Spendenkampagne: Solidarität mit Venezuela!

07.07.2026, Lesezeit 10 Min.
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Foto: ttani/shutterstock.com

Spendenaufruf für die Betroffenen der Erdbeben und Unterstützung der Selbstorganisation von unten!

Vor nun über einer Woche wurde Venezuela von zwei schweren Erdbeben erschüttert. Circa 3300 Menschen wurden getötet, über 12.000 gelten als verletzt, über 16.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren und um die 50.000 Menschen gelten immer noch als vermisst. Ganze Wohnviertel wurden zerstört, Schulen und Krankenhäuser beschädigt und die ohnehin prekäre Versorgungslage hat sich dramatisch verschärft.

Doch diese Katastrophe ist nicht einfach eine Naturkatastrophe. Wie so oft trifft sie nicht alle Menschen gleichermaßen. Besonders betroffen sind die ärmsten Viertel in Caracas, La Guaira und El Junquito. Dort sind Wohnhäuser, Schulen und ganze Straßenzüge eingestürzt. Es sind die Arbeiter*innen, die Armen und diejenigen, die ohnehin schon unter prekären Bedingungen leben mussten, die alles verloren haben. Die Tragödie ist nicht allein Folge des Erdbebens. Sie ist das Ergebnis der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse, unter denen Millionen Menschen seit Jahren leben müssen.

Viele Familien wohnen in Häusern, die ohne ausreichende Planung oder sichere Infrastruktur gebaut wurden – nicht, weil sie das wollten, sondern weil Armut ihnen keine andere Wahl ließ. Laut der Sozialstudie ENCOVI leben mehr als zwei Drittel der venezolanischen Haushalte in Armut. Wer bereits vor der Katastrophe kaum genug zum Überleben hatte, hat nun sein gesamtes Zuhause, seine Existenz und seine Angehörigen auch verloren.

Eine Katastrophe mit politischen Ursachen

Venezuela ist nicht einfach schon immer ein „armes Land“. Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdölreserven der Welt. Seit Jahrhunderten ist das Land Ziel kolonialer Ausbeutung. Heute setzt sich diese Geschichte mithilfe von Sanktionen, militärischem Eingreifen und dem Versuch der USA, die politische und wirtschaftliche Zukunft Venezuelas nach ihren Interessen zu kontrollieren, fort. Nur wenige Tage nach der völkerrechtswidrigen Entführung Maduros wurden die Ölkonzerne für private Investitionen geöffnet, während die Übergangsregierung unter Delcy Rodríguez offen ihre enge Zusammenarbeit mit Washington betonten. Trump machte selbst deutlich, es geht um Öl und um geopolitische Kontrolle, und ganz eindeutig nicht um das Leben der Menschen.

Gleichzeitig trägt auch das Maduro-Regime Verantwortung für die soziale Katastrophe. Über Jahre wurden Proteste gegen Hunger und Armut unterdrückt, während sich eine kleine privilegierte Schicht bereicherte und Millionen Menschen in prekären Verhältnissen leben mussten. Die soziale Ungleichheit wurde nicht überwunden, sie wurde lediglich verwaltet.

Es ist klar, dass ohne die Sanktionspolitik der USA die Lebensumstände in Venezuela nicht so prekär sein müssten. Menschen könnten somit beispielsweise in sicherer gebauten Häusern leben. Gleichzeitig wäre es ein Trugschluss zu Glauben, dass Maduro in dieser Krise im Interesse der Bevölkerung agiert hätte. Doch eins ist klar: Die Privatisierung der Ölraffinerien sorgt dafür, dass Menschenleben, die gerettet werden könnten, nicht gerettet wurden. Während die Vereinigten Staaten, sich nun als große Retter in der Not inszenieren, sagt Trump es eigentlich sehr deutlich:

Wir haben Venezuela in weniger als einem Tag übernommen, und das Öl fließt, und wir kommen großartig mit ihnen aus. Übrigens werden wir ihnen auch helfen. Sie hatten letzte Nacht ein gewaltiges Erdbeben, von dem Sie sicher gelesen haben – ein massives, in Caracas. Aber wir werden ihnen helfen.

Auf den sozialen Medien kursieren Videos von einsatzbereiten Baggern und Rettungsgeräten, die stillstehen, weil Treibstoff fehlt. Wie kann das sein, in einem Land mit den größten bekannten Erdölreserven der Welt? Genau darin zeigt sich der Widerspruch der Katastrophe: Während Menschen unter den Trümmern um ihr Leben kämpfen, fehlen selbst die grundlegendsten Mittel für die Rettungsarbeiten.

Statt alle verfügbaren Ressourcen den Bergungsarbeiten zur Verfügung zu stellen, inszenierte sich Delcys Proxyregierung als entschlossene Krisenmanagerin. Gleichzeitig berichten Bewohner:innen, dass selbstorganisierte Rettungsaktionen behindert oder unterbunden und Menschen von der Nationalgarde daran gehindert wurden, eigenständig nach Verschütteten zu suchen. Während die Regierung versucht, die Katastrophe von oben zu kontrollieren und politisch für sich zu nutzen, sind es vor allem Nachbarinnen, Feuerwehrleute, Beschäftigte im Gesundheitswesen und freiwillige Helfer:innen, die mit den wenigen Mitteln, die ihnen bleiben, Leben retten.

Frauen tragen die Hauptlast der Krise

Wie in fast jeder humanitären Katastrophe sind Frauen besonders betroffen. Die Krise trifft nicht alle gleich, sondern verschärft bestehende Ungleichheiten. Während Häuser einstürzen und die öffentliche Infrastruktur zusammenbricht, sind es vor allem Frauen, die das Überleben ihrer Familien und Nachbarschaften organisieren. Sie kümmern sich um Kinder, ältere Menschen, Kranke und Verletzte, organisieren Lebensmittel, Wasser und medizinische Versorgung und halten den Alltag in improvisierten Notunterkünften aufrecht, das alles unbezahlt und unter extremen Bedingungen.

Gleichzeitig mangelt es in vielen Notunterkünften an den notwendigsten Dingen: Menstruationsartikeln, Hygieneprodukten, Windeln, Säuglingsnahrung und einer angemessenen medizinischen Versorgung für Schwangere und Mütter mit Neugeborenen. Hinzu kommen fehlende Privatsphäre und ein erhöhtes Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt oder auch Gewalt gegen Kinder, während Schutzmechanismen und Anlaufstellen weitgehend fehlen. Dass Frauen diese Aufgaben übernehmen, liegt nicht daran, dass sie das einfach besser können oder den Staat entlasten wollen. Im Gegenteil: Die Selbstorganisation der Bevölkerung entsteht aus der Not heraus, weil staatliche Strukturen vielerorts versagen oder die Bedürfnisse der Betroffenen nicht gewährleisten. Was heute als Solidarität von unten Leben rettet, darf nicht zum Normalzustand werden, in dem Regierungen ihre Verantwortung auf die Bevölkerung abwälzen.

Gleichzeitig mangelt es in vielen Notunterkünften an den notwendigsten Dingen: Menstruationsartikeln, Hygieneprodukten, Windeln, Säuglingsnahrung und einer angemessenen medizinischen Versorgung für Schwangere und Mütter mit Neugeborenen. Hinzu kommen fehlende Privatsphäre und ein erhöhtes Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt oder auch Gewalt gegen Kinder, während Schutzmechanismen und Anlaufstellen weitgehend fehlen. Dass Frauen diese Aufgaben übernehmen, liegt nicht daran, dass sie das einfach besser können oder den Staat entlasten wollen. Im Gegenteil: Die Selbstorganisation der Bevölkerung entsteht aus der Not heraus, weil staatliche Strukturen vielerorts versagen oder die Bedürfnisse der Betroffenen nicht gewährleisten. Was heute als Solidarität von unten Leben rettet, darf nicht zum Normalzustand werden, in dem Regierungen ihre Verantwortung auf die Bevölkerung abwälzen.

Und dennoch zeigt sich in dieser Solidarität eine klare Wahrheit. Nur die organisierte Arbeiter:innenklasse, im Bündnis mit der ausgebeuteten und unterdrückten Bevölkerung, selbst hält das gesellschaftliche Leben in der Katastrophe aufrecht. Es gibt keinen Verlass auf imperialistische Kräfte, oder die Regierungen, die sich ihnen unterwerfen. Frauen stehen dabei im Zentrum dieser Netzwerke des Überlebens.

Die Katastrophe macht damit sichtbar, was im kapitalistischen Alltag oft unsichtbar bleibt: Die gesellschaftliche Reproduktion, also all die Arbeit, die notwendig ist, damit Menschen leben, versorgt werden und die Gesellschaft überhaupt funktioniert, wird überwiegend auf Frauen der Arbeiter:innenklasse abgewälzt. Gleichzeitig zeigt die Selbstorganisation von unten, dass die Kraft, Gesellschaft zu tragen und zu verändern, in den Händen derjenigen liegt, die sie jeden Tag am Laufen halten. Gerade deshalb fordern wir, dass alle materiellen und logistischen Ressourcen des Staates unmittelbar unter demokratischer Kontrolle der organisierten Gemeinden, Arbeiterinnen und Notfallkomitees für Rettung, Versorgung und Wiederaufbau eingesetzt werden, statt die Bevölkerung mit dieser Last allein zu lassen.

Die wirkliche Hilfe kommt von unten

Die Solidarität von unten verdient heute unsere volle Unterstützung, weil sie dort entsteht, wo der Staat die Bevölkerung im Stich gelassen hat. Nachbarschaftskomitees, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Feuerwehrleute, Studierende und freiwillige Helfer:innen tragen in diesen Tagen das Überleben ganzer Stadtviertel. Doch sie kämpfen nicht nur gegen die unmittelbaren Folgen des Erdbebens.

Mit jedem Menschen, der aus den Trümmern geborgen wird, zeigt sich auch das Ausmaß einer viel tieferen Katastrophe. Das Erdbeben hat nicht nur Häuser zerstört. Es hat offengelegt, was jahrelange Armut durch imperialistische Sanktionspolitik und Ausplünderung auf der einen Seite und ein bonarpatistisches Regieren des Landes auf der anderen Seite, hinterlassen haben. Millionen Menschen haben nicht nur ihr Zuhause verloren, sondern ihre gesamte Lebensgrundlage. Jegliche öffentliche Infrastruktur, die schon vor dem Erdbeben kaum funktionierten hat, ist vielerorts vollständig zusammengebrochen. Für unzählige Familien beginnt jetzt nicht nur die Trauer um Angehörige, sondern ein jahrelanger Kampf ums Überleben.

Wiederaufbau ist somit keine rein technische Aufgabe und keine Frage einiger Gebäude die nun schnell aufgebaut werden müssen. Viel tiefer geht es eigentlich, um die Frage wer entscheidet, wie Venezuela wieder aufgebaut wird und in wessen Interesse. Wird die Bevölkerung erneut den Preis zahlen, während Konzerne und imperialistische Mächte sich an den Ressourcen des Landes bereichern? Wird Venezuela nur als zusammengefallene Ölreserve der USA zurückbleiben oder werden diejenigen, die heute bereits die Versorgung und das gesellschaftliche Leben organisieren, auch über den Wiederaufbau und letzendlich bestimmen?

Wenn wir internationale Solidarität fordern, dann meinen wir Solidarität nicht als einen karitativen Akt. Solidarität meinen wir als eine internationalistische Praxis der Unterstützung für unsere Klassengeschwister, die sich organisieren, ihr Leben selbst in die Hand nehmen und um ihre Zukunft kämpfen. Der Kampf, der heute in den Straßen Venezuelas geführt wird, richtet sich nicht nur gegen die Trümmer des Erdbebens, sondern gegen ein System, was sie gerade sterben lässt, während wenige sich an dieser Krise bereichern. 

Unsere Schwesterorganisationen organisieren Solidarität

Deshalb schließen wir uns als Revolutionäre Internationalistische Organisation (RIO) dem internationalen Solidaritätsaufruf unserer Schwesterorganisation Liga de Trabajadores Socialistas (LTS) in Venezuela an. Gemeinsam mit der internationalen sozialistisch-feministischen Strömung Pan y Rosas sowie den Organisationen der Corriente Revolución Permanente (CRP) organisieren wir eine internationale Solidaritätskampagne.

Die Kampagne unterstützt insbesondere Frauen, Kinder und die arbeitende Bevölkerung in den am stärksten betroffenen Gebieten.

Priorität haben unter anderem Menstruations- und Hygieneprodukte, Windeln, Säuglingsnahrung, Medikamente, medizinische Grundversorgung, Lebensmittel sowie weitere lebensnotwendige Hilfsgüter für Gesundheitszentren, Frauenorganisationen und selbstorganisierte Strukturen vor Ort.

Gleichzeitig unterstützen wir die politischen Forderungen der Kampagne:

– vollständige Transparenz über Opferzahlen, Vermisste und den Einsatz aller Hilfsgelder,

– sämtliche materiellen Ressourcen müssen unter Kontrolle der organisierten Gemeinden in den Dienst der arbeitenden Bevölkerung gestellt werden,

– keine Instrumentalisierung humanitärer Hilfe als Mittel imperialistischer Einflussnahme,

– sofortige Bereitstellung aller verfügbaren staatlichen Ressourcen für Rettung, Versorgung und Wiederaufbau,

– Finanzierung des Wiederaufbaus durch diejenigen, die jahrzehntelang von Ungleichheit und Ausbeutung profitiert haben,

– Stärkung der Selbstorganisation der betroffenen Bevölkerung.

Jede Spende hilft dabei, lebensnotwendige Hilfsgüter direkt den Menschen zukommen zu lassen, die sie am dringendsten brauchen.


Unsere Solidarität gilt allen Betroffenen und denen, die sich von unten organisieren. Denn solange Imperialismus, Ausbeutung und ein System, das Profite über Menschenleben stellt, die Welt bestimmen, werden Naturkatastrophen die Arbeiter:innenklasse besonders hart treffen. Nur eine Gesellschaft, die sich an den Bedürfnissen der großen Mehrheit orientiert und nicht an den Interessen einiger weniger, kann verhindern, dass Naturereignisse zu sozialen Tragödien werden. Solidaridad con el pueblo Venezolano! 

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