von 20%, jedoch waren die benötigten Teile noch gar nicht gefer­tigt und wir Arbeiter*innen mussten 12 Stun­den im Akko­rd arbeit­en. Die ent­stande­nen Über­stun­den wur­den uns natür­lich auch nicht bezahlt.”

Ver­suche von den Arbeiter*innen, in dem Betrieb selb­st einen Betrieb­srat zu ini­ti­ieren, wur­den schon aus den eige­nen Rei­hen erstickt, sodass kämpferische Arbeiter*innen den Betrieb schon längst ver­lassen haben, beschreibt Sebas­t­ian.

Prob­lema­tisch ist außer­dem, dass die Arbeiter*innen in solch kleinen Betrieben von Gew­erkschaften oft gekon­nt ignori­ert wer­den, da Organ­isierung und Arbeit­skampf auf solch kleinem Niveau ein großer Aufwand ist. Von ein­er Gew­erkschaft haben die Arbeiter*innen in dem Betrieb dementsprechend noch nie etwas gehört.

Die Sit­u­a­tion von Sebas­t­ian sowie die von fast allen anderen Azu­bis und jun­gen Arbeiter*innen in Deutsch­land ist höchst alarmierend. Sie kämpfen mit prekären Arbeitsver­hält­nis­sen, mit ihren eige­nen Bereichsleiter*innen und deren Repres­sion und vor allem mit der Abwe­sen­heit der Gew­erkschaften, die sich in die weni­gen Groß­be­triebe zurück­ge­zo­gen haben und den Kapitalist*innen in den Star­tups und Klein­be­trieben freie Hand lassen.

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