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40.000 Demonstrant*innen in Paris gegen Polizeigewalt und staatlichen Rassismus

Am 2. Juni, mehr als eine Woche nach dem Tod von George Floyd in den USA, wurde in Paris eine vom Komitee "Wahrheit für Adama" initiierte Kundgebung einberufen. Eine historische Demonstration, die 40.000 Menschen zusammenführte trotzt eines Demonstrationverbotes und zahlreicher Polizeigewalt.

40.000 Demonstrant*innen in Paris gegen Polizeigewalt und staatlichen Rassismus

An diesem Dienstag um 18.30 Uhr strömten Tausende von Menschen zu der Kundgebung, zu der einige Tage zuvor das Kollektiv „Wahrheit für Adama“ einberufen hatte. Sie war Ausdruck der Revolten, die in den USA nach der Ermordung von George Floyd, der von einem Polizeibeamten erstickt wurde, ausbrachen. Auslöser war die Bekanntgabe der Ergebnisse eines medizinischen Gutachtens, mit dem die Polizeibeamten, die am Tod von Adama Traoré, der vor vier Jahren in einer Polizeistation starb, erneut entlastet werden sollten. Dieses Gutachten ist offensichtlich irreführend und rassistisch.

Um Rassismus und Polizeigewalt anzuprangern haben 40.000 Menschen vor dem Pariser Gerichtshof demonstriert. Eine davon war Assa Traoré, die Schwester von Adama, die auf France Info berichtete. Die letzten zwei Monate der Quarantäne waren durch Repression der Polizei geprägt, von der vor allem die Bewohner von den banlieues (die ärmsten Viertel von Paris) betroffen waren. Die „banlieues“ sind ohnehin schon von einer schlechten öffentlichen Gesundheitsversorgung mit überdurchschnittlich hoher Sterblichkeitsrate betroffen, obwohl viele von ihnen an der Front als Arbeiter*innen während der Corona Pandemie gearbeitet haben. Mit einer Unerbittlichkeit prangerte die Sängerin Camélia Jordana letzte Woche diese Ungerechtigkeiten im nationalen Fernsehen an und machte damit den Weg für zahlreiche Unterstützung und Berichte in sozialen Netzwerken frei: „Ich spreche von den Männern und Frauen in den Vorstädten, die jeden Morgen zur Arbeit gehen und aus keinem anderen Grund als ihrer Hautfarbe belästigt und getötet werden“.

Wenige Stunden vor der Demonstration hatte Didier Lallement, Präfekt von Paris, klar die Stellung der Regierung gezeigt indem er die Versammlung einfach verbot. Damit rechtfertigte er bereits im Voraus die Polizeigewalt während der Demonstration und sprach eine ausrückliche Form der Warnung aus. Dieses Gefühl wird noch verstärkt, wenn man sieht, wie das repressive Arsenal wenige Minuten vor Beginn der Kundgebung eingesetzt wurde.

Diese repressive Gewalt konnte jedoch die Wut und die Entschlossenheit der Demonstrant*innen nicht aufhalten. Viele Jugendliche waren an vorderster Front und setzten laut und deutlich ein Zeichen. Sie riefen: „Ich will atmen“, „Unser Leben zählt“, „Der Rassismus erstickt uns“, „Keine Gerechtigkeit, kein Frieden! „. Wie uns Florian, den wir bei der Demonstration interviewt haben, erklärt: „Unser Leben zählt nicht (…) und Verbrechen werden nicht bestraft. Sie schießen auf uns wie auf ein Kaninchen. Das geht schon zu lange so.“ Dasselbe gilt für Latifa, der uns daran erinnert, dass „Adama von den Polizisten getötet wurde. Dabei braucht es kein ‚aber‘ oder ‚Komma‘.“ In ihrer Rede beharrte Assa Traoré darauf, dass das, was in den USA passiert ist nur ans Licht gebracht hat, was in Frankreich ebenso geschieht und zwar Polizeigewalt und staatlicher Rassismus.

Dieser Kampf, der in den Medien eine neue Welle von Aufmerksamkeit hervorgebracht hat, ist ein Echo der spektakulären Aufständen der USA, was uns zeigt, dass es nicht auf ein einzelnes Land beschränkt ist und keine Grenzen haben kann. Assa sagte: „Wenn wir heute in den USA für Georges Floyd kämpfen, der unser Bruder ist, dann kämpfen wir für Adama“. Denn wenn sich die französischen Medien heute mehrheitlich auf die Seite der amerikanischen Demonstrant*innen stellen, vertuschen sie weiterhin die Gewalt, die in Frankreich, in seinen „banlieues“ oder in seinen Kolonien weitergeht.

Am Ende der Kundgebung ging eine Demonstration ruhig weg, um weiterhin „Gerechtigkeit!“ zu fordern. Die Polizei leitete daraufhin an verschiedenen Orten Gewalt ein, zeigte damit ihre Feindseligkeit gegenüber den Demonstrant*innen. Sie feuerten Tränengas ab und überrannten mehrmals die Menge, um die ruhige, aber entschlossene Menge zu zerstreuen. Demonstrant*innen berichteten, sie hätten Tränengas abbekommen als sie versuchten sich in einen U-Bahn-Eingang zu flüchten. Daraufhin kam es zu Zusammenstößen an der Porte de Clichy, die zu 18 Verhaftungen führten.

Eine Woche nach der Ermordung von George Floyd, nach diesem neuen rassistischen und falschen Bericht der Polizei über Adamas Tod markiert diese große Versammlung, die durch die Anwesenheit vieler junger Menschen und bekannten Persönlichkeiten gekennzeichnet ist, einen wichtigen Schritt darin den Schleier über den zutiefst rassistischen und repressiven Charakter des französischen imperialistischen Staates zu enthüllen. Am Samstag dem 30. Mai trotzen 10.000 Menschen dem Demonstrationsverbot mit dem Solidaritätsmarsch (eine Demonstration für die Rechte der Menschen ohne Papier besonders in dieser Gesundheitskrise). Diese historische Mobilisierung gegen Polizeigewalt in Paris ist Teil der Vervielfachung der Kundgebungen auf internationaler Ebene. Lasst uns mehr denn je für Gerechtigkeit und Wahrheit für George und Adama kämpfen!

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