Marxistischer Lesesommer in Münster: Die Welt verstehen, um sie zu verändern

30.04.2026, Lesezeit 6 Min.
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1. Mai in Münster, Foto: KGK

Angesichts der vielen Krisen und Kriege, die ein Gefühl der Ohnmacht erzeugen, ist es hilfreich, sich die Welt gemeinsam zu erklären, um sie zu verändern. Daher startet im Mai der marxistische Lesesommer in Münster.

Das Jahr 2026 ist noch nicht einmal zur Hälfte rum und es überstürzen sich schon die politischen Ereignisse: Im Januar überfielen die USA Venezuela und entführten dessen Präsidenten, um sich Zugang zum venezolanischen Öl zu verschaffen. Anschließend begann Trump mit einer totalen Treibstoffblockade Kuba und bereitet eine militärische Intervention vor. Im Februar überfielen Israel und die USA den Iran und bombardierten Mädchenschulen und Ölraffinerien, sodass die Straßen Teherans lichterloh brannten. Seitdem ist die Straße von Hormuz geschlossen, der internationale Ölhandel bricht zusammen und überall auf der Welt explodieren die Treibstoffpreise. Im Schatten dieses Krieges begann Israel auch eine Bodenoffensive im Süden Libanons, die mit millionenfacher Vertreibung einhergeht. 

Währenddessen plant die deutsche Bundesregierung einen Angriff auf die Arbeiter:innen und Armen nach dem anderen. Der Achtstundentag steht zur Debatte, Krankenversicherungsleistungen sollen gestrichen werden, Feiertage abgeschafft, soziale Projekte eingestellt und der Druck auf Arbeitslose erhöht werden. Derweil klettern die Spritpreise in ungeahnte Höhen und die Regierung schaut tatenlos zu. Die deutsche Industrie betreibt Massenentlassungen und die Arbeitslosigkeit, besonders unter jungen Menschen, steigt. Kinder und junge Erwachsene sollen in Zukunft auch noch zwangsweise zur Bundeswehr eingezogen werden, denn Deutschland will um jeden Preis kriegstüchtig werden. Die Regierung knarzt in allen Fugen, die AfD überholt in den Umfragen die CDU und wird bald auch auf Landes- und Bundesebene Ministerposten besetzen können.

Diese Flut an schlechten Nachrichtenmeldungen kann schon mal überfordern und das Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht erzeugen. Doch all diese Phänomene haben eine gemeinsame Ursache: sie sind alle Ausdruck der Krise des globalen kapitalistischen Systems, welches im Prozess seines Niedergangs immer neue Kürzungen, Kriege und immer neue Barbarei hervorbringt. Die einzige Kraft, die diesem Wahnsinn etwas entgegensetzen kann, ist die Arbeiter:innenklasse in allen Ländern. Das zeigen sowohl die Generalstreiks gegen Waffenlieferungen an Israel letzten Oktober in Italien, als auch die massiven Mobilisierungen gegen Trump und ICE in Minneapolis. Doch diese Kraft ist sich ihrer gesellschaftlichen Macht und Aufgabe noch nicht voll bewusst. 

Für Studierende und Arbeiter:innen ist daher der erste Schritt gegen die Ohnmacht, sich die gesellschaftlichen Zusammenhänge zu erklären, die diese Krisen hervorbringen. Nur, wer die Welt versteht, kann sie auch verändern. Um das zu tun, organisiert die Revolutionäre Internationalistische Organisation (RIO) ab dem 10. Mai in Münster der marxistische Lesesommer. Er richtet sich an all diejenigen in Münster, die nicht nur passiv zuschauen, sondern selbst aktiv werden wollen, um den Kapitalismus endlich überwinden zu können. Gemeinsam wollen wir uns in acht Sitzungen die wichtigsten politischen Phänomene unserer Zeit anschauen, an ihnen die marxistische Denkweise gemeinsam erlernen und anschließend daraus eine politische Strategie ableiten, die den Weg zur Überwindung des Kapitalismus vorzeichnet. 

Die Sitzungen sind thematisch an bestimmten politischen Terminen und Ereignissen orientiert und sollen als theoretische Erklärung des Zeitgeschehens und als Anleitung zum politischen Handeln dienen:

In der Auftaktsitzung am 10. Mai ab 16 Uhr soll es anlässlich des 1. Mai um die Frage gehen, was die Arbeiter:innenklasse ist, was Gewerkschaften sind und wie sie mittels Streiks effektiv gegen das Kapital kämpfen können, statt immer nur faule Kompromisse auszuhandeln. Gelesen werden Ausschnitte aus Rosa Luxemburgs Massenstreik, Partei und Gewerkschaften und Leo Trotzkis Die Gewerkschaften in der Epoche des imperialistischen Niedergangs.

Die zweite, dritte und vierte Sitzung am 24. Mai, 07. Juni und 21. Juni, jeweils ab 16 Uhr, befassen sich mit dem Themenkomplex Imperialismus, Krieg und den Möglichkeiten des internationalen Klassenkampfs dagegen. Zunächst werden theoretische Grundlagen vermittelt und anschließend werden diese anhand des Beispiels Irankrieg konkretisiert. Gelesen werden Ausschnitte aus Lenins Sozialismus und Krieg, eine Einführung in die Theorie Permanente Revolution und den Text Wie stehen Kommunist:innen zum Krieg gegen den Iran?

In der fünften Sitzung am 12. Juli ab 16 Uhr soll es um Faschismus und den Aufstieg der AfD gehen. Die Sitzung versteht sich als theoretische Begleitung der Proteste gegen den AfD-Parteitag in Erfurt Anfang Juli und will ermitteln, was die AfD ist, wie viel Faschismus tatsächlich in ihr steckt und welche Strategie es braucht, um ihren Aufstieg zu stoppen. Gelesen werden Leo Trotzkis Portrait des Nationalsozialismus und der Text Ist es 5 vor 1933?

Die sechste Sitzung am 9. August ab 16 Uhr möchte dann zusammenfassend fragen, welche Rolle die Arbeiter:innenklasse und ihre Selbstorganisation im Kampf gegen den Kapitalismus und seine Krisensymptome spielen kann und welche Strategie es braucht, um auch in westlichen Demokratien mit ihren zahllosen Vermittlungs- und Integrationsinstanzen, siegreich zu sein. Gelesen wird der Text von Matias Maiello und Emilio Albamonte: Trotzki, Gramsci und der Aufstieg der Arbeiter:innenklasse als hegemoniales Subjekt.


Die siebte und achte Sitzung am 23. August und 6. September ab 16 Uhr ziehen aus den diskutierten Punkten eine allgemeine Schlussforderung und fragen, mit welchem Programm Kommunist:innen in die Kämpfe unserer Zeit intervenieren sollten. Gelesen wird von Leo Trotzki: Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der 4. Internationale (Das Übergangsprogramm).

Die erste Sitzung findet im Spec Ops am Aegidiimarkt 5, 48143 Münster statt. Die Orte für die folgenden Sitzungen werden jeweils eine Woche vorher angekündigt.

Es braucht keinerlei Vorwissen in der marxistischen Theorie oder anderen politischen Feldern. Vor jeder Sitzung werden die Texte samt Lesefragen herumgeschickt, um sich auf die Diskussion vorzubereiten.

Wir freuen uns, wenn Du auch eigene Themen, Interessen und Fragen einbringst, über die wir uns gemeinsam austauschen können!

Kontaktiere uns gerne über unser Instagram oder unsere Mailadresse info@klassegegenklasse.org

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