Rassistisches Verbrechen in Italien: Polizei tötet am Boden fixierten Mann

21.07.2026, Lesezeit 4 Min.
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Symboldbild. Foto: NGCHIYUI via shutterstock.com

Der 43-jährige Abderrahim Fakir starb am Sonntag, dem 19. Juli, in Bologna, während er von Polizeibeamten mit dem Gesicht nach unten am Boden festgehalten wurde.

Ein von der Familie veröffentlichtes Video zeigt, wie der Mann schreit und um Hilfe bittet, bis er sich nicht mehr bewegt. Sein Tod reiht sich ein in eine lange Liste rassistischer Morde durch Polizeikräfte in Europa. 

Die Ereignisse ereigneten sich kurz nach Mittag in der Via Italo Svevo, im Garagenbereich einer Wohnanlage im Vorort Pilastro. Ersten Informationen zufolge setzten die Beamten Reizgas und Plastikfesseln ein, um Abderrahim Fakir an Handgelenken und Füßen festzuhalten, während mehrere Beamte ihn mit dem Gesicht nach unten festhielten und ihn erstickten.

Das von einem Zeugen aufgenommene Video, das eines der zentralen Elemente der eingeleiteten Ermittlungen sein wird, zeigt, wie sich Fakir windet und wiederholt um Hilfe schreit, bis seine Stimme verstummt und sein Körper sich nicht mehr bewegt.

Die Schwester des Opfers, Katia Fakir, forderte öffentlich Gerechtigkeit. Angehörige und antirassistische Organisationen riefen für den Abend desselben Sonntags zu einer Demonstration im Stadtteil Pilastro auf.

Ein sich wiederholendes Muster

Der Fall von Abderrahim Fakir in Bologna weist erschreckende Ähnlichkeiten mit anderen rassistischen Verbrechen auf, die in den letzten Monaten von Polizisten in Europa begangen wurden. Am 17. Juni 2025 erwürgte ein dienstfreier Stadtpolizist in Torrejón de Ardoz (Madrid) einen anderen Mann namens Abderrahim, nachdem er ihn beschuldigt hatte, versucht zu haben, ihm sein Handy zu stehlen. In jenem Fall griffen zahlreiche Medien eine Sprache auf, die das Opfer eher als „Dieb“ denn als Mensch darstellte, während antirassistische Organisationen anprangerten, dass es sich um ein neues rassistisches Verbrechen handelte, und Gerechtigkeit forderten.

Beide Vorfälle weisen Gemeinsamkeiten auf: eine übermäßig lange Festhaltemaßnahme, obwohl das Opfer keinen Widerstand mehr leistete, die Anwesenheit von Zeugen und eine Reaktion der Behörden, die darauf abzielte, das Vorgehen der Polizei zu rechtfertigen, anstatt die Verantwortlichkeiten zu klären.

Fakirs Tod ereignet sich in einem Land, in dem Persönlichkeiten der extremen Rechten innerhalb und außerhalb der Regierung rassistische und fremdenfeindliche Parolen verbreiten.

Der bekannteste Fall ist der des aus der italienischen Armee entlassenen Generals Roberto Vannacci, der 2023 ein Buch veröffentlichte, in dem er Migrant:innen, Umweltschützer:innen, Feminist:innen und queere Menschen attackierte. Weit davon entfernt, an den Rand gedrängt zu werden, wurde Vannacci von Matteo Salvini als Kandidat der Lega für die Europawahlen 2024 aufgestellt, wurde zum Europaabgeordneten gewählt und gründete im Februar 2026 seine eigene extrem rechte Partei, die Futuro Nazionale.

Reden, die Migrant:innen und Menschen anderer ethnischer Herkunft stigmatisieren, sind an der Tagesordnung in einem Land, in dem die Regierung unter Giorgia Meloni eine Politik der Auslagerung von Grenzen vorangetrieben hat, wie mit dem Plan in Albanien Internierungslager zu bauen.

Verschärfung der Migrationspolitik in der Europäischen Union

Am 17. Juni verabschiedete das Europäische Parlament endgültig die neue Rückführungsverordnung, die von einem Bündnis aus der Europäischen Volkspartei (geführt von der CDU/CSU), Konservativen und ultrarechten Kräften vorangetrieben wurde. Die Verordnung erlaubt die Durchsuchung von Wohnräumen oder anderen Räumlichkeiten von Migrant:innen ohne regulären Aufenthaltsstatus – was zivilgesellschaftliche Organisationen mit den Razzien der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) vergleichen – und sieht zudem eine Verlängerung der Haftfristen sowie der Einreiseverbote vor. Die Reform ermöglicht zudem die Einrichtung von Rückführungszentren in Drittländern und hebt die automatische Aussetzung von Abschiebungen während der Dauer von Rechtsmitteln auf.

Dies ergänzt frühere Maßnahmen im Rahmen der „Festung Europa“ wie Frontex und den 2020 verabschiedeten Migrations- und Asylpakt. Vor diesem Hintergrund sind Vorfälle rassistischer Polizeigewalt gegen Migrant:innen und rassifizierte Personen, wie der jüngste in Bologna, keine Einzelfälle. Die gerichtlichen Ermittlungen zum Tod von Abderrahim Fakir dauern an. Angehörige, Nachbarn und antirassistische Organisationen in Bologna fordern, dass die Verantwortlichkeiten der beteiligten Polizeibeamten geklärt werden und der Fall nicht ungestraft bleibt.

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