Mutter sein: Für H&M ein Kündigungsgrund

28.01.2021, Lesezeit 2 Min.
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Tatyana O / Shutterstock.com

Wer bei H&M einkaufen geht, kann dort T-Shirts mit dem Aufdruck „FEMINIST“ oder „SISTERHOOD IS POWERFUL“ für wenig Geld kaufen. H&M und Feminismus, das hat eine gewisse Ironie. Denn Feminismus setzt sich unter anderem gegen Sexismus und gegen die Diskriminierung von Frauen ein. Nun aber plant H&M, vorwiegend Müttern zu kündigen. Wie können also H&M und Feminismus zusammenpassen? Spoiler: Gar nicht.

Im November 2020 wurde bekannt gegeben, dass H&M rund 800 Stellen in Deutschland streichen wird. Kurz vor Weihnachten wurde dann zunächst mitgeteilt, welche Filialen von den Kündigungen betroffen sein werden. Den Mitarbeiter:innen dieser Filialen wurden seitdem ein Freiwilligenprogramm vorgestellt. Dieses Programm sieht vor, die Mitarbeiter:innen mit einer individuellen Abfindung zum freiwilligen Gehen zu motivieren. Wenn sich aber niemand rechtzeitig aufopfert, kommt der Sozialplan und die Verlierer:innen müssen ohne Abfindung das Unternehmen verlassen.

Intern wurden seit Bekanntgabe der Hiobsbotschaft Versprechen, Ermunterungen und Hoffnungen gemacht. Demnach brauchen sich Mütter, vor allem Alleinerziehende, keineswegs Sorgen machen, denn diese schneiden bei einem Sozialplan ja gut ab. H&M’s (A)Sozialplan behauptet, ihr Schicksal sei gesichert, denn welcher Sozialplan würde einer Mutter die Lebensgrundlage unter den Füßen wegziehen? Sorgen hingegen, sollen sich die eher jungen, ledigen Mitarbeiter:innen. Diese haben angeblich nicht allzu viel zu verlieren und schneiden bei dem Sozialplan im Endeffekt schlechter ab. Alles Lügen, wie jetzt bekannt wurde. Laut Business Insider sieht das Freiwilligenprogramm nämlich vor, ganz gezielt Mitarbeiter:innen in Elternzeit loswerden zu wollen, also hauptsächlich junge Mütter. Vorerst bietet jedoch der Kündigungsschutz einen schützenden Schild zwischen Mutter und H&M, bis die Elternzeit ausläuft.

Im Grunde ging es H&M immer nur um maximal flexible Arbeiter:innen, mit maximalen Einsatz und maximaler Leistung. Mütter sind H&M einfach zu unflexibel! Sie wollen am Wochenende Zeit mit ihren Familien verbringen, anstatt zu arbeiten! Auch unter der Woche wollen sie nachmittags zu besonders umsatzstarken Zeiten einfach nicht arbeiten. Warum fangen Kindergarten und Schule nicht erst um 14 Uhr an?!!!11!! Und ständig gibt es dann auch noch diese Krankmeldungen oder kurzfristigen Verhinderungen, weil ihre Kinder mal wieder krank sind!

Mütter beziehungsweise Eltern, Schwangere und Kinder sind für H&M geschäftsschädigend – es sei denn, sie kaufen dort ein. H&M ist frauenfeindlich. Sie schützen weder die Mütter in den Geschäften, noch schützen sie die Mütter, die die „feministischen“ T-Shirts in den Produktionsstätten nähen.

 

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