Vivantes-Töchter: Gekündigte Sozialarbeiterin spendet Tausende Euro an Streikkasse
2023 hat unsere Genossin Inés Heider viel Solidarität erfahren. Nun gibt sie einen Teil davon zurück und spendet 2750 Euro an die Streikkasse der Beschäftigten bei den Vivantes-Töchtern.
77 Menschen waren dem Spendenaufruf von Leonie Lieb gefolgt. Die Münchener Hebamme hatte darum gebeten, für die Schulsozialarbeiterin und revolutionäre Aktivistin Inés Heider zu spenden. Diese war fristlos gekündigt worden, weil sie ihre Kolleg:innen auf eine Kundgebung gegen die Sozialkürzungen in Berlin-Neukölln und die Möglichkeit, eine Betriebsgruppen zu gründen, aufmerksam gemacht hatte.
Das heißt: Die Gewerkschafterin Inés hatte von heute auf morgen keinen Job mehr und dementsprechend auch kein Geld. Leonie sammelte daraufhin 2.750 Euro, weil sie der Meinung war, dass Kämpfen sich lohnt. Wenige Monate zuvor war sie von ihrem Arbeitgeber abgemahnt worden, weil sie mit der Presse über ihre Arbeitsbedingungen gesprochen hatte. Die Münchnerin klagte und die Abmahnung wurde zurückgenommen.
So entschied auch Inés damals, sich zu wehren. Mit der Unterstützung eines Solidaritätskomitees zog sie ihren ehemaligen Arbeitgeber vor Gericht und gewann den Prozess auf Wiedereinstellung in allen Instanzen.
Momentan streiken in Berlin diejenigen, die in Krankenhäusern des landeseigenen Konzerns Vivantes Essen kochen oder ausfahren, Patientenzimmer reinigen oder OP-Instrumente desinfizieren. Sie sind nicht direkt bei dem landeseigenen Unternehmen angestellt, sondern bei Tochtergesellschaften, die schlechter zahlen. Die Beschäftigten wollen dieser Ungleichbehandlung ein für alle Mal ein Ende setzen und fordern eine Beendigung der Zwei-Klassen-Belegschaft sowie eine Anstellung bei Vivantes.
Viele berichten jedoch von Schwierigkeiten, ihre Kolleg:innen zu mobilisieren. Ihr Lohn reicht ohnehin nicht zum Leben und das Streikgeld, das die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ihnen zahlt, fällt noch geringer aus. Der Unterstützer:innen-Kreis für die Streikenden der Vivantes-Töchter ruft deshalb ebenfalls zu Spenden auf.
Um den Kampf nicht nur durchhalten, sondern auch ausweiten zu können, bedarf es einer von den Streikenden selbst kontrollierten Streikkasse. Schließlich ist es ihr Streik. Schließlich sind sie es, die unter den steigenden Preisen und den wegfallenden Schicht- und Wochenendzulagen leiden, aber weiterhin streiken und weiterhin ihre Kolleg:innen überzeugen wollen, dass die Dinge sich nicht ohne ihr Zutun verändern werden.
Das Geld, das für Inés gespendet wurde, kam unter anderem von solidarischen Sozialarbeitenden, Erzieher:innen, Krankenpfleger:innen, Hebammen und Hafenarbeiter:innen. Es handelt sich also um hart erarbeitetes Geld – um Geld von Arbeiter:innen für eine Arbeiterin. Es ist Geld unserer Klasse, der Arbeiterklasse. Inés brauchte es, um kämpfen zu können. Nach ihrem juristischen Sieg erhielt sie von ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg), eine Abfindung. Heute braucht Inés das damals für sie gespendete Geld, also nicht mehr andere kämpfende Arbeiter:innen aber schon. Also sollen sie es haben.