Polizei erschießt Patienten in psychischer Ausnahmesituation

28.12.2025, Lesezeit 3 Min.
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Foto: Polizeiauto und Krankenwagen in Deutschland / Shutterstock (Asset id: 2390685027)

Neue Stufe der Polizeigewalt: In der Uniklinik Gießen wird ein 33-jähriger Patient auf Station erschossen. Die Polizei sollte nie wieder ein Krankenhaus betreten dürfen.

Die Weihnachtsfeiertage sind für Kolleg:innen in den Kliniken eine doppelte Belastung. Zur ohnehin teilweise unterbesetzten Schwerstarbeit kommt das bedrückende Gefühl hinzu, dass man die Zeit nicht zuhause mit der Familie genießen kann – unabhängig davon, ob man Weihnachten feiert oder nicht.

Für die Beschäftigten im Gießener Uniklinikum wird der zweite Weihnachtsfeiertag dieses Jahr zu einem Alptraum. Ein 33-jähriger Patient gerät in eine psychische Ausnahmesituation, greift Menschen um sich mit einer Schere an. Die Hintergründe sind bislang unbekannt. Das Personal weiß nicht weiter und ruft die Polizei, vermutlich um andere Patient:innen und sich selbst zu schützen.

Die Polizei macht aber das, was sie auch sonst immer macht, egal, wo sie eingesetzt ist: Sie eskaliert die Situation. Als der Patient sie mutmaßlich mit der Schere angreift, schießt eine:r der Beamt:innen scheinbar auf den Patienten – der Schuss endet mit dem Tod des 33-Jährigen. Wie die Polizei diesen Schuss auf einer Station innerhalb einer Klinik erklären will, bleibt abzuwarten. Der Tote wird zu einem weiteren Fall auf der Liste der Getöteten durch Polizeischüsse und -gewalt.

Wie würde diese spezifische Situation aber aussehen, wenn wir nicht nur die Polizei als erste Anlaufstelle hätten? Die Polizei beweist ja immer wieder, dass sie trotz Deeskalationsschulungen nicht imstande ist, psychische Ausnahmesituationen so zu entschärfen, dass weder eine Gefahr durch die psychisch kranke Person ausgeht, noch die Person selbst in Gefahr gebracht wird. Denn für diese Person – die gerade in einem Zustand ist, in dem sie dringend professionelle, deeskalative Hilfe benötigt – sind Polizist:innen mit gezogenen Waffen die größte Gefahr. Die betroffenen Personen im Ausnahmezustand geraten in noch mehr Panik, ihre Gefühle spielen noch wilder durcheinander, ein Abwehr- und Schutzmechanismus aktiviert sich durch das Gefühl von Bedrohung über Leben und Tod. Ein Mensch in einer psychischen Krise hat Gründe, warum er in solch einer ist. Kliniken sind einer der vulnerabelsten Orte für jede Art von Menschen. Patient:innen sind nicht dort, weil sie dort sein wollen, sondern darauf angewiesen sind, Hilfe für ihre gesundheitlichen und psychischen Probleme zu bekommen.

Wenn wir in Kliniken aber professionelle Teams hätten, die selbstorganisiert sind, das heißt die selbst entscheiden, wie ein Noteinsatz in solch einem Krisenmoment aussehen und stattfinden muss, um ihn zu entschärfen, dann hätten wir wahrscheinlich keine Toten durch Polizeischüsse in Kliniken. Diese Teams müssen aus pädagogischem und psychologischem Fachpersonal bestehen, aber auch aus Sicherheitskräften, die im Notfall auch Menschen bewegungsunfähig machen können, ohne sie dabei zu töten oder lebensgefährlich zu verletzen.

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