„Wir sehen den Umgang des Vorstands mit uns als miserabel an“
Am 17.11. hat die Linksjugend Solid Magdeburg an einer Demonstration gegen die Vorstellung des neuesten Buches von Bodo Ramelow teilgenommen. Danach gab es Anfeindungen sowohl vom Stadt- als auch vom Landesvorstand der Linkspartei.
Am 17.11. habt ihr euch an einer Demonstration gegen die Vorstellung des Buches von Ilko-Sascha Kowalczuk und Bodo Ramelow beteiligt. Warum?
Vorab wollen wir klarstellen, dass wir uns nur an der Demonstration beteiligt haben, so wie es in der Frage auch ausgedrückt wurde. Wir haben sie nicht organisiert.
Wir haben für sie geworben und waren auch vor Ort, da wir die Inhalte und Meinungen, die in dem Buch “Die neue Mauer” vermittelt werden, nicht teilen.
Unsere Kritik an Bodo Ramelow haben wir ja bereits in unserem Post, der zur Demonstration aufgerufen hat, kundgetan. Wir sehen Bodo Ramelow nicht als Genossen an, weil er sich nicht wie einer verhält.
Wie ist die Kundgebung verlaufen, was waren die wichtigsten Themen und was habt ihr eingebracht?
Im Vorhinein wollen wir uns bei den Organisator:innen der Demo bedanken. Wir bedanken uns, dass diese stattfinden konnte und wir die Aufmerksamkeit auf Ramelows schädliches Verhalten richten konnten.
Bei der Demo wurden mehrere Redebeiträge gehalten und es wurden Demosprüche gerufen. Hauptsächlich lag der Fokus auf dem Schweigen von Bodo über den Genozid an den Palästinenser:innen.
Zur Demonstration brachten wir ein Banner mit. Das Banner sollte Aufmerksamkeit auf Ramelows sexistisches Verhalten gegenüber Genossinnen aufmerksam machen.
Weiterhin war ein Journalist der ARD vor Ort. Dieser hat versucht, einen minderjährigen Teilnehmer zu interviewen und hat auch nicht aufgehört, nachdem mehrmals gerufen wurde, dass dieser minderjährig ist. Generell war das Verhalten des Journalisten sehr aufdringlich und auch schädlich den Demonstrant:innen gegenüber.
Im Anschluss wurdet ihr vom Stadtvorstand der Linkspartei Magdeburg kontaktiert, um eure Kritik an Bodo Ramelow zu unterbinden. Was denkt ihr dazu?
Nach der Demonstration hat sich der Stadtvorstand der Linkspartei Magdeburg nicht bei uns gemeldet. Wir bekamen lediglich eine Nachricht nach unserem Post von einem Mitglied des Stadtvorstandes. In dieser Nachricht wurden wir gebeten, unsere Wortwahl anzupassen und ein Statement zu dem Post zu veröffentlichen.
Nach unserem Post hat sich einerseits die Linke Magdeburg in einem Instagram Post von uns distanziert. In ihrem Statement wurde hauptsächlich unsere Ausdrucksweise kritisiert. Wir verstehen einerseits, dass unsere Wortwahl nicht der Debattenkultur der Partei die Linke entspricht. Andererseits sehen wir eine reine Kritik unserer Wortwahl als mangelhaft an, da wir eine Jugendorganisation sind und eine solche Kritik stark intellektualistisch ist.
Die Landesvorsitzenden haben sich auch von uns distanziert. In ihrem Instagram-Statement schrieben sie, dass unser Post “weder in der Art der Auseinandersetzung, geschweige denn inhaltlich akzeptabel” sei. Außerdem wird uns vorgeworfen, bewusst mit Unwahrheiten zu hantieren und zu verleumden. Diese Vorwürfe weisen wir von uns.
Wir haben in unserem Statement zu dem Post die Landesvorsitzende gebeten, uns aufzuzeigen, wo wir mit Unwahrheiten hantiert haben. Dies geschah nicht.
Generell haben weder der Stadtvorstand noch die Landesvorsitzenden nach der Demonstration und unserem Statement zu uns Kontakt gesucht.
Wir empfinden diesen Umgang mit uns als miserabel. Wenn wir überhaupt kontaktiert wurden, geschah dies relativ merkwürdig.
Wir sehen unseren Post auch als wichtig an, da wir nicht zu einem Genozid schweigen wollen und vor allem, wenn ein Mitglied des Bundestages aus der Partei die Linke zu diesem Genozid schweigt, sehen wir es als wichtig, dies anzukreiden.
Wie steht ihr dazu, dass Ramsis Kilani aus der Linkspartei ausgeschlossen wurde, während Bodo Ramelow von den verschiedensten Führungsebenen der Partei immer wieder in Schutz genommen wird?
Wir kritisieren diese Verläufe sehr stark. Unserer Meinung nach ist ein Ausschluss, der aufgrund von palästinasolidarischen Äußerungen beruht, stark zu kritisieren.
Außerdem sehen wir ein großes Problem darin, dass Personen, wie Bodo Ramelow, die gegen linke Ideale handeln nicht aus der Partei ausgeschlossen werden.
Direkt daran angeschlossen wollen wir unsere Solidarität mit allen weiteren Genossis kundgeben, die auch aufgrund ihrer palästinasolidarischen Haltung jetzt auch von Ausschlussverfahren betroffen sind.
Für uns ist die Partei die Linke im Moment viel zu palästinaunsolidarisch.
Angesichts der richtungsweisenden Konflikte, die sich an dieser Frage zeigen: Was für eine Perspektive seht ihr für die Linkspartei bei den kommenden Landtagswahlen in Sachsen Anhalt?
Grundsätzlich sehen wir, dass die Partei die Linke mit ihrem jetzigen Vorgang gegen viele Köpfe stößt. Wir haben trotzdem die Hoffnung, dass sie als Linke gegen den Faschismus angehen kann. Für Kooperation stehen wir weiterhin offen, da wir grundsätzlich auch gegen den Faschismus stehen und die Bedrohung der AFD und CDU sehen.