REVOLUTION Nr. 42

März 2011

„Brot und Rosen“

Die Parole „Brot und Rosen“ ist in Deutschland eher unbekannt. Sie geht zurück auf einen Streik von Textilarbeiterinnen im Jahr 1912 in Massachusetts in den USA. 20.000 Arbeiterinnen, hauptsächlich Migrantinnen, streikten für zwei Ziele: Einmal forderten sie mehr Geld für ihre Arbeit, also mehr „Brot“. Darüber hinaus wollten sie mit ihrem Streik aber auch bessere Lebensbedingungen erkämpfen. Hierfür haben sie „Rosen“ als Symbol verwendet. Der Streik war damals ein großer Erfolg: die Arbeiterinnen gewannen Lohnerhöhungen, die Bezahlung von Überstunden und keine Repressalien gegen Streikende.

Dieser Streik hat vor vielen Jahren gezeigt, wie der Kampf gegen Frauenunterdrückung und kapitalistische Ausbeutung miteinander verbunden sind. Die ArbeiterInnenbewegung[1] muss sich für die Gleichheit der Frauen einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen – und die Frauenbewegung muss eine Bewegung der Arbeiterinnen sein, um die Unterdrückung zu beenden.

Aber ist eine Bewegung der Arbeiterinnen[2] heute möglich oder nötig? Unserer Meinung nach schon.

Denn selbst in einem imperialistischen Land wie Deutschland verdienen Frauen 23% weniger als Männer, und gleichzeitig machen sie im Durchschnitt etwa doppelt soviel Hausarbeit. Vor allem die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise bekommen Frauen besonders hart zu spüren: 40% der arbeitenden Frauen sind im Niedriglohnsektor. Sie werden in typische „Frauenberufe“ gedrängt, die in der Regel mit unsicheren Arbeitsverhältnissen und schlechten Löhnen verbunden sind.

Dazu kommen viele Unterdrückungsformen, die schwerer in Zahlen zu fassen sind: In der Werbung wird der weibliche Körper zu einem Kaufobjekt degradiert; ein wahnwitziges Schönheitsideal kann zu psychischen und physischen Krankheiten führen; Schülerinnen kommen im Unterricht nur halb so viel zu Wort wie männliche Klassenkameraden; und etwa ein Viertel der erwachsenen Frauen haben in einer Beziehung physische Gewalt erlebt; um nur einige Beispiele zu nennen. Und in den imperialisierten Ländern besteht das Leben von Hunderten Millionen Frauen aus Armut, Analphabetismus, Hunger und Gewalt.

Mit dieser Flugschrift wollen wir die Situation von Frauen betrachten aber auch aufzeigen, wie sie geändert werden könnte. Deswegen konzentrieren wir uns besonders auf die Rolle von Frauen in den Protesten, die gerade die gesamte arabische Welt erschüttern.

Fußnoten

[1]. „ArbeiterInnenbewegung“ (mit großem „I“) ist für uns die Abkürzung für: Arbeiter- und Arbeiterinnen-Bewegung.

[2]. „ArbeiterInnen“ heißt wiederum alle, die keine Produktionsmittel besitzen und deswegen ihre Arbeitskraft verkaufen müssen – also auch Arbeitslose.