Jugend

Aus dem besetzten Audimax Freiburg: „Wir bleiben so lange wie nötig!“

Interview zur Audimax-Besetzung: Am Mittwochabend wurde das Audimax der Uni Freiburg besetzt, um gegen die Wiedereinführung der Studiengebühren zu protestieren. Am Telefon sprach Timo Sommer mit Jakob, einem der Pressesprecher des selbstorganisierten Protests.

Aus dem besetzten Audimax Freiburg: „Wir bleiben so lange wie nötig!“

Bild: AK Freie Bildung

Timo (Klasse Gegen Klasse): Was wollt ihr mit eurer Besetzung erreichen?

Jakob (Pressesprecher des selbstorganisierten Protests): Wir wenden uns gegen die geplante Wiedereinführung von Studiengebühren in Baden-Württemberg durch die grün-schwarze Landesregierung. Dies soll zum einen Studierende mit einer Staatsangehörigkeit von einem Nicht-EU-Land betreffen. Hier sollen 1.500 Euro Monat gezahlt werden. Wer ein Zweitstudium macht, kommt günstiger davon: 650 Euro soll man aber immer noch berappen. Wir fordern die Landesregierung von Baden-Württemberg auf, ihr Vorhaben zu verwerfen. Außerdem wollen wir, dass die Abgeordneten gegen den Gesetzentwurf stimmen. Wir fordern darüber hinaus die Landesregierung dazu auf, den Haushalt so zu gestalten, dass Bildung kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Zudem muss das Rektorat unsere Forderungen aufnehmen und sich ebenso öffentlich gegen die Studiengebühren positionieren und eine Ablehnung von Studiengebühren auf der Landesrektor*innenkonferenz erwirken. Wir verlangen, dass das Rektorat mit uns in Dialog tritt.

Wie kam es denn zu dieser Besetzung und wie verläuft sie?

Am Mittwochabend gab es eine studentische Vollversammlung. Danach beschlossen die Studierenden angesichts der Pläne der Landesregierung, den Audimax zu besetzen. Es waren ungefähr 250 Studierende im Plenum. Die Beteiligung schwankt, heute Abend waren wir aber wieder etwa 250 Menschen.

Wie nehmen die übrigen Studierenden die Aktion wahr?

Von dem, was ich mitbekomme, ist die Resonanz durchweg positiv. Wir stellen einen offenen Raum zur Verfügung, in dem verweilt und diskutiert werden kann. Das wird sehr gut angenommen.

Gibt es Repression gegen euch?

Es gibt vor allem administrativen Druck. So hat der Kanzler der Universität am Donnerstagmorgen erklärt, dass die Leiter*innen der vorherigen Vollversammlung rechtlich verantwortlich gemacht werden könnten. Außerdem sprach er ein Hausverbot für alle Besetzer*innen aus, das notfalls mit Hilfe der Polizei durchgesetzt werde. Wir gehen aber nicht von einer schnellen Räumung aus. Wir haben mit den Securities verhandelt, sie stören uns nicht.

Was ist euer weiterer Plan?

Wir werden erstmal so lange bleiben, wie es nötig ist. Delegierte von uns haben Donnerstagabend mit dem Rektorat gesprochen. Es gibt überhaupt kein Entgegenkommen der Uni-Leitung. Deshalb sind wir uns auch alle einig, dass der Protest weitergehen muss.

Viel bundesweites Aufsehen erregte Freiburg vor kurzem wegen des Mordes an einer Studentin. Seid ihr mit rechter Hetze in Bezug auf den #freiburgbrennt konfrontiert?

Es gibt vor allem auf Twitter viele rassistische Kommentare. Aber in Freiburg gab es in den letzten Tagen viele Demonstrationen in Solidarität mit Geflüchteten und gegen Gewalt an Frauen. Auch eine afghanische Geflüchtetengruppe demonstrierte gegen die Tat. Der Hashtag kommt noch aus der Zeit von den letzten Bildungsprotesten aus dem Jahr 2009. Die wahren Brandstifter*innen sind natürlich nicht wir, sondern die baden-württembergische Landesregierung mit ihrem diskriminierenden Gesetzvorhaben.

Wir kann man euch unterstützen?

Es gibt eine Petition, die man unterstützen kann. Gerne freut sich das Rektorat natürlich auch über nervige E-Mails an: info@verwaltung.uni-freiburg.de. Man kann uns auf Twitter und Facebook folgen, dort gibt es auch immer alle aktuellen Infos. Wir würden uns auch richtig darüber freuen, wenn ihr sogar persönlich vorbeikommen könntet.

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