Semesterstart in Leipzig: Gründet mit uns Waffen der Kritik Sachsen!
Zum Start des Wintersemester 2026/27 wollen wir mit euch gemeinsam als Teil einer anti-militaristischen und internationalistischen Jugend Waffen der Kritik Sachsen in Leipzig gründen.
Seit Jahren erleben wir, wie sich die Militarisierung verschärft. Die verpflichtende Musterung von Männern ab 18 Jahren soll ab 2027 flächendeckend greifen – findet aber jetzt schon statt! Unter der Regierung von Friedrich Merz soll Deutschland mit dem Verteidigungsminister Boris Pistorius endlich wieder „kriegstüchtig“ gemacht werden. Militarisierung und Krieg werden damit auch zunehmend an unseren Orten, wie Schulen und Universitäten, normalisiert. In einer Vollversammlung, die im Mai 2026 an der Universität Leipzig stattfand, forderten die Studierenden die Einführung einer Zivilklausel in die Satzung der Universität. Es solle keine militärische Forschung und keine Zusammenarbeit mit militärischen Institutionen an ihrer Uni stattfinden. Dennoch kommen Offiziere als Sprecher:innen in unsere Klassenzimmer. An den Universitäten wird für Rüstung geforscht oder mit Unternehmen kooperiert, die den Genozid in Gaza mit unterstützen.
Doch unsere Generation steht für ein freies Palästina und das Ende von Apartheid! Wir fordern eine umfassende und von den Beschäftigten und Studierenden kontrollierte Zivilklausel an jeder Universität und das Verbot von Bundeswehrwerbung in Schulen. Ganz in diesem Sinne waren wir als Waffen der Kritik zum vierten Mal bundesweit am 25. September an der Seite von Schüler:innen auf den „Schulstreiks gegen die Wehrpflicht“, bei denen Zehntausende in 100 verschiedenen Städten auf die Straße gingen, um sich gegen die Aufrüstungspläne der Regierung zu wehren. Als kommunistische Jugendgruppe und Teil der Jugend der Strömung Permanente Revolution (SPR) wollen wir die Schulstreiks auch in die Unis tragen.
Wir können die Zuspitzung der Militarisierung ebenfalls hier im Osten beobachten: Der Flughafen Leipzig/Halle wird unter anderem von der NATO als Transport- und Logistikhub genutzt und gilt als Umschlagplatz für Waffenlieferungen an die Ukraine und an Israel, um den Genozid in Gaza zu unterstützen. Im August 2026 wurde eine mit Sprengstoff bestückte Drohne am Flughafen gefunden. Der Angriff soll mutmaßlich von Russland verübt worden sein, mit dem Ziel, Waffenlieferungen an die Ukraine zu zerstören. Nun soll der ganze Flughafen mit einem stärkeren Abwehrsystem ausgerüstet werden, mit der Begründung, dass solche Angriffe die innere Sicherheit der Bundesrepublik beeinträchtigen würden. Für das Jahr 2027 hat außerdem das US-amerikanische Rüstungsunternehmen Covenant angekündigt, im Leipziger Norden weitreichende Marschflugkörper bauen zu wollen. Die Produktion solle dem Unternehmen nach auf 5 Tausend Stück pro Jahr hochgefahren werden. Der israelische Luft- und Raumfahrtkonzern Elbit Systems plant zudem in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) einen neuen Produktionsstandort für die Rüstung. Gegen beide Rüstungsvorhaben gab es schon zahlreiche Widerstandsaktionen des Palästinaaktionsbündnisses Leipzig (PAL), von dem wir auch ein Teil sind, zusammen mit anderen Gruppen in Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Kämpfe gegen die Militarisierung des eigenen Ortes können auch gewonnen werden. Ganz plastisch zeigt es das Beispiel des DHL-Arbeiters Christopher, der in Folge einer öffentlich gehaltenen Rede auf einer Kundgebung des „March to Airport“ Leipzig von DHL gekündigt wurde. Darin hatte er kritisiert, dass vom Flughafen Leipzig/Halle Waffenlieferungen an Israel geliefert werden würden. Seine Rede endete er mit den Worten „Kein Transport für Völkermord“, die in Leipzig mittlerweile zu einer bekannten Parole geworden sind. Nach einer monatelangen Kampagne von Aktivist:innen seines Solidaritätskomitees und des PALs, konnte am 8. Juli bei seiner Hauptverhandlung ein Sieg errungen werden, denn es wurde die vollständige Rücknahme seiner Kündigung erreicht.
Die Bundesregierung gibt Milliarden für die Aufrüstung aus und behauptet es brauche die Spar- und Kürzungspolitik, da überall das Geld fehle. Jeden Monat verlieren zahlreiche Arbeiter:innen ihre Jobs, Fabriken werden auf Kriegsproduktion umgestellt oder gar ganz eingestellt. Als Waffen der Kritik möchten wir zusammen mit der anti-militaristischen Schulstreikbewegung auch gegen diese sozialen Probleme vorgehen. Allein in diesem Jahr verloren etwa 280 Arbeiter:innen ihre Arbeit, durch das in den 80ern errichtete Bosch-Werk in Sebnitz, das geschlossen wurde, weil sich die Produktion in Deutschland wirtschaftlich nicht mehr lohne. Auch den rund 650 Arbeiter:innen des Pharmahersteller GlaxoSmithKline in Dresden droht dieses Schicksal, das Werk soll bis September 2027 geschlossen werden.
Von dieser Krise profitiert die extreme Rechte und allen voran die AfD. Nicht zuletzt machte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Schlagzeilen durch den Sieg der AfD als stärkste Kraft mit 43,8 Prozent. Bis zur konstituierenden Sitzung am 6. Oktober muss ein neuer Landtagspräsident gewählt werden – wir als linke Jugend dürfen nicht zulassen, dass die AfD eine Regierung bildet! Die Brandmauer ist gescheitert, auf die Regierung mit Friedrich Merz an ihrer Spitze ist kein Verlass. Stattdessen müssen wir uns selbst organisieren. Eine starke Bewegung braucht Strukturen an Schulen, Universitäten und Betrieben. Deshalb wollen wir mit unserem Semesterstart euch alle dazu aufrufen mit uns gemeinsam Waffen der Kritik Sachsen in Leipzig zu gründen und Teil einer bundesweiten und internationalistischen Gruppe zu werden!
Was aber heißt es, Waffen der Kritik im Osten Deutschlands zu gründen und aufzubauen? Um den Ort Leipzig, aber auch seine Geschichte zu verstehen, möchten wir das Semester damit starten, uns der DDR zu widmen. Die DDR ist zwar schon seit über 36 Jahren untergegangen, doch ist sie im offiziellen Geschichtsbild noch immer als „Negativfolie“ gegenüber der heutigen Bundesrepublik präsent. Auch die ökonomische und politische Ungleichheit zwischen Ost und West besteht fort. Aber was war die DDR überhaupt? Was können wir von ihr lernen? Warum ist sie gescheitert? Und ist mit ihr auch die Idee einer sozialistischen Zukunft gescheitert? – Diese Fragen rund um die DDR als deformierter Arbeiter:innenstaat wollen wir uns in einem Vortrag stellen. Anschließend wollen wir einander besser kennenlernen, bei einem gemeinsamen Barbesuch.
In der darauf folgenden Woche laden wir zu einem offenen Treffen von Waffen der Kritik ein. Als Teil einer internationalen Jugend der Strömung Permanente Revolution und auch bundesweit in München, Berlin, Bremen oder Münster gibt es Waffen der Kritik bereits an Hochschulen. Gemeinsam wollen wir in die Schulstreik-Zeitung „Wie können die Schulstreiks gewinnen?“, die im September 2026 von unserer kommunistischen Jugendgruppe veröffentlich wurde, reinlesen und euch sowohl die Gruppe und als auch ihre politische Strategie an Hochschulen, im Kampf gegen Rechts und gegen den Militarismus vorstellen.
Am 27. Oktober fahren wir gemeinsam von Leipzig und anderen sächsischen Städten nach Freiberg, um dort den 29 ermordeten Arbeitern und Arbeitslosen zu gedenken, die am 27. Oktober 1923 von der Reichswehr während der sogenannten Reichsexekution gegen die sächsische Arbeiterregierung aus SPD und KPD bei einer Arbeitslosendemonstration erschossen wurden. Dieser weiße Terror blieb ungesühnt; die Reichswehr blockierte den 1924 eingesetzten Untersuchungsausschuss und die Justiz verfolgte die Teilnehmer:innen der Proteste, statt die Mörder. Wir sehen uns als Teil der Geschichte der deutschen und sächsischen Arbeiter:innenbewegung und wollen mit diesem Gedenken an diese halb vergessenen Opfer des Klassenkampfes erinnern und ihren Kampf fortsetzen.
Mit unserem antimilitaristischen Lesekreis wollen wir dann eine Brücke schlagen zwischen den historischen Hintergründen des Ostens und der aktuellen Militarisierung auf bundesweiter Ebene. Gelesen wird unter anderem das berühmte Flugblatt von Karl Liebknecht: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ (1915) und auch einen Ausschnitt seines Werks „Militarismus und Antimilitarismus“ (1907). Zudem lesen wir Lenins „Sozialismus und Krieg“ (1915), um uns in den abschließenden Sitzungen auch den heutigen Fragen zur Wehrpflicht und den möglichen Strategien im Kampf gegen den Militarismus zu widmen.
Seid ihr dabei? Dann bringt eure Ideen, Fragen und Gedanken mit zu unserem Semesterstart in Leipzig und gründet in diesem Semester gemeinsam mit uns Waffen der Kritik Sachsen, als Teil unserer bundesweiten kommunistischen Jugendgruppe!
Zum Weiterlesen unsere Schulstreik-Zeitung: „Wie können die Schulstreiks gewinnen?“ – bei uns vor Ort in Leipzig erhältlich oder hier online.
Semesterstart in Leipzig
Vortrag: „Was war die DDR und warum ist sie gescheitert?“
mit anschließendem Barbesuch
Donnerstag, 15. Oktober 26 | Einlass: 18:30, Vortrag ab 19 Uhr
Ort: Café Ocka, Merseburger Str. 88, 04177 Leipzig
Offenes Treffen von Waffen der Kritik Sachsen: „Schulstreiks an die Uni! – Wie stoppen wir Rüstungsforschung an der Uni Leipzig?“
Donnerstag, 22. Oktober 26 | ab 17 Uhr
Treffpunkt: An der Leibniz-Statue am Hauptcampus der Uni Leipzig
Kommunistisches Gedenken an den „Freiberger Blutsonnabend“ am 27. Oktober 1923
Dienstag, 27. Oktober 26 | 17 Uhr
Treffpunkt: 14 Uhr am Leipziger Hauptbahnhof, Abfahrt nach Freiberg 14:21 Uhr, 17 Uhr Treffpunkt am Platz der Oktoberopfer, Freiberg
Erste Sitzung des antimilitaristischen Lesekreises
Donnerstag, 29. Oktober 26 | ab 17 Uhr s.t.
Treffpunkt: An der Leibniz-Statue am Hauptcampus der Uni Leipzig