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70.000 Arbeiter*innen streiken im Norden Mexikos

Seit dem 12. Januar wurden über 40 sogenannte "Maquiladoras" an der nordmexikanischen Grenze zu den USA bestreikt – über 70.000 Arbeiter*innen beteiligten sich. Hotspot der Auseinandersetzungen ist die Großstadt Matamoros, benannt nach dem mexikanischen Unabhängigkeitskämpfer Mariano Matamoros.

70.000 Arbeiter*innen streiken im Norden Mexikos

Maquilado­ras, oder auch Maqu­lias, sind in Deutsch­land bekan­nt als “Sweat­shops”. Dort herrschen katas­trophale Arbeits­be­din­gun­gen, die die “gün­sti­gen” Preise in “unseren” Waren­häusern ermöglichen. Diese Fab­riken sind der Ursprung eines großen Teils des Prof­its, den sich die Eigentümer*innen von Zara, Nike und Co. in die eigene Tasche steck­en. Prof­ite, die von Vie­len pro­duziert wer­den, aber nur Weni­gen zugutekom­men.

Der Bun­desstaat Tau­mali­pas ist wie alle mexikanis­chen Gren­zre­gio­nen ein Maquilado­ra-Paradies. DUrch die im im NAFTA (North Amer­i­can Free Trade Agree­ment) vere­in­barten Frei­han­del­szo­nen sprossen diese Fab­riken im Nor­den Mexikos wie Pilze aus dem Boden. Amerikanis­che Konz­erne nutzen die niedri­gen Löhne im Gren­zge­bi­et, natür­lich ohne Garantien für Arbeitss­chutz und im Wis­sen der mexikanis­chen Regierung.

Ein über­wiegen­der Großteil der Arbeiter*innen sind Frauen. Sie leben in herun­tergekomme­nen Unterkün­ften, ohne Zugang zu Trinkwass­er und sind neben zahlre­ichen Arbeit­sun­fällen auch sex­uellen Beläs­ti­gun­gen aus­ge­set­zt. Tausende Fem­i­nizide (Mord an Frauen) sind in den let­zten Jahren im Nor­den Mexikos bekan­nt gewor­den.

Die hier leben­den und arbei­t­en­den Men­schen sind auch diejeni­gen, die in dieser aus­beu­ter­ischen Sit­u­a­tion den Blut­zoll zahlen müssen. Dro­genkartelle, Polizei sowie die mexikanis­che Armee gehen gegen die über­aus­ge­beuteten Arbeiter*innen mit mas­siv­er Repres­sion vor. Alles unter Mitwisser*innen- und Täter*innenschaft der Behör­den, der Offiziere, der regieren­den Politiker*innen und der US-Regierung.

Streik nur durch Druck auf die Gewerkschaftsführung

70.000 Arbeiter*innen sind nun seit dem 12. Jan­u­ar in den Arbeit­skampf überge­gan­gen. Nach­dem die Gewerkschaftssekretär*innen eine Unter­stützung des Streiks zunächst ablehn­ten, kam es zu Unmut. Die Arbeiter*innen prangerten auch den Vor­sitzen­den der Gew­erkschaft an, gemein­same Sache mit den Bossen zu machen, statt die Rechte der Arbeiter*innen zu vertei­di­gen. Der Streik wurde also gegen die Gew­erkschafts­führung durchge­set­zt. Dementsprechend kämpferisch sind auch die Forderun­gen:

Die Maquilado­ra-Beschäftigten fordern 20% mehr Lohn und einen jährlichen Bonus von 32.000 Mexikanis­chen Pesos (ca. 1500 €). Der durch­schnit­tliche Monatsver­di­enst liegt in Mexiko bei knapp 13500 MXN (ca. 630 €). Dabei sind die Real­löhne in den let­zten zehn Jahren um 6,4 % gesunken.

Perspektiven des Streiks

Führt dieser Streik zum Erfolg, wer­den die Arbeiter*innen aus Mata­moros Geschichte schreiben – gegen NAFTA sowie gegen inländis­che wie multi­na­tionale Konz­erne. Die Ausstrahlung auf die gesamte Masse der mexikanis­chen Arbeiter*innenklasse kön­nte zu weit­eren Streiks führen. Mehr noch: Diese Streiks soll­ten eine Inspi­ra­tion für die US-amerikanis­chen Arbeiter*innenklasse sein, die in den let­zten Monat­en mehrfach ihren Kopf erhoben hat, beson­ders durch die ille­gal­isierten Streiks der Lehrer*innen.

Die Sol­i­dar­ität gilt daher bei­den Streik­be­we­gun­gen, egal auf welch­er Seite der Gren­ze.

One thought on “70.000 Arbeiter*innen streiken im Norden Mexikos

  1. Jürgen sagt:

    Super Info über das, was in der Welt wirk­lich passiert. Danke dafür

    Ich wün­sche den Arbeiter*innen vollen Erfolg! !

    Jür­gen

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