Jugend

AfD raus aus den Köpfen – und aus den Hörsälen

Magdeburg, 12. Januar 2017. Die „Campus Alternative“, eine der reaktionären und rechtspopulistischen Partei AfD nahestehende Hochschulgruppe an der Otto-von-Guericke Universität (OvGU) Magdeburg, hatte eine Veranstaltung im Hörsaal 6 der Fakultät für Humanwissenschaften (FHW) angesetzt. Studierende störten die Veranstaltung und warfen die AfD aus der Universität. Ein Gastbeitrag von Ludwig Bruch.

AfD raus aus den Köpfen – und aus den Hörsälen

Die geplante Veranstaltung trug den Titel „Gendermainstreaming an der Hochschule“. Der Begriff Gendermainstreaming wird nicht zuletzt auch von Frauke Petry, der Vorsitzende der rechtspopulistischen AfD, immer wieder benutzt, um Stimmung gegen progressive Projekte der Gleichberechtigung aller Menschen zu machen. 

Soweit die Planung der Mitglieder der „Campus Alternative“. Die geplante Veranstaltung machte noch am selben Abend und am darauffolgenden Morgen Schlagzeilen, in linken Medien, wie auch in bürgerlichen, zuerst allerdings in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Vermutlich jedoch nicht ganz so, wie es sich die „Campus Alternative“ vorgestellt hatte.

Was war geschehen? Die Studierenden der OvGU machten zusammen mit Arbeiter*innen und Menschen ganz unterschiedlicher sozialer Hintergründe ihren Standpunkt gegenüber den Rechtspopulistinnen und Rechtspopulisten klar: Die AfD ist hier unerwünscht.

Als André Poggenburg, Vorsitzender des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt, den Hörsaal betrat, um auf der geplanten Veranstaltung als Redner aufzutreten, erhob sich aus den Reihen des Auditoriums lautstarker Protest. Der Hörsaal war dabei so voll, wie man es selten im normalen Unialltag erlebt. Die Aussage des Protests war eindeutig: Wir wollen und dulden keinen Sexismus, Rassismus und Rechtspopulismus an der OvGU.

Von diesem Protest existieren mehrere Videomitschnitte aus verschiedenen Perspektiven, die eines eindeutig beweisen: Der Versuch einer gewalttätigen Eskalation der Veranstaltung ging von Anhänger*innen der AfD aus. Studierende, die ein Transparent hochhielten, wurden körperlich von mehreren Menschen attackiert, die mit André Poggenburg eingetroffen waren.

Schlussendlich verließen die Rechtspopulist*innen den Hörsaal auf Anweisung der Sicherheitskräfte und der, von Beginn an anwesenden, Polizei. Die Resonanz in den sozialen Netzwerken war noch am gleichen Abend groß und viele Menschen waren zurecht vom Protest begeistert. Die AfD und allen voran André Poggenburg nutzten allerdings unverzüglich die Vorfälle, um sich wie gewohnt in eine Opferrolle hinein zu stilisieren.

Das mediale Echo am Folgetage sorgte dann auch für einige Verwunderung bei so manchem Menschen, der sich am Protest beteiligt hatte. Während in linken Medien der Protest zumeist gelobt wurde, so nahmen die bürgerlichen Medien einen fragwürdigen Standpunkt ein. Dort nämlich kam es teilweise zu einer dermaßen verzerrten Darstellung des Protests, dass die AfD in ihrer „Opferrolle“ noch bestärkt wurde. Zum Teil kam es auch schlicht zu nicht haltbaren Aussagen in den bürgerlichen Medien. So war verschiedenen Orts zu lesen oder zu hören, dass die Provokation zur Gewalt von „den Linken“ (gemeint sind wohl die aktiv protestierenden Studierenden) kam. Dies wird jedoch durch die verschiedenen Videomitschnitte eindeutig widerlegt. Des Weiteren war mehrfach die Rede davon, dass die Mitglieder der „Campus Alternative“ und der AfD den Hörsaal nur unter Polizeischutz verlassen konnten, was ebenfalls nicht den Tatsachen entspricht.

Auch Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sprang der AfD zur Seite und verurteilte den Protest der Anwesenden in Hörsaal 6 als „antidemokratisch“. In ähnlicher Weise hatte sich André Poggenburg nach dem Abbruch der Veranstaltung am selben Abend auf Twitter geäußert: 

Es zeigt sich: Bürgerlicher Konservatismus und Rechtspopulismus stehen sich nahe. Nicht zum ersten Mal fällt ein hochrangiges Mitglied der CDU/CSU durch Aussagen auf, in denen der AfD und ihren Positionen zugestimmt wird.

Trotz alledem ist der erfolgreiche Protest, der zum Abbruch der Veranstaltung führte, ein starkes Zeichen aus der OvGU Magdeburg: Nein zu Chauvinismus, Sexismus und Rassismus. Eine lautstarker Absage progressiver Menschen an die Hetze der rechtspopulistischen AfD. Der Kampf gegen faschistoide Erscheinungen kann und muss überall geführt werden, auf der Straße und eben auch im Hörsaal, wie es auch Proteste an anderen Unis zeigen, wie zum Beispiel im letzten Jahr an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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