Neuer Bericht: Alle zwei Minuten häusliche Gewalt

05.08.2025, Lesezeit 3 Min.
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Foto: daniiD/shutterstock.com

Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt steigt. Um uns dagegen zu wehren, brauchen wir aber nicht den Ausbau der Polizei, sondern einen Ausbau der Strukturen, die Frauen und Queers ein sicheres Leben ermöglichen.

Laut einer neuen Studie erreicht die offizielle Meldestelle alle zwei Minuten eine Meldung von häuslicher Gewalt durch eine nahestehende Person, wie den:die (Ex)-Partner:in oder ein anderes Familienmitglied. Die Zahlen der gemeldeten Fälle nehmen zu, wobei die Anzahl der Meldungen im Vergleich zu 2024 um 3,7 Prozent und in den letzten fünf Jahren um fast 14 Prozent gestiegen ist. Laut Bundeskriminalamt gab es 2023 rund 360 Femizide, also fast einen Mord an Frauen oder Mädchen pro Tag. Die Zahl der versuchten Morde war fast dreimal so hoch.

Patriarchale Gewalt beginnt aber nicht erst bei versuchten Femiziden. Sie beginnt bei sexistischen Kommentaren über das Aussehen und geht über zu gewaltvollen Partnerschaften, wo Frauen kontrolliert, misshandelt und vergewaltigt werden. Oft werden Frauen verfolgt und gestalkt. Die Dunkelziffer von patriarchaler Gewalt ist also wahrscheinlich um einiges höher als „nur“ alle zwei Minuten. 

Die Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) fordert, elektronische Fußfesseln einzuführen, um zu kontrollieren, dass verurteilte Täter nicht in die Nähe der Leute kommen, die sie missbraucht haben. Kommt der Täter also in die Nähe seines Opfers, wird bei der Polizei ein Alarm ausgelöst, um die entsprechende Person warnen zu können. 

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen fordert: „Es braucht mehr Präventions- und Täterarbeit, schnelle Verfahren, verpflichtende Schulungen von Polizei und Justiz.“

Beide fordern also einen Ausbau der Polizei und des Justizsystems. Dabei werden Betroffenen von der Polizei oftmals kein Glauben oder keine Beachtung geschenkt. Oft werden Fälle von sexualisierter und häuslicher Gewalt eingestellt, wegen mangelnder Beweise. Wenn Frauen und Queers sexualisierte Gewalt von Polizist:innen erfahren, wer schützt sie dann? Wer untersucht diese Fälle? Die Polizei, also die Kolleg:innen. 

Um gegen patriarchale Gewalt zu kämpfen, brauchen wir keinen Ausbau des Justizsystems. Wir brauchen den Ausbau von Frauenhäusern, wo Frauen hingehen können, um sich vor gewalttätigen (Ex)-Partnern zu schützen. Dafür fordern wir die Enteignung von Immobilienkonzernen, um Wohnungen und Einrichtungen zugänglich zu machen. Es braucht Schulungen in den Schulen, Universitäten und Betrieben zu Gewalt und Konsens. Wir fordern, den Sexualkunde-Unterricht an Schulen auszuweiten und ihn nicht bei einer heteronormativen Aufklärung zu belassen. Wir fordern die uneingeschränkte Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Leben. 

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