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Amazon bestraft Kranke — die Beschäftigten streiken

Bei Amazon wird Beschäftigten der Lohn gekürzt, wenn sie krank sind. Nicht nur das: Auch ihre Kolleg*innen verdienen dann weniger. Es gibt aber auch Protest gegen dieses System aus Leistungsdruck und gegenseitiger Kontrolle.

Amazon bestraft Kranke - die Beschäftigten streiken

Beim Onlin­ev­er­sand­händler Ama­zon gibt es ein an Krankheit­stage gekop­peltes Prämien­mod­ell. In der Ama­zon-Betrieb­svere­in­barung heißt es dazu: “Ziel des Neugestal­tung ist eine Reduk­tion der soge­nan­nten paid-sick­ness-rate”. Im Klar­text heißt das, dass kranke Mitarbeiter*innen mit Kürzun­gen von bis zu 10 Prozent ihres Brut­tolohns bestraft wer­den sollen.

Boni oder Gehaltskürzung?

In der Betrieb­svere­in­barung und in offiziellen State­ments spricht Ama­zon von Boni und argu­men­tiert, dass Arbeiter*innen im Krankheits­fall ja nicht der Lohn, son­dern nur ein Bonus gekürzt wird. Man sollte sich aber vor Augen hal­ten, dass Ama­zons Lohn­sys­tem stark auf Boni und Prämien auf­baut, wie zum Beispiel den Erfol­gsprämien. Dadurch müssen Angestellte, um den gle­ichen Lebens­stan­dard wie im let­zten Monat zu erre­ichen, min­destens genau so wenig krank sein und genau­so hart arbeit­en wie im Monat davor. Dadurch entste­ht ein per­ma­nen­ter Leis­tungs­druck, der in vie­len Fällen genau zu einem führt — zu mehr Krankheit­en.

Kranke werden zu Kamaradenschweinen

Der Gesund­heits­bonus basiert aber nicht nur auf indi­vidu­ellen Krankheit­sta­gen, son­dern auch auf den Krankheit­sta­gen von Kolleg*innen der­sel­ben Abteilung. Wenn also Mitarbeiter*innen aus ein­er Abteilung oft krank sind, bekom­men alle aus der Abteilung weniger Lohn. Somit entste­ht durch die Gesund­heit­sprämie neben dem indi­vidu­ellen Leis­tungs­druck auch eine starke neg­a­tive Abhängigkeit von den anderen Beschäftigten. Sie wer­den dadurch gegeneinan­der aus­ge­spielt.

Arbeiter*innen wer­den auf Grund dieses Lohn­mod­ells gezwun­gen, auch krank zur Arbeit zu erscheinen, um nicht unter der dop­pel­ten Bestra­fung des Lohn­mod­ells und dem Unmut der Kolleg*innen zu lei­den. Daran ist auch gut zu erken­nen, dass diese Sys­tem nur auf kurzfristi­gen Prof­it für Ama­zon und nicht auf die Gesund­heit der Mitarbeiter*innen aus­gelegt ist.

Gegenwind aus Belegschaft und Gewerkschaft

Ama­zon zog durch die Ein­führung dieses Prämien­mod­ells einiges an Aufmerk­samkeit von Presse und Gew­erkschaften auf sich. Ver.di hat­te dazu am Fre­itag, dem “Welt­ge­sund­heit­stag”, an vier Stan­dorten zum Streik aufgerufen. Die Beschäftigten kämpfen nun schon seit genau vier Jahren mit Streiks tapfer für einen Tar­ifver­trag und bessere Bedin­gun­gen beim Online­händler. Und auch wenn Ama­zon es abstre­it­et: Sie haben dabei schon einige Verbesserun­gen durch­set­zen und Angriffe zurückschla­gen kön­nen. Um den Tar­ifver­trag zu erre­ichen, ist aber noch einiges an Kämpfen nötig.

Umso bess­er, dass es nun wieder zu koor­dinierten Aktio­nen an mehreren Stan­dorten kam. Damit wurde die Strate­gie vere­inzel­ter Streiks, wie es sie in der let­zten Zeit unter dem Stich­wort der “Nadel­stich­tak­tik” gegeben hat­te, zumin­d­est unter­brochen. Dies ist wichtig, um die volle Kampfkraft der Kolleg*innen zu entwick­eln. Es erle­ichtert auch die Sol­i­dar­ität aus anderen Sek­toren.

One thought on “Amazon bestraft Kranke — die Beschäftigten streiken

  1. Angela Klein sagt:

    das Benehmen von Ama­zon ist men­sche­nun­würdig. Spal­ten und Herrschen ist die Herrschaft der Bes­tim­mer bei Ama­zon. Prof­ite vor Men­schen. Abar­tig und asozial.

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