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Erster Mai in Kassel: Bericht einer H&M-Beschäftigten

Eine H&M-Beschäftigte aus Kassel berichtet, warum sie am ersten Mai auf die Straße gegangen ist und wie sie die kämpferische Demo erlebt hat.

Erster Mai in Kassel: Bericht einer H&M-Beschäftigten
Foto: Camilo Concha / shutterstock.com

Als Anfang März Sanktionen gegen Russland verhängt wurden und sich viele Unternehmen von dort zurückgezogen hatten, hieß es seitens H&M, dass dies für die Filialen in Russland nicht infrage komme, da die Angestellten schließlich nichts für den Krieg können und nicht darunter leiden sollten. Das Statement fand ich stark und war daher sehr enttäuscht als ich erfuhr, dass sich H&M kurze Zeit später doch dafür entschied, es anderen großen Unternehmen gleichzutun.

Sämtliche Filialen in Russland und Belarus wurden dicht gemacht. In einer internen Stellungnahme hieß es lediglich, dass man die Situation laufend beobachten werde und alles dafür tun werde, die Angestellten zu unterstützen. Es wurde aber nicht deutlich, wie diese Unterstützung aussehen werde. Im selben Statement hieß es weiter, dass die Filialen in der Ukraine aus Gründen der Sicherheit geschlossen wurden und dass die Angestellten Gehaltsvorschüsse bekommen würden.

Zusätzlich dazu gäbe es Zugang zu psychologischer Betreuung und die Möglichkeit für vorübergehende Beschäftigung in Nachbarländern. Diese ungleiche Behandlung der eigenen Angestellten in diesen schrecklichen Zeiten geht gar nicht klar. H&M ist einfach nur heuchlerisch, der Textilgigant hockt auf einem Haufen Geld und verfügt über Unmengen Kleidung, die einfach an Geflüchtete gespendet werden könnten.

Ich bin am 1. Mai demonstrieren gegangen, um solidarisch mit den Arbeiter:innen international zu sein. Gegen Krieg, NATO, Aufrüstung und beschissene Sanktionen, für die offensichtlich die Arbeiter:innenklasse bezahlt. Ich fordere für meine Kolleg:innen in der Ukraine, Russland und Belarus 100 Prozent Lohnfortzahlung!

Im Folgenden möchte ich kurz von der Demo am 1. Mai berichten. In Kassel startete die Demo um 10 Uhr mit einigen Reden auf dem Königsplatz, danach zog sie weiter in Richtung Nordstadt. Die Nordstadt ist historisch ein Arbeiter:innenviertel. Doch auch hier steigen ständig die Mieten und Menschen werden an den Rand der Stadt verdrängt.

In den Reden und auf der Straße waren viele Themen, darunter der Krieg in der Ukraine, der Angriff der Türkei auf Kurdistan, faire Löhne, bezahlbare Wohnungen und der Kampf gegen das Patriarchat präsent. Die Demo sollte im Nordstadtpark mit dem üblichen Maifest enden, einige Teilnehmende zogen jedoch weiter.

Es sollte noch nicht vorbei sein mit der kämpferischen Stimmung, welche sich auch durch die Polizei nicht dämpfen ließ. Unter Rufen “kein Vergeben, kein Vergessen!”, ging es weiter über die Holländische Straße, vorbei an dem Ort, wo Halit Yozgat vom NSU ermordet wurde. Mit “Hoch die internationale Solidarität!” und Aufrufen zu Streiks in der Care Arbeit erreichte die Demo ihr Ziel und fand ihren kämpferischen Abschluss.

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