Transfeindlichkeit: Du darfst nur aufs Klo, wenn man deine Brüste sieht
In Minnesota (USA) wurde eine junge Schwarze Frau daran gehindert, in einem Restaurant die Toilette zu benutzen, weil sie nicht weiblich genug aussah. Dieser Vorfall reiht sich ein in die sich weltweit verschlechternde Lage für trans Personen. Als Arbeiter:innenklasse müssen wir diese Angriffe abwehren.
Die 18-Jährige Gerika Mudra, eine lesbische Frau, wurde in einem Fastfood- Restaurant in Minnesota gezwungen, ihre Brüste zu zeigen, um zu beweisen, dass sie eine Frau sei und sich rechtmäßig auf der Damentoilette aufhalte. Schon öfter hatte Gerika Mudra sich in Damentoiletten rechtfertigen müssen, da sie keine langen Haare hat und sich nicht stereotypisch feminin kleidet. Seit diesem letzten heftigen Vorfall vermeidet sie es nun, öffentliche Toiletten zu benutzen.
Dass es überhaupt zu so einer Situation kommen konnte, liegt daran, dass sich die Lage für trans Personen in den USA kontinuierlich verschlechtert. 2025 wurden bereits 121 „anti-trans bills“ verabschiedet und 972 Gesetzesentwürfe, welche das Leben von trans Personen negativ beeinflussen würden, könnten noch verabschiedet werden. Das ist ein dramatischer Anstieg im Vergleich zum Jahr 2021, in dem „nur“ 18 solcher Gesetzesentwürfe verabschiedet wurden. Am stärksten wird hier vor allem im Bildungssektor angegriffen, wodurch trans Schüler:innen das Recht genommen wird, selbstbestimmt über ihre Pronomen oder Namen entscheiden zu können und sie sogar zwangs-geoutet werden können, was im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein kann. Aber auch die Aufklärung über Queerness und Transgeschlechtlichkeit an den Schulen wird immer weiter verdrängt. Diese Maßnahmen sind nichts anderes als gezielte Ausgrenzung von trans Schüler:innen, denen so vermittelt wird, dass sie nicht normal seien.
Auch in Deutschland nimmt die Hetze zu. Das Bundesinnenministerium möchte Änderungen des Geschlechtseintrags sowie Vornamens dauerhaft speichern, sodass Behörden immer Zugriff auf diese Informationen haben – faktisch ein Trans-Register. Das Ministerium begründet dies mit der Notwendigkeit der Identifizierbarkeit. In der Realität sind diese Daten jedoch gar nicht nötig, um Personen behördlich zu identifizieren. Durch diese Verordnung könnte es Beamten möglich sein, sofort zu erkennen, dass die Person, mit der sie es zu tun haben, trans ist. Bereits jetzt sind öffentliche Behörden jedoch ein Ort, an dem trans Personen häufig diskriminiert werden, laut Silvia Rentzsch vom Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland kommt die meiste Diskriminierung vom öffentlichen Sektor.
Transfeindlichkeit und Sport
Bei der Gesundheitsversorgung und im Sport werden Ressentiments gegen trans Menschen ein immer größeres Thema. Trans Frauen in Großbritannien dürfen seit der Entscheidung des Supreme Courts, wonach trans Frauen gesetzlich betrachtet nicht als Frauen zählen, beispielsweise nicht mehr am Amateurfußball teilnehmen. Der Leichtathletik-Weltverband hat wiederum erst kürzlich beschlossen, dass alle Frauen verpflichtende DNA-Tests durchführen müssen, um ihr Geschlecht zu beweisen. Dies wird der Öffentlichkeit als „Schutz der Frauen“ verkauft. Auch cis Frauen können nun also aufgrund eines zu hohen Testosteronspiegels aus Wettkämpfen ausgeschlossen werden, und das obwohl dieser natürlich bei ihnen auftritt. Bei Frauen liegt der durchschnittliche Testosteronwert bei 0,14 bis 0,76 Mikrogramm pro Liter Blut, bei Männern bei 2,41 bis 8,27. Abweichungen können bei Frauen aufgrund ihres Zyklus, von Krankheiten oder auch einfach eines angeborenen höheren Testosteronwertes auftreten. Sportler:innen werden dann von Wettkämpfen ausgeschlossen, für die sie ein ganzes Leben trainiert haben – aufgrund eines natürlichen Vorteils ihres Körpers. Gleichzeitig werden Männer natürlich nicht auf erhöhte Testosteronwerte geprüft, obwohl auch hier ein Vorteil besteht, wenn ein Spitzensportler deutlich höhere Testosteronwerte als ein anderer hat. Ebenso besteht natürlich im Basketball der Vorteil der Körpergröße, beim Schwimmen der Armlänge und so weiter. Körperliche Vorteile im Leistungssport stören niemanden, ernten sogar Ansehen und Applaus, außer wenn mit ihnen transfeindliche Ressentiments geschürt und Frauen in enge Formen gepresst werden können.
Zusätzlich können Personen natürlich auch intersex sein – teilweise auch ohne es zu wissen. Hier könnten sich beispielsweise äußerlich weibliche Geschlechtsmerkmale ausbilden, während die Chromosomen das männliche Chromosomenpaar XY aufweisen. Geschlecht ist eben um einiges vielschichtiger, als das Biologiebuch aus der fünften Klasse darstellt.
Ein Angriff auf uns alle
Nicht nur die Würde und das Leben von trans Personen sind durch diesen Diskurs und die daraus resultierenden Gesetze und Maßnahmen in Gefahr. Auch cis Personen, die nicht in das stereotypische Mann-Frau-Schema passen, geraten dadurch ins Visier. Wir erinnern uns neben Mudra an die transfeindliche Hetze gegen die Spitzensportlerin Imane Khelif, die als cis Frau nach einem Sieg im Boxen ins Visier geriet. Diese Fälle zeigen exemplarisch, wie transfeindliche Gesetzgebung nicht nur einen Angriff auf trans Personen darstellt. Sie sind ein Angriff auf alle, die es wagen, die vorgegebenen Konventionen und Normen, welche den Kapitalismus stützen, zu gefährden. Auffällig ist auch, dass häufig das Geschlecht von BIPOC-Personen angezweifelt wird.
Derartige Angriffe zielen darauf ab, die Gesellschaft an ein konservatives und patriarchales Weltbild anzupassen, welches ideal vereinbar mit den Interessen des Kapitals ist. Menschen, die klar in Mann oder Frau eingeteilt werden können, die sich in einer Kleinfamilie befinden und ihre vorgezeichnete Rolle erfüllen, können auch leichter von der herrschenden Klasse für beispielsweise Wehrpflicht und Care-Arbeit ausgenutzt werden. Gerade in Zeiten von Aufrüstung, Militarisierung und Rechtsruck erleben wir eine Art Rückkehr zu patriarchalen Rollenbildern, da die bürgerliche Familie einen klaren Nutzen für den Kapitalismus hat und wichtig für sein Bestehen ist. Zusätzlich dient die Hetze gegen trans Personen der Spaltung der Arbeiter:innenklasse: Wenn diese damit beschäftigt ist, über trans Personen zu streiten und sich entlang dieser Frage zu entzweien, wird verhindert, dass sie sich zusammenschließt und gegen den gemeinsamen Feind, gegen den Kapitalismus und die Kapitalist:innenklasse, aufbegehrt.
Die Arbeiter:innenklasse muss den Kampf für eine queere Befreiung als eine zentrale Aufgabe ansehen und sich entschlossen und gesammelt gegen diese Angriffe wehren. Nur so kann queere Befreiung gelingen. Und es ist in ihrem eigenen Interesse, denn queere Personen sind in den meisten Fällen Teil der Arbeiter:innenklasse. Die Gewerkschaften müssen deshalb massiv mobilisieren, wenn 2026 das Selbstbestimmungsgesetz von der Bundesregierung „evaluiert“ – also eingeschränkt oder ganz abgeschafft – wird. Schon davor muss es umfassende Versammlungen für Kolleg:innen geben, damit mit allen diskutiert werden kann, welche Ideen und Forderungen die Beschäftigten diesbezüglich haben. Queere Befreiung ist der Kampf der Arbeiter:innenklasse, denn es ist der Kampf gegen den gemeinsamen Feind, welcher Teile unserer Klasse, wie Queers und Migrant:innen, gezielt unterdrückt und zur Spaltung benutzt, um die Arbeiter:innenklasse zu schwächen.