Leipzig: Antifa heißt Free Palestine!
Das Palästinaaktionsbündnis Leipzig ruft am 17. Januar zu einer Demonstration in Connewitz auf. Ein Stadtteil, der noch immer stark antideutsch geprägt ist. Die mediale Hetze dagegen eskaliert.
Leipzig galt lange als antideutsche Hochburg, in der man schief angeschaut oder gar angegangen wurde, wenn man Kufiya trug. Seit dem 7. Oktober 2023 und mit dem Erstarken der Palästinabewegung bundesweit hat sich das allerdings verändert. Palästinasolidarische Demonstrationen in Leipzig zählten Tausende von Menschen, die gegen den Genozid in Gaza auf die Straße gingen. An der vom Palästinaaktionsbündnis Leipzig (PAL) ausgerichteten Protestaktion „March to Airport Leipzig“ im Sommer 2025 beteiligten sich über 1000 Menschen (wir berichteten). Der Flughafen Leipzig/Halle ist einer der wichtigsten Frachtflughäfen in Deutschland und ein Umschlagspunkt für Waffenlieferungen nach Israel. Nachdem ein DHL-Mitarbeiter, der eine Rede gegen eben diese Waffenlieferungen hielt, vom Konzern gekündigt wurde, starteten sie außerdem eine große Solidaritätskampagne, die in äußerst fortschrittlicher Weise immer wieder den Dialog und die Zusammenarbeit mit den Arbeiter:innen des Flughafens sucht. Denn nur sie haben die Streikmacht, Waffenlieferungen ganz praktisch verhindern zu können. Sich nun das letzte vorwiegend antideutsche Viertel in Leipzig als Ort für die Demonstration auszusuchen, ist ein Zeichen für das wachsende Selbstbewusstsein der Palästinabewegung und ein Test, der zeigen wird, wie palästinasolidarisch Leipzig mittlerweile geworden ist.
Innerlinke Grabenkämpfe?
Anlass für diese Demonstration, waren Angriffe von Antideutschen auf palästinasolidarische Menschen im Leipziger Süden, wie es die Gruppe Lotta Antifascista am 4. November 2025 auf X berichtete. Der Vorfall reiht sich ein, in eine lange Liste gewaltsamer Übergriffe, die sich die Bewegung nun nicht länger bieten lassen will. Seit der Ankündigung der Demonstration sind Stimmen laut geworden, die dazu aufrufen, doch bitte keine „innerlinken Grabenkämpfe“ zu führen, sondern sich lieber auf den Kampf gegen rechte Hetze zu konzentrieren. Mit dem Wort „links“ werden dann alle möglichen Gruppierungen und Personen zusammengeworfen, die aber in nahezu allen konkreten politischen Fragen fundamentale Differenzen haben und oft auf ganz verschiedenen Seiten der Barrikade stehen.
Die übriggebliebenen Vertreter:innen des antideutschen Spektrums verteidigten das militärische Vorgehen Israels in Gaza als „Antiterroraktion“ und das obwohl die gesamte Führungsriege des israelischen Staates sofort nach dem 7. Oktober und seitdem bei unzähligen Gelegenheiten ganz offen ausgesprochen hat, dass es ihr nicht nur um die Ausschaltung der Hamas, sondern um die Vernichtung der Lebensgrundlage in Gaza und um die Vertreibung seiner Bevölkerung geht. Sie leugnen und verschleiern bis heute das Ausmaß des Mordens. Trumps kolonialen „Friedensplan“, gepaart mit fiebrigen Visionen eines „Riviera des Nahen Ostens“, wurde von diesen Kräften begrüßt und als „Ende der Gewalt“ verklärt, obwohl der jetzige „Waffenstillstand“ nur als Nebel dienen soll, um die ethnische Säuberung zu vollenden. Personen, die sich gegen das Massaker und gegen den Staat stellen, der dieses Massaker vor aller Welt verübt, werden von ihnen tätig angegriffen.
In Leipzig spielen Antideutsche schon jahrelang die Rolle einer freiwilligen Hilfspolizei der deutschen Staatsräson. Raumverbote aufgrund fadenscheiniger Lügengebilde, Ausschlüsse aufgrund des Tragens von bestimmten Kleidungsstücken, öffentliche Denunziationen und sogar physische Gewalt gegen palästinasolidarische Aktivist:innen gehörten zu ihren Mitteln. Hat die antideutsche Szene keine nennenswerte soziale Basis mehr, so sitzt sie doch als verknöcherte Bürokratie in kulturellen Einrichtungen, wie dem Conne-Island oder im Apparat der Linkspartei und der Gewerkschaften. Diese „verstaatlichten“ Reste der antideutschen Bewegung haben sich auch Jahre nach dem Verschwinden ihrer sozialen Basis gehalten und stellen jetzt eine Blockade auf dem Weg des Kampfes gegen die deutsche Unterstützung des israelischen Genozids dar. Mit „innerlinken Grabenkämpfen“ hat dies also nichts zu tun, es geht um den Kampf der antiimperialistischen, palästinasolidarischen Bewegung gegen den deutschen Staat und seine klägliche „antideutsche“ Hilfstruppe.
Während es aus dieser Richtung heißt, die Organisator:innen der Demo riefen „zu Gewalt“ auf, sind es hingegen Antideutsche, die „17.1.: Antisemiten aufs Maul!“ an Hauswände schmieren, Steine auf Moscheen werfen und Aktivist:innen auf Demos angreifen. Die Führung der Linken Leipzig spricht beim Aufruf der PAL von einer „gewaltandrohenden und denuziatorischen Demonstration“ und verurteilt im gleichen Atemzug diejenigen Teile ihrer Partei, die sich palästinasolidarisch zeigen und zu dieser Demo aufrufen. Dabei muss klar gesagt werden: Der Vorstand der Linken Leipzig und die Linke Leipzig Süd mit Juliane Nagel an der Spitze tun mit ihrem Aufruf zur „Verteidigung linker Räume“ nichts anderes, als die letzten Reste des vorgelagerten parastaatlichen Bollwerks innerhalb der Leipziger Arbeiter:innenbewegung zu verteidigen. Dabei schrecken sie vor Diffamierung und Lügen nicht zurück. Selbst die Parteispitze konnte es sich nicht verkneifen in einem kürzlich erschienenen Statement zu behaupten:
Die politische Auseinandersetzung um die Beendigung von Kriegsverbrechen und die Besatzung der palästinensischen Gebiete führen wir in der Hauptsache mit denen, die diese Kriege führen und denjenigen, die sie militärisch und politisch stützen – der deutschen Bundesregierung.
Die Wut über Kriegsverbrechen und deren staatliche Unterstützung dürfe sich nicht in Angriffen auf einzelne Mitglieder der Partei ausdrücken. Ist es doch aber die Parteiführung von Die Linke selbst, die sich der deutschen Bundesregierung anbiedert, um die Chance auf Regierungsbeteiligung in einer Koalition mit den bürgerlichen Parteien zu bekommen. Aber auch die Führung von Die Linke Leipzig, scharwenzelt mit dem Hochhalten der Staatsräson um diejenigen herum, die diesen Krieg mitfinanzieren und mitführen: die deutsche Bundesregierung.
Eine Demonstration, die Antifaschist:innen dazu aufruft, sich gegen einen Völkermord zu positionieren, ist kein „innerlinker Grabenkampf“, sondern absolute Selbstverständlichkeit unter all denjenigen, die es mit ihrer Opposition gegen den deutschen Imperialismus ernst meinen.
Der Genozid ist nicht vorbei
Während die Leipziger Antideutschen hetzen geht der Völkermord an den Palästinenser:innen immer noch weiter, wenn auch in anderen Formen als einem offenen Krieg. Trotz der Waffenruhe, die im Rahmen von Trumps Gaza-Plänen beschlossen wurde, bleibt die humanitäre Lage in Gaza katastrophal. Kinder sind mangelernährt und tragen nach zwei Jahren Krieg sichtbare Schäden. Zusätzlich hat Israel mit dem neuen Jahr 37 internationalen Hilfsorganisationen die Lizenzen entzogen, mit der Begründung, dass sie terroristische Mitarbeitende beschäftigen würden. Bis März 2026 müssen Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ ihre Aktivitäten endgültig einstellen. Somit kann Israel den Genozid trotz der sogenannten „Waffenruhe“ ungehindert fortsetzen.
Trumps Pläne für Gaza waren natürlich eigennützig und wohl kaum mit dem Ziel verbunden, Frieden und Freiheit für Palästinenser:innen zu schaffen. Im Gegenteil: Seine Pläne strotzen vor kolonialen Fantasien. Trump zählt auf internationale Partner in Form einer „Stabilisierungsgruppe“ zu der laut Trump Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, Katar und die Türkei gehören könnten. Diese Besatzungsarmee hätte das Ziel, mit dem US-Präsidenten an der Spitze die Kontrolle über den Gazastreifen zu übernehmen und für die Entwaffnung aller palästinensischen Widerstandsgruppen zu sorgen.
Dass Donald Trump das internationale Völkerrecht und die Souveränität eines Staates ziemlich egal sind, können wir jüngst auch wieder am Beispiel von Venezuela sehen. Unter dem heuchlerischen Vorwand der Sicherheit und des „Kampfes gegen den Drogenhandel“ versucht er, den halbkolonialen Status Venezuelas zu vertiefen und droht gleichzeitig mit militärischer Aggression gegen weitere Staaten Lateinamerikas. Der selbsternannte „Friedenstifter“ hat dabei jedoch lediglich das Ziel, die US-Hegemonie wiederherzustellen und seinen Einfluss in Südamerika und Westasien auszuweiten.
Den Kampf aufnehmen
Die Führung der Linken Leipzig musste sofort nach der Veröffentlichung ihres diffamierenden Statements feststellen, dass große Teile ihrer neugewonnen Parteibasis aus jungen Menschen besteht, die sich gegen den Genozid in Gaza aussprechen und offen ihre Parteiführung durch Solid- und SDS-Strukturen dazu aufrufen, sich ebenfalls dagegen zu positionieren. Diese kritischen Mitglieder der Linken, die mit dem Statement ihrer Führung nicht einverstanden sind, sollten jetzt massenhaft unter Linke-Fahnen an der PAL-Demonstration teilnehmen und innerhalb der Partei eine Opposition bilden, die darauf abzielt, die Staatsräsonist:innen und Regierungssozialist:innen wie Juliane Nagel und Michael Neuhaus aus der Partei zu werfen.
Arbeiter:innen und Gewerkschafter:innen sollten in ihren Betrieben und Betriebsgruppen mobilisieren und mit Gewerkschaftsfahnen an der Demonstration teilnehmen, um zu zeigen, dass die antiimperialistische Tradition der Arbeiter:innenbewegung nicht vergessen wurde.
Auch diejenigen Anwohner:innen von Connewitz, die sich als Antifaschist:innen bezeichnen, sollten die Veranstalter:innen unterstützen. Antifaschismus ohne Palästinasolidarität ist im Lichte des Aufstiegs der internationalen neuen Rechten, die samt und sonders ausgezeichnete Beziehungen mit Netanjahu pflegt, zu einer Farce geworden.
Und wer jetzt gegen die imperialistische Intervention Trumps in Venezuela auf die Straße geht, der sollte auch gegen den Völkermord Israels und die imperialistischen Pläne der USA für die Kolonisierung Gazas demonstrieren!
Schon jetzt gibt es aus der palästinasolidarischen Community in Leipzig breite Unterstützungsaufrufe und Mobilisierungen. Wir folgen hiermit dem Aufruf von PAL, Lotta Antifascista, Handala Leipzig, SfP und Migrantifa Leipzig und rufen bundesweit dazu auf, sich der Demo anzuschließen:
Samstag, 17. Januar ab 13 Uhr am Connewitzer Kreuz, Leipzig – Wir sehen uns dort!